Die Begegnung von Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig war ein historischer Bundesliga-Moment: Es war die erste regulär angesetzte Montagspartie. Begleitet wurde sie von massiven, aber friedlichen Protesten der Frankfurt-Fans. Leipzigs Ilsanker fand sie "dumm", die Eintracht-Spieler zeigten dagegen Verständnis.


Das Bundesliga-Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und RB Leipzig war kein alltägliches - soviel stand schon im Vorfeld fest. Nachdem zuvor schon an zwölf Montagen in der Bundesliga-Geschichte der Ball rollte, war die Partie vom 23. Spieltag die erste regulär angesetzte Begegnung der Historie.


Begleitet wurde sie - wie angekündigt - von massiven, aber friedlichen Protesten. Bis 2021 sollen fünf Spiele pro Saison an einem Montag stattfinden. Das beschlossen DFL und die 18 Bundesliga-Klubs bei den Verhandlungen zum neuen TV-Vertrag. Die Liga will damit zum einen die Europa-League-Vertreter entlasten und zum anderen den Amateurfußball stärken, weshalb kein weiteres Sonntags-Spiel infrage käme. Die Anhänger dagegen fürchten um die Fußballkultur und protestieren gegen die zunehmende Kommerzialisierung. 

Eintracht Frankfurt v RB Leipzig - Bundesliga

Die Eintracht-Fans protestierten vielen Bannern gegen den Montags-Termin.



Frankfurt-Fans protestieren im Innenraum


Fakt ist, bis 2021 werden 20 der 1.224 Bundesliga-Begegnungen Montags ausgetragen. Vielen Fans ist das ein Dorn im Auge. Beim ​2:1-Sieg ihrer Eintracht gegen RB Leipzig machten die Frankfurt-Anhänger ihren angekündigten Protest wahr. Vor Anpfiff betraten sie kontrolliert den Innenraum, während der Partie wurden die RB-Spieler mit Trillerpfeifen lautstark ausgepfiffen und zu Beginn der zweiten Hälfte flogen Tennisbälle und Klopapier in den Strafraum von Leipzig-Keeper Peter Gulasci. Der Beginn der beiden Halbzeiten verzögerte sich dadurch jeweils.


Von den Beteiligten wurde der Prostest durchaus unterschiedlich wahrgenommen. RB-Mittelfeldspieler Stefan Ilsanker war nach der Niederlage bedient und sauer über die Verzögerung vor Beginn des zweiten Durchgangs. "Ich verstehe nicht, wie man so dumm sein kann, acht Millionen Tennisbälle aufs Feld zu werfen. Wir frieren da unten auf dem Platz und wollen einfach nur Fußball spielen", sagte der 28 Jahre alte österreichische Nationalspieler am Eurosport-Mikrofon.

Festgefroren war allerdings nach der Aufräumaktion der Eintracht-Ordner keiner der 22 Akteure auf dem Platz. Und so ist die Aussage von Ilsanker wohl eher der Enttäuschung über die Niederlage zuzuschreiben.


Hasenhüttl lässt keine Ausreden gelten - und verteidigt Montagsspiele


Für seinen Trainer Ralph Hasenhüttl waren die Unterbrechungen jedenfalls keine Ausrede. "Das Drumherum ist nicht spielentscheidend. Dass wir 90 Minuten lang ausgepfiffen wurden, haben wir zur Kenntnis zu nehmen. Die Lautstärke war für uns nicht extrem. Wir haben in dieser Saison schon Schlimmeres erlebt“, so Ilsankers Landsmann. 


Den Montags-Termin verteidigte der RB-Coach, der "von allen Bundesligavereinen aus gutem Grund getroffen wurde", meinte Hasenhüttl. "Wer nächstes Jahr in der Europa League spielen wird, wird sich auch darüber freuen, dass er ab und an ein wenig später spielen kann“, erklärte er nach dem Spiel. Er glaube auch nicht, dass die Montagsspiele in Zukunft weiter von solchen Protesten begleitet würden. 


Trainer-Kollege Niko Kovac sagte, die Teams seien vor dem Spiel über die Aktionen der Fans "in Kenntnis gesetzt" worden. Dem Eintracht-Coach sei nach eigener Aussage wichtig gewesen, "dass auch RB alle Informationen bekommt. Es war nicht alltäglich, was gelaufen ist, aber es ist alles friedlich geblieben und ich glaube nicht, dass das Einfluss auf die Leistungen der Mannschaft hatte“, meinte der Kroate.


Eintracht-Profis zeigen Verständnis für Proteste


Bei Eintrachts fünftem Heimsieg gab Kapitän David Abraham sein Comeback, nachdem er seit dem 16. Spieltag Mitte Dezember wegen eines Knochenödems ausgefallen war. Der 31-Jährige Argentinier zeigte als Abwehrchef der Dreierkette eine ganz starke Leistung. Nach seiner erfolgreichen Rückkehr zeigte er Verständnis für die Proteste: "Wir verstehen die Fans. Die Stimmung war komisch, die Fans standen aber bis zur letzten Minute hinter uns und haben uns auf ihre Weise gepusht", so der glückliche Routinier, der stolz sei, Kapitän eines solchen Traditionsvereins zu sein.


Teamkollege Kevin-Prince Boateng sah es ähnlich. "Die Situation heute war sicherlich nicht einfach, aber die Mannschaft hat alles gut aufgenommen und Verständnis für die Reaktion der Fans gezeigt", meinte er Boateng, der nach seiner fünften Gelben Karte kommenden Samstag in Stuttgart (15.30 Uhr) zuschauen muss.


Spielt die Eintracht in dieser Form weiter, müssen sich die Anhänger über zukünftige Montagsspiele keine all zu großen Gedanken machen. Ihr Team liegt nämlich derzeit auf Rang drei mit Kurs Champions League. Vizemeister RB steuert auf Platz fünf derzeit dagegen eher auf die Europa League zu. Dort treffen die Leipziger am kommenden Donnerstag im Rückspiel um den Einzug ins Achtelfinale auf den SSC Neapel (19. Uhr).