Milos Jojic arbeitet unermüdlich. Kölns serbischer Mittelfeldspieler glaubt weiter an das "kleine Wunder" Klassenerhalt und will dem Effzeh die Treue halten. In einem Interview erzählt der 25-Jährige, dass ihn seine Zeit beim BVB starkgemacht habe. Die Umstellung seiner Ernährung sei der nächste Schritt zum Stammspieler in Köln gewesen. Inspiriert wurde er dabei von einem serbischen Superstar.


Mit 21 Jahren wagte Milos Jojic den Sprung nach Deutschland. Der serbische Mittelfeldspieler wechselte im Januar 2014 von Jugendklub Partizan Belgrad zum BVB. "Es war schon immer mein Ziel, in Deutschland zu spielen. Die Disziplin, Einstellung und Mentalität haben mich gereizt. Beim BVB habe ich keine Sekunde gezögert. Ich habe den Koffer gepackt und mich ins Flugzeug gesetzt", sagt Jojic über seinen Schritt in die Bundesliga. 


Beim BVB legte er einen Traumstart hin. Nur 17 Sekunden nach seiner Einwechslung erzielte Jojic das 4:0 gegen Eintracht Frankfurt - bis heute Bundesliga-Rekord für das schnellste Tor eines Debütanten. "Darauf bin ich stolz. Besser kann es nicht laufen", sagt der mittlerweile 25-Jährige im Interview mit Spox

Die ersten Monate in Deutschland seien zwar schwierig gewesen, weil er die Sprache nicht beherrschte und oft alleine war, sportlich lief es allerdings besser als zuvor erhofft. "Die ersten sechs Monate waren sehr gut. Ich habe viel gespielt, sogar deutlich mehr, als ich vorher gedacht hätte", erinnert er sich zurück. Der erste Einsatz in der Startelf folgte im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen Real Madrid.


Der BVB hatte die erste Partie in Madrid deutlich mit 3:0 verloren und musste zuhause auf einige Stammspieler verzichten. Jojic stand zusammen mit Manuel Friedrich und Oliver Kirch in der Startelf und brannte gegen die Königlichen ein echtes Feuerwerk ab. Am Ende reichte es nach dem 2:0-Sieg nicht für das Weiterkommen. Dennoch sagt Jojic: "Das war eines der besten Spiele meiner Karriere."

FBL-EUR-C1-DORTMUND-REAL-MADRID

Denkwürdige Partie: 2014 steht Jojic (l. gegen Luka Modric) im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid in der Startelf und macht ein überragendes Spiel. 



Schwere Zeiten in Dortmund haben Jojic stark gemacht


In seiner zweiten Spielzeit lief es dann nicht mehr so rund für den fünffachen serbischen Nationalspieler. In der Rückrunde 2014/2015 kam Jojic nur noch einmal zum Einsatz, am letzten Spieltag wurde er neun Minuten vor Schluss eingewechselt. "Woran das lag, hat mir niemand erklärt. Ich nehme das aber auf meine Kappe - jeder trägt für sich selbst die Verantwortung", so Jojic.


Es folgte der Wechsel zum 1. FC Köln, wo er in seinem ersten Jahr für die Geißböcke nur zweimal in der Bundesliga starten durfte. In Dortmund habe er gelernt, dass er geduldig sein müsse, blickt Jojic zurück. "Deswegen bin ich in der schwierigen Anfangszeit in Köln nicht davongerannt. Ich bin geblieben, habe auf die Zähne gebissen und jetzt bin ich seit einem Jahr Stammspieler."


Dabei geholfen hat ihm wohl auch eine Ernährungsumstellung. Auslöser sei ein zufälliges Treffen mit dem serbischen Tennis-Idol Novak Djokovic gewesen. "Ich war in seinem Restaurant und er war da. Ich wollte ihn unbedingt ansprechen, da war ich wie ein kleiner Junge. Er ist ein großer Held für mich", erzählt der 25-Jähirge. Dabei sei Jojic "extrem beeindruckt" gewesen, wie gesund der zwölfmalige Grand-Slam-Sieger aussah. "Deswegen habe ich gesagt: 'Ab heute esse ich nur noch Gemüse!'", sagt er mit einem Grinsen.

2013 BNP Paribas Open - Day 4

Der zwölffache Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic inspirierte Jojic zu einer Ernährungsumstellung.



Kurze Zeit später habe er sich mit einem Autor eines Ernährungsbuches getroffen, der seither Jojic' Ernährungsplan erstellt. "Ich trinke viel gepressten Zitronentee und Shakes mit Spinat, Birne, Banane, Leinsamen oder Ähnlichem. Ich esse kein Fleisch mehr und keine Milchprodukte", erklärt der Serbe.


"Wir brauchen ein kleines Wunder"


Der neue Essensplan konnte aber auch nicht verhindern, dass Jojic - wie der Rest der Kölner Mannschaft - eine katastrophale Hinrunde spielte. Nach der Euphorie und der ersten Europapokal-Teilnahme seit 25 Jahren folgte für den FC der beispiellose Absturz im ersten Halbjahr der Spielzeit. "Die Hinrunde war eine Katastrophe. Wir haben nicht gut gespielt und fast immer verloren. Darunter hat das Selbstvertrauen gelitten", gibt er zu. Nach drei Siegen in Folge sei aber der Glaube zurückgekommen. Im Abstiegskampf habe man dennoch weiter die schlechteste Ausgangsposition. "Wir brauchen wirklich ein kleines Wunder, um das nach der Hinrunde noch zu schaffen", schätzt er realistisch ein. 


Sollte es nicht klappen, habe Jojic aber noch keinen Plan B parat. "Alle meine Pläne sind mit dem Effzeh. Ich habe noch anderthalb Jahre Vertrag. Ich beschäftige mich aktuell nicht damit, dass wir absteigen", bekräftigt er. Zu wohl fühle er sich in der "wunderschönen Stadt und in diesem super Verein." Der Glaube an das "kleine Wunder" ist auch nach dem kleinen Knick zuletzt und neun Punkten Rückstand noch vorhanden. "Viele haben uns schon abgeschrieben. Aber die Fans stehen wie eine Wand hinter uns, das gibt uns Kraft. Und wir haben unser Spiel verbessert", bleibt er optimistisch.