Am kommenden Samstag (18.30 Uhr) steigt zum insgesamt 153. Mal das Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen. Für beide Mannschaften geht es im Abstiegskampf um nicht weniger als einen Sieg gegen den Rivalen, weshalb auch HSV-Trainer Bernd Hollerbach um die hohe Bedeutung dieses Duells weiß. Auch unter seiner Leitung warten die 'Rothosen' noch immer auf den ersten Sieg seit dem 13. Spieltag, weshalb nun ausgerechnet gegen Werder der erste Dreier der Rückrunde eingefahren werden soll.

Für Bernd Hollerbach ist es das erste Nordderby als Trainer des Hamburger SV. Was diese Partie für beide Vereine bedeutet, weiß er jedoch noch aus seiner aktiven Zeit, als er von 1996 bis 2004 für den abstiegsbedrohten HSV auflief. Daher erwarte er auch ein "emotionales Spiel", so Hollerbach. "Ich kenne es aus meiner aktiven Zeit. Es ist ein wichtiges Spiel, in dem die Tabellensituation nicht im Vordergrund steht. Im Derby stecken viele Emotionen. Ein Psychospiel ist es aber nicht", wird der 48-Jährige von der Hamburger Morgenpost zitiert.

​Allerdings räumte er zugleich ein, dass die Situation an der Seitenlinie eine weitaus andere, da passive sei: "
Als Spieler war es einfacher, da konnte ich direkt eingreifen. Jetzt bleibt mir nur die Halbzeit. Ich freue mich riesig auf das Derby, deshalb liebe ich den Fußball." Seit mehreren Jahren stehen beide Vereine vor den Duellen unter gehörigem Druck, doch Hollerbach gehe damit locker um: "Ich bin früher positiv rangegangen. Je mehr gepfiffen wurde, umso motivierter war ich", so der bislang noch sieglose Trainer der Hamburger.

Auch aktuell stehen beide Kontrahenten mitten im Abstiegskampf, doch ausgerechnet für den HSV wird die Luft immer dünner. Die Hanseaten stehen mit 17 Punkten auf dem 17 Tabellenplatz und haben sechs Punkte Rückstand auf Mainz 05, das derzeit den Relegationsplatz belegt, und Werder Bremen. Verlieren scheint also verboten, ansonsten droht der Rückstand auf das rettende Ufer nur noch größer zu werden. 


Hollerbach relativiert die tabellarische Situation jedoch: "Derbys waren immer brisant. Ich glaube, dass sich die Jungs schon bewusst sind, dass es ein wichtiges Spiel ist – auch für unsere tollen Fans. Sie haben uns bisher sensationell unterstützt und werden es auch weiterhin tun." Ein Derby sei generell "ein Spiel, das man nicht gerne verlieren möchte."


​Auch aufgrund der Tatsache, dass erst der 24. Spieltag vor der Tür steht, sieht der gebürtige Würzburger seine Mannschaft noch nicht am Ende: "Nein, wir wären nicht weg", so Hollerbach auf die Frage, ob man bei einer Niederlage bereits für die zweite Liga planen könne. "Danach gibt es noch zehn Spiele, Chancen gibt es genug. Es ist noch lange nicht vorbei und immer ans sich glaube. Die Messe ist noch lange nicht gelesen."

​Doch damit der HSV endlich wieder siegt, müssen sich vor allem die Spieler, die auf dem Platz stehen werden, im Vergleich zur 1:2-Niederlage gegen Bayer Leverkusen steigern. Daher fordert Hollerbach: "Ich erwarte, dass wir so auftreten wie gegen Leipzig und Dortmund. Ich kann der Mannschaft bislang keinen Vorwurf machen. Wir müssen uns das Glück wieder erarbeiten." Doch im Derby komme es vor allem auf die Mentalität an: "Unsere Einstellung wird sein, dass wir alles raushauen. Ich bin mir sicher, dass die Spieler im Derby brennen werden."

​Einer, der daher auf dem Platz einen entscheidenden Anteil an einem Erfolg haben soll, ist Aaron Hunt. Der 31-Jährige spielte von 2003 bis 2014 für Werder, wechselte jedoch über den VfL Wolfsburg zum HSV. Der offensive Mittelfeldspieler sei "besonders motiviert", so Hollerbach. "Er ist einer der erfahrenen Spieler bei uns, der mit solchen Situationen sehr gut umgehen kann. Er hat sich ein paar junge Spieler geschnappt und mit ihnen über die Lage gesprochen."

​Doch während sich beide Vereine zum insgesamt 108. Mal in der Bundesliga gegenüberstehen werden, wird es das erste Duell zwischen Hollerbach und Kohfeldt. Ein Nachteil soll dies jedoch nicht darstellen, so der 48-Jährige: "
Ich kenne ihn nicht, aber ich kenne Frank Baumann gut. Ich denke, dass die Bremer immer Geschlossenheit ausgezeichnet hat, sie stehen in schwierigen Situationen zusammen. Auffällig, wenn es Spitz auf Knopf ist, wachsen sie zusammen." Ein solcher Zusammenhalt könnte auch den Spielern und Verantwortlichen des Hamburger SV dabei helfen, die erneut schwierige Saison zu überstehen.