Mit einem klaren 5:0-Sieg gegen Besiktas dürfte der FC Bayern das Viertelfinale der Champions League schon nach dem Hinspiel gebucht haben. Arjen Robben war dennoch stinksauer: Der Bayern-Star stand nicht in der Startelf und musste sich nach der Partie merklich zurückhalten, um seinen Ärger nicht freien Lauf zu lassen. 


​Die Startaufstellung des FC Bayern im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen Besiktas Istanbul wurde mit Spannung erwartet. Jupp Heynckes standen bis auf Kapitän Manuel Neuer alle Spieler zur Verfügung. So mussten Sebastian Rudy und Juan Bernat erneut auf der Tribüne Platz nehmen. Der wiedergenesene Thiago stand nach seinem Comeback in Wolfsburg ebenfalls nicht im Kader.


Die größten Fragezeichen gab es vor der Partie bei der Besetzung der offensiven Außenpositionen. Und hier zeigte Heynckes, dass sich bei den Bayern eine Wachablösung abzeichnet: Die beiden Altmeister Franck Ribery und Arjen Robben fanden sich auf der Bank wieder. Über den linken Flügel begann Kingsley Coman, rechts startete Thomas Müller.

Bayern Muenchen v Besiktas - UEFA Champions League Round of 16: First Leg

Gute Miene zum bösen Spiel: Arjen Robben (l.) vor dem Spiel mit Rafinha (m.) und Franck Ribery (r.) auf der Bayern-Bank.



Besonders Arjen Robben schmeckte die Entscheidung so gar nicht. Der 34 Jahre alte Niederländer wurde zwar schon kurz vor der Pause für den ​an der Wade angeschlagenen James Rodriguez eingewechselt und bot im zweiten Durchgang eine starke Leistung - nach dem klaren 5:0-Sieg war Robben aber dennoch angefressen.

Im Interview mit Sky analysierte er zunächst das Geschehen: Die Leistung in der ersten Hälfte sei "absolut nicht gut" gewesen. "Zu viele Fehler, wir waren nicht bei der Sache", urteilte Robben. Mit dem Seitenwechsel habe man dann "viel konzentrierter, aggressiv nach vorne gespielt und das Ding entschieden", so der Routinier weiter.


Heynckes verwehrt Robben zunächst das "Sahnehäubchen"


Auf die Frage, ob er enttäuscht über seinen Bankplatz gewesen sei, antwortete er: "Was glauben Sie? Darüber sag ich nichts mehr. Weil ein Wort ist eines zu viel." Kurz darauf gab er dann doch einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt. "Wenn ich jetzt meine Emotionen ausspreche, dann bin ich morgen bei Brazzo [Sportdirektor Hasan Salihamidzic, Anm. d. R.] oder Herrn Rummenigge und dann weiß ich nicht, was es dann gibt“, meinte er mit einem gequälten Lächeln. "Weißt du, ich bin Profi. Ich bin 34 Jahre alt und arbeite jeden Tag für diese Spiele. Das ist das Sahnehäubchen“, sprudelte es aus Robben heraus. 


Spätestens da war klar, wie sauer er über seine Nicht-Nominierung wirklich war. Mehr wollte Robben dann aber nicht mehr sagen - aus Eigenschutz. Sein Trainer Jupp Heynckes nahm die Äußerungen seines Routiniers dagegen gelassen hin. "Dass ein Spieler nicht zufrieden ist, wenn er in einem solchen Spiel nicht von Anfang an spielt, ist normal. Dafür habe ich auch Verständnis", sagte der 72-Jährige. "Ich mache das, was ich für richtig finde. Das muss auch jeder akzeptieren. Punkt!“, lautete seine Ansage an die Mannschaft.

Bisher lag die Trainer-Ikone mit seinen Entscheidungen goldrichtig. Der ​klare ​5:0-Erfolg gegen das früh dezimierte Besiktas war bereits der 14. Pflichtspielsieg in Folge. Damit stellen die Bayern den Klubrekord aus dem Jahr 1980 ein. In den 23 Partien seiner vierten Bayern-Amtszeit verlor Heynckes ohnehin bislang erst ein einziges Spiel.

Am Dienstagabend traf Kapitän Müller doppelt und bereitete das 5:0 durch Robert Lewandowski vor, Coman markierte das zwischenzeitliche 2:0. Und Arjen Robben zeigte nach seiner Einwechslung - mit ganz viel Wut im Bauch - eine starke Leistung. So lag Heynckes mit seinen Entscheidungen auch dieses Mal richtig.