Nabil Bentaleb hat sich zurückgemeldet. Wie wichtig sein verwandelter Elfmeter zum 2:0- Endstand im Topspiel gegen Bayer Leverkusen war, zeigte sich im Schalker Jubel. Dem Algerier war die Erleichterung deutlich anzumerken, die Kollegen herzten ihn innig. Zuvor gab es eine kurze Diskussion mit Daniel Caligiuri, der hinterher verriet, warum er Bentaleb den Ball überließ.


Es lief die 89. Minute im Spitzenspiel des 24. Spieltages: Breel Embolo konnte frei vor Leverkusens Schlussmann Bernd Leno von Bayer-Veteidiger Panagiotis Retsos nur mit einem Foul gestoppt werden. ​Den fälligen Strafstoß verwandelte Nabil Bentaleb zum 2:0 Endstand. Der FC Schalke 04 klettert mit dem Auswärtserfolg gegen den direkten Konkurrenten wieder auf Champions-League-Platz drei. 


Jener Bentaleb, der wegen seines egoistischen Verhaltens in den letzten Wochen in der Kritik stand und nicht zuletzt von Schalke-Manager Christian Heidel öffentlich angezählt wurde. Der 23-jährige Algerier stand auch deshalb ​in den letzten beiden Partien gegen den FC Bayern und Hoffenheim nicht im Kader der Knappen. In Leverkusen saß der hochveranlagte Mittelfeldspieler wieder auf der Bank, nachdem Schalke-Trainer Domenico Tedesco die Uhren zuvor wieder "auf Null gestellt" hatte.


Ein Schritt zurück in die Normalität


Nach 66 Minuten kam Bentaleb am Sonntagnachmittag für Leon Goretzka in die Partie. Tedesco habe seinem Schützling vor der Einwechslung "viel Spaß" gewünscht, wie der Schalke-Coach verriet. Hinterher zeigte er sich zufrieden über die Leistung des Geläuterten: "So darf Nabil Bentaleb gerne weitermachen", lobte Tedesco den Algerier gegenüber ​Der Westen. Und auch Heidel freute sich: "Mir gefällt es, dass er in so einer Situation hingeht und den Ball reinhaut", so der S04-Manager.

Eigentlich wollte Kollege Daniel Caligiuri den Elfmeter verwandeln. Der Vorlagengeber zum frühen 1:0 durch Guido Burgstaller schnappte sich den Ball. Nach einer kurzen, emotionalen Diskussion überließ er aber Bentaleb die Kugel. "Er hat mich angefleht zu schießen. ​Nach den Trainingsleistungen der letzten Wochen hat er es sich verdient", erklärte Caligiuri der Westdeutschen Zeitung, warum er seinem Mitspieler die Ausführung überließ. "Ich habe ihm den Vortritt gelassen - wie schon Amine Harit bei unserem Sieg in Stuttgart. Nächstes Mal bin ich nicht so brav“, sagte Caligiuri mit einem Lächeln.

Bentaleb verwandelte sicher flach ins rechte Eck und feierte seinen Treffer im Anschluss ausgelassen vor der Schalker Fankurve. Die Kollegen fielen dem 23-Jährigen dabei erleichtert in die Arme. Weil Schalke den so wichtigen Auswärts-Dreier endgültig klar machte - und vielleicht auch, weil sie froh waren, dass der Treffer für Bentaleb ein weiterer Schritt zurück in die Normalität bedeutet. Für Heidel sei diese zwar "schon längst wieder da". Die Diskussionen um Bentalebs Ego wären aber wohl erneut hochgekocht, hätte er den Strafstoß nicht verwandelt.

So konnte man sich auf Schalke doppelt freuen. Das "Störfeuer" Bentaleb scheint erst einmal gebannt, die Rückkehr in die Königsklasse weiter möglich. "Die Fans dürfen davon sprechen und träumen", blieb Tedesco dennoch zurückhaltend. "Bei uns ist das aber schlichtweg verboten. Denn erstens ist die Tabelle unheimlich eng und zweitens würden wir dann Gefahr laufen, den Fokus zu verlieren", mahnte der 32-Jährige.