In der Bundesliga steht die Mannschaft von Eintracht Frankfurt über den Erwartungen, doch im Jugendbereich stockt die Entwicklung ein wenig. Während die U19 um den Klassenerhalt in der A-Junioren Bundesliga kämpft, verweilt die U17 im Mittelfeld. Um sich künftig in der Jugendarbeit zu verbessern, verpflichteten die Hessen zum Ende des vergangenen Jahres Marco Pezzaiuoli, der als Technischer Direktor das Bindeglied zwischen Nachwuchs- und Profiabteilung darstellt. Dieser will den Nachwuchsbereich der Eintracht verbessern und stellt nun im kicker seine ersten Überlegungen vor.

Zwar schafften bei Eintracht Frankfurt immer wieder einige Spieler den Durchbruch in die Profimannschaft, doch so wirklich konnte sich kaum jemand in den vergangenen Jahren durchsetzen. So spielt Aymen Barkok beispielsweise eine untergeordnete Rolle in der Mannschaft von Niko Kovac und kommt zumeist nur als Joker zum Einsatz. Marc Stendera, der aufgrund vieler Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde, verpasste es ebenfalls, sich langfristig einen Stammplatz zu erspielen.

Doch trotz der durchaus positiv zu bewertenden Transferpolitik von Fredi Bobic und Bruno Hübner ist man seitens des Tabellendritten der Bundesliga darum bemüht, die Jugendabteilung noch einmal neu zu strukturieren - auch aufgrund der größer gewordenen Konkurrenz, wie Marco Pezzaiuoli im kicker verriet: "Unser NLZ hat im Vergleich mit den anderen Bundesligisten keinen großen Etat. Trotzdem wurden in den vergangenen Jahren einige Spieler nach oben gebracht. Der Markt ist sehr viel aggressiver geworden, es gibt Vereine wie Leipzig, die enorm viel Geld zahlen – mehr als wir für unsere Jungprofis", so der 49-Jährige, der nach drei Jahren als Jugendleiter des chinesischen Spitzenklubs Guangzhou Evergrande zum neuen Jahr bei Eintracht Frankfurt anheuerte.

Borussia M'gladbach v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Will im Sommer bei Null anfangen: Marco Pezzaiuoli strebt eine verbesserte Nachwuchsabteilung an


​Gerade in den jungen Jahrgängen wolle man auf Talente aus der Region setzen und diese langfristig begleiten: "
Wir werden uns im U9-, U10-, U11-Bereich breiter aufstellen und auch in der Region ausbilden. So können wir die Spitze für uns gewinnen, aber auch die Breite mit ausbilden." Allerdings benötige man erst einmal einheitliche Systemstrukturen, die man derzeit noch entwickeln müsse: "Welche Prinzipien wollen wir in der U11, U12, U13, U14, U15 beibringen, die aufeinander aufbauen? Das gibt es bis dato nicht."

Bereits in den kommenden Monaten wolle man diese Frage beantworten und den neuen Weg einschlagen: "
Ich will, dass wir ab dem Sommer eine klare sportliche Struktur haben, so wie wir das im athletischen Bereich schon eingeführt haben", appellierte Pezzaiuoli deutlich. Man müsse "die Region für uns gewinnen und unser Konzept offen darlegen. Die Leute sollen sehen, dass wir nicht nur abgrasen, sondern die Region und die Eintracht nach vorne bringen wollen."

Ein weiterer "wichtiger Aspekt" sei "die Belastung der jungen Spieler, die zwischen Nachwuchs- und Profiabteilung pendeln." Daher werde man zukünftig "monatlich zwei bis drei Testspiele am Tag nach dem Profispiel absolvieren. Wenn wir zum Beispiel an einem Freitagabend spielen, könnten wir am Samstagmorgen um elf, zwölf Uhr statt des Spielerersatztrainings ein Spiel bestreiten, in dem Spieler zum Einsatz kommen, die nicht im Kader standen oder nur Kurzeinsätze hatten."

Junge Talente aus der Region finden und nachhaltig in ein strukturiertes System integrieren, so lautet der Plan des Ex-Trainers von 1899 Hoffenheim. 
​Nach Bayern München, das bereits im vergangenen Sommer seinen neuen Campus präsentierte, findet nun also auch bei Eintracht Frankfurt ein Umdenken im Nachwuchsbereich statt. Doch es dürfte sich erst in den kommenden Jahren zeigen, ob die derzeitige Idee vielversprechende Erträge bringt.