​Der Hamburger SV taumelt weiter dem Abstieg entgegen. Am letzten Spieltag wuchs der Rückstand auf den Relegationsplatz auf sechs Zähler an. Einige Fans haben sich nach den zuletzt enttäuschenden Vorstellungen von der Mannschaft abgewandt und ihrem Unmut beim Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen Luft gemacht. Wegen der Vorkommnisse rund um die Partie wurde der geplante Mannschaftsauftritt bei der Mitgliederversammlung am Sonntag abgesagt. Damit ließen die Hanseaten eine gute Chance aus, um die Fans wieder mit ins Boot zu holen.


Während die Mannschaft um Cheftrainer Bernd Hollerbach tief im Abstiegskampf steckt, sorgt der Bundesliga-Dino wieder einmal abseits des Platzes für Schlagzeilen. Hinter den Kulissen tobt ein Machtkampf, der am Sonntag zumindest vorerst ein Ende fand. Auf der Mitgliederversammlung wurde Bernd Hoffmann​ zum neuen Präsidenten gewählt. Der 55-Jährige setzte sich knapp gegen den bisherigen Amtsinhaber Jens Meier durch. 


Auf der Mitgliederversammlung sollte laut HSV-Boss Heribert Bruchhagen auch die Mannschaft erscheinen, für die am Sonntagvormittag eine Trainingseinheit auf dem Programm stand. Die Verantwortlichen entschieden sich jedoch dazu, die Spieler aus der Schlusslinie zu nehmen. Grund hierfür waren die Ereignisse beim Heimspiel gegen Leverkusen, welches mit ​1:2 verloren ging. Das vor der Nordtribüne aufgehängte Plakat mit der Aufschrift "Bevor die Uhr ausgeht, jagen wir euch durch die Stadt" zeigt, dass das Tischtuch zwischen einem Teil der Fans und der Mannschaft zerschnitten ist. 

Nach dem Abpfiff versuchten einige Anhänger den Platz zu stürmen, woran sie von der Polizei und Sicherheitskräften gehindert wurden. Der Frust bei den HSV-Fans sitzt verständlicherweise tief, allerdings verschärft man mit solchen Aktionen die bereits bedenkliche Lage. "Ich weiß nicht, was das bezwecken soll bei der Mannschaft, die wir haben, die relativ jung ist. Es ist schade, dass es ausartet", wird Mittelfeldspieler Aaron Hunt von der Hamburger Morgenpost zitiert. 


Der Entschluss, den Mannschaftsauftritt bei der Mitgliederversammlung abzusagen, ist durchaus nachvollziehbar. Andererseits hätte ein Auftritt eines Führungsspielers, der einen klaren Appell an die eigenen Fans richtet, dazu beitragen können, die Wogen wieder etwas zu glätten und die Anhänger auf die bevorstehenden Wochen einzuschwören. So entsteht der Eindruck, dass sich der Verein von solchen Aktionen einschüchtern lässt. Damit bleibt in der Hansestadt ein weiterer "Nebenkriegsschauplatz" bestehen, der im Kampf um den Klassenerhalt sicherlich alles andere als hilfreich ist.