​Der Rücktritt von Martin Schmidt bedeutet für Olaf Rebbe einen ganz persönlichen Rückschlag. Wolfsburgs Sportdirektor verliert seinen erklärten Wunschtrainer und steht mehr denn je im Mittelpunkt der Kritik. Sein Schicksal ist nun eng mit Schmidts Nachfolger Bruno Labbadia verbunden.


Seine Enttäuschung wollte Olaf Rebbe nicht verbergen. Nach dem ​überraschenden Rücktritt von Martin Schmidt hat Wolfsburgs Sportdirektor seinen erklärten Wunschtrainer verloren. Und das, obwohl der 39-Jährige den Schweizer am Montagvormittag noch versucht hatte umzustimmen.


Am Ende musste Rebbe Schmidts "entschlossene Haltung" aber akzeptieren. Das Ziel Klassenerhalt, dass man "allzu gerne" mit Schmidt erreicht hätte, muss nun mit einem neuen Trainer geschafft werden. Bruno Labbadia wurde am Tag darauf als neuer Übungsleiter vorgestellt. Der 52-Jährige ist bereits der dritte Trainer auf der Wölfe-Bank in der laufenden Saison.


Labbadias ist Rebbes letzter Trumpf


Eigentlich wollte der VfL in diesem Jahr wieder an erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Nach Andries Jonker und Martin Schmidt ​muss nun aber Bruno Labbadia die erneut verkorkste Saison retten und Wolfsburg - wie schon im Vorjahr - in der Bundesliga halten. Rebbes Schicksal bei den Niedersachsen ist dabei eng mit dem weiteren Saisonverlauf verbunden.

Seit Januar 2017 hat Rebbe die sportlichen Fäden in Wolfsburg in der Hand. Schon zuvor wurde er als rechte Hand von Klaus Allofs als neuer starker Mann aufgebaut. Mit dem Abgang von Allofs Ende 2016 übernahm Rebbe endgültig das Ruder bei den Wölfen. Seine Bilanz seither ist mau, die Kritik am Sportdirektor wächst. Sollte die Verpflichtung von Labbadia keine Früchte tragen, dürften auch Rebbes Tage in der Autostadt gezählt sein.

Unter Rebbes Leitung schaffte der Deutsche Meister von 2009 und DFB-Pokalsieger 2015 im letzten Jahr die Rettung erst in der Relegation gegen Lokalrivale Eintracht Braunschweig. Ein Jahr später befindet sich der VfL in einer ähnlich prekären Lage. Falsche Entscheidungen auf der Trainer-Position und reihenweise Transfer-Flops werden Rebbe vorgeworfen.


Sportlicher Abstieg begann unter Allofs


Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Der sportliche Abstieg begann schrittweise schon unter Allofs. Mit Dieter Hecking an der Seitenlinie, der den VfL von Platz elf bis zur Vizemeisterschaft und Pokaltriumph führte, folgte der Entwicklungs-Knick in der Saison 2015/2016. Noch unter Hecking verpasste der VfL mit Platz acht den Europapokal. Im folgenden Sommer verlor man mit Kevin de Bruyne den besten Spieler der Mannschaft und Hecking musste nach einem schwachen Saisonstart gehen. Seither dreht sich das Trainer-Karussel in Wolfsburg munter.


Geschäftsführer Allofs nahm Ende 2016 seinen Hut. Mit seinem Abgang änderten sich auch die Strukturen. Statt vier Geschäftsführern gibt es mit Dr. Tim Schumacher und Wolfgang Hotze seither nur noch derer zwei. Beide besitzen keine sportlichen Kompetenzen - Olaf Rebbe ist allein für die sportliche Ausrichtung verantwortlich.


Rebbe blieb den Nachweis dieser Aufgabe gewachsen zu sein bislang schuldig. Unter ihm rutschte der VfL weiter in den Tabellenkeller. Das liegt nicht nur am 39-Jährigen: Auch durch die geringere finanzielle Unterstützung vom VW-Konzern verlor der VfL in den letzten beiden Jahren Spieler wie Draxler, Schürrle, Rodriguez oder Gustavo. Naldo ging zum FC Schalke, der langjährige Stammkeeper Diego Benaglio wanderte nach Monaco ab. So wanderten nicht nur viele Stammspieler ab, der VfL verlor auch seine Identifikationsfiguren. 


Keine Strategie erkennbar


Doch Rebbes Reaktion darauf verspricht keinen Erfolg. Zwar holte er auch Spieler wie Felix Uduokhai, die ihr enormes Potenzial schon unter Beweis gestellt haben, der Großteil seiner Transfers sind aber eher in der Kategorie Paul-Georges Ntep einzuordnen. Der Franzose wurde im Winter zurück in die Heimat zu AS St. Etienne verliehen, nachdem er in Wolfsburg nicht zur erhofften Verstärkung wurde. 


Neben den vielen Fehlgriffen auf dem Transfermarkt ist zudem keine wirkliche Strategie erkennbar. Andries Jonker wollte vor der Saison in einem 4-2-3-1-System auf starke Flügelspieler setzten, die Goalgetter Mario Gomez mit Flanken füttern sollten. Stattdessen fand der Niederländer in seinem Kader mit Yunus Malli und Daniel Didavi zwei Spielmacher wieder, die zusammen nicht in Jonkers System passten. Unruhe innerhalb der Mannschaft war dadurch vorprogrammiert.


Und auch bei seinen Trainern wechselte Rebbe munter Typen und Spielphilosophien: Von Ballbesitz- bis Konterfußball war unter Valerien Ismael, Jonker und Schmidt alles dabei. Nun holte Rebbe mit Labbadia immerhin einen Trainer, der in etwa an der Spielweise von "Wunschtrainer" Schmidt anknüpfen dürfte. Aus Sicht von Rebbe bleibt zu hoffen, dass die Wölfe dabei deutlich erfolgreicher sind.