Ergebniskrise am Niederrhein. Nach der unglücklichen 0:1-Niederlage gegen den BVB hadert Trainer Dieter Hecking über den Chancen-Wucher seiner Mannschaft und kritisiert der Video-Assistenten. Das klar bessere Team habe verloren, so der Fohlen-Coach. 


​Vier Niederlagen in Folge, dabei ohne eigenen Treffer - betrachtet man die nüchternen Ergebnisse, befindet sich Borussia Mönchengladbach in der Krise. Von Rang fünf ging es nach der ​0:1-Pleite gegen Borussia Dortmund bis runter in die zweite Tabellenhälfte mit nun fünf Punkten Rückstand auf den angestrebten Europapokal-Platz.


Fohlen-Trainer Dieter Hecking steht seit 2006 in der Bundesliga an der Seitenlinie. Eine solche Negativ-Serie hat er bisher noch nie erlebt. Und dennoch: Seinem Team kann er nach der Heim-Niederlage gegen den BVB kaum einen Vorwurf machen. Auf einem fast schon skandalös schlechten Rasen beherrschten die Fohlen die Dortmunder Borussia gerade im zweiten Durchgang und spielte sich zahlreiche beste Einschussmöglichkeiten heraus.


"Wir haben ein Riesenspiel gemacht und als klar bessere Mannschaft verloren", befand Hecking deshalb auch nach der Partie nicht zu unrecht. "Dortmund muss man erst einmal so bespielen, wie wir es heute gemacht haben. Wir haben eine Vielzahl an Tormöglichkeiten gehabt, leider treffen wir jedoch im Moment die Hütte nicht. Alles, was wir von der Mannschaft einfordern, war heute da", so der 53-Jährige weiter.

Das sah auch sein Schlussmann Yann Sommer ähnlich, der beim letztlich entscheidenden Gegentreffer von Marco Reus keine Chance hatte. Das "krumme Ding" des BVB-Kapitäns fiel wie ein Stein hinter dem Schweizer in die Maschen. "Man kann der Mannschaft nach diesem Spiel keinen Vorwurf machen. Es war ein wirklich gutes Spiel von uns", meinte Sommer. Der Ball wolle im Moment einfach nicht rein, so der Schweizer. "Roman Bürki pariert natürlich ein paar Mal gut. Am Ende müssen wir uns aber an die eigene Nase fassen. Wir haben uns viele Chancen herausgespielt, aber belohnen uns nicht dafür“, haderte er.

"Eher wie Eiskunstlaufen" - katastrophaler Rasen im Borussia-Park


Neben dem Chancen-Wucher der Gladbacher hatte die Partie weitere Aufreger zu bieten. Die ​Spielfläche im Borussia-Park sorgte für viele Diskussionen. Für Weltmeister Mario Götze war die Anfangsphase "eher wie Eiskunstlaufen. Der Platz war nicht besonders; so etwas habe ich selten erlebt", kritisierte er. Für Sokratis war der Rasen einfach nur ein "Skandal". BVB-Keeper Roman Bürki sah darin auch den Grund für die Gladbacher Überlegenheit: "Es war schwer, spielerisch auf diesem Platz etwas zu machen. So einen Rasen habe ich ehrlich gesagt noch nirgendwo erlebt, der war extrem schwierig zu bespielen. Deshalb mussten wir viel über lange Bälle gehen. In der ersten Halbzeit haben wir von den zweiten Bällen dann noch einige gewonnen, nach der Pause kaum noch welche", analysierte der Schweizer.


Zwei strittige Situationen - Hecking kritisiert Video-Assistenten 


Die Hausherren kamen in der Tat um einiges besser mit dem Bundesliga-unwürdigen Rasen zurecht. Neben den vielen vergebenen Chancen hatten die Fohlen dabei auch noch in zwei Situationen Pech mit dem Video-Schiedsrichter. Der hätte nämlich zweimal durchaus eingreifen können. In der Nachspielzeit, als BVB-Abwehrchef Sokratis Jannik Vestergaard umriss. "Ein klarer Elfmeter", meinte Hecking im Sky-Interview. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Schiedsrichter da wenigstens rausgeht, um sich die Szene noch einmal anzuschauen. Vielleicht ist da in Köln wieder einer eingeschlafen", fügte er süffisant in Richtung Video-Assistent Wolfgang Stark hinzu.


Zuvor hätte Stark auch bei einem Zweikampf von Sokratis im Strafraum gegen Heckings Kapitän Lars Stindl eingreifen können oder gar müssen. Was zunächst nach einem Wegrutschen des Nationalspielers aussah, entpuppte sich bei näherem Betrachten zu einem Foulspiel von Sokratis. Der Grieche zog Stindl eindeutig das Standbein weg.


Am Ende blieben die Gladbacher ohne zugesprochenen Elfmeter und zum vierten Mal ohne eigenen Treffer. Trotz der guten Leistung setzt sich die Ergebniskrise am Niederrhein fort.