Bayer Leverkusen sichert sich dank einer über weite Strecken gute Leistung drei Punkte aus Hamburg. Nach dem 2:0 der Werkself wurden die Hausherren aktiver und waren nah am Ausgleich dran, konnten sich jedoch nicht belohnen und lediglich den Anschlusstreffer erzielen. Während der HSV weiterhin dem Abstieg entgegen taumelt, darf Leverkusen weiterhin von der Champions League träumen.

​Bernd Hollerbach veränderte sein Personal im Vergleich zur 0:2-Niederlage gegen Borussia Dortmund auf vier Positionen: Papadopoulos kehrte nach seiner Gelb-Rot-Sperre wieder in die Abwehrreihe zurück, weshalb Jung wieder ins defensive Mittelfeld rückte und den fehlenden Ekdal ersetzte. Hinter den Spitzen agierte Salihovic anstelle von Aaron Hunt, während Arp neben Kostic im Sturm auflief und Wood somit auf der Bank Platz nehmen musste.

Heiko Herrlich hingegen wechselte nach der 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC auf ein 4-2-3-1, in dem Retsos für Henrichs als Rechtsverteidiger begann und Jedvaj mit Sven Bender in der Innenverteidigung agierte, da Tah aufgrund eines grippalen Infekts kurzfristig ausfiel. Zudem startete Wendell als Linksverteidiger. Während Aranguiz und Kohr im defensiven Mittelfeld Platz nahmen, kehrte Leon Bailey anstelle von Karim Bellarabi in die Startaufstellung zurück. Brandt startete auf der rechten Außenbahn, Havertz spielte zentral hinter Angreifer Volland.

HSV um Kompaktheit bemüht - Leverkusen nähert sich langsam

Der Hamburger SV richtete sich von Anfang an gewohnt defensiv aus und wollte über ein kompaktes Abwehrverhalten vereinzelt Nadelstiche im Angriff setzen. Bereits in der sechsten Minute hätte sich beinahe eine Chance ergeben, doch Arp traf nach einem Anspiel von Kostic nur den Rasen und nicht das Spielgerät. Danach machte es sich Leverkusen zur Aufgabe, an der strukturierten Defensive des HSV vorbeizukommen, ließ zunächst jedoch Durchschlagskraft vermissen. Zwischenzeitlich hatte Bayer, das bereits nach einer Viertelstunde den Ausfall von Wendell verkraften musste, 72 Prozent Ballbesitz und ein Plus an 57 Prozent gewonnener Zweikämpfe, doch die Partie fand überwiegend im Mittelfeld statt.

Nach etwas mehr als 20 Minuten näherten sich die Gäste jedoch dem Tor von Christian Mathenia und hatten einige Chancen: Zunächst scheiterte Volland mit seinem Schuss am Hamburger-Keeper, ehe Aranguiz nach einer Hereingabe von Havertz nur den Außenpfosten traf (23., 26.). Während von den Gastgebern offensiv nur selten etwas zu sehen war, bekam Leverkusen Oberwasser, versäumte es jedoch, den letzten Pass an den Mann zu bringen.

Bailey belohnt Bayer

Schließlich war es ein individueller Fehler von Douglas Santos, der den Gästen die nicht unverdiente Führung bescherte: Dominik Kohr spielte einen Ball in den Strafraum, der allerdings beim Linksverteidiger des HSV landete. Dieser nahm den Ball schwach mit dem Oberschenkel an, weshalb ihm der von hinten heranrauschende Bailey diesen abnahm, Mathenia umkurvte und den Ball im Netz versank - 1:0 für Leverkusen! Danach waren die Hamburger um eine Antwort bemüht, kamen jedoch nicht durch die besonders im Zentrum kompakte Reihe der 'Werkself' durch. Mit nur einem Torschuss, einer Passquote von 65 Prozent, einer Zweikampfquote von mageren 43 Prozent ging der HSV, von Pfiffen der Zuschauer begleitet, mit dem Rückstand in die Kabine.

Hamburger SV v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

         Saisontor Nummer neun - Leon Bailey mit der Führung für Leverkusen

Hollerbach reagierte auf den Auftritt seiner Mannschaft und brachte zur zweiten Halbzeit Hahn für Mavraj, wodurch der HSV nun mit einer Viererkette agierte. Der Plan schien jedoch nicht aufzugehen: Bailey bediente auf der linken Außenbahn den heranstürmenden Henrichs, der den Ball nahe der Grundlinie ins Zentrum spielte. Dort fackelte Havertz nicht lange und versank den Ball mit einer Direktabgabe im Tor - 2:0 für Leverkusen! Erneut kamen die Gäste viel zu einfach durch und nutzten die Lücken der Hamburger eiskalt. 

Hamburg wird offensiver - Hahn mit dem Anschluss

​Hollerbach wechselte erneut, brachte Wood für Arp, doch offensiv blieb der HSV weiterhin harmlos (54.). Nach dem zweiten Tor schaltete Leverkusen einen gang runter und bestach weiterhin durch eine kompakte Defensive, während man bei Angriffen die vom Gegner gebotenen Räume immer wieder nutzte und gefährliche Läufe startete:  So konnte Volland auf der rechten Seite bis in den Strafraum einmarschieren und nahe der Grundlinie zum Torschuss kommen, doch Papadopoulos grätschte den Ball ins Aus (56.).

​Leverkusen konnte aufgrund der Aggressivität gegen den Ball immer wieder das Leder an sich reißen, weshalb Bernd Leno nahezu beschäftigungslos blieb. Erst in der 66. Minute gab es eine erste gute Gelegenheit: Eine abgefälschte Flanke von Sakai landete bei Wood, der den Ball mit dem Rücken zum Tor annahm und mit seinem Drehschuss Leno zu einer wichtigen Parade zwang. Kurz darauf hatte Brandt die Chance zur Entscheidung, doch sein Schlenzer ging weit über das Tor von Mathenia (67.).

Hamburg wollte spürbar mehr riskieren und probierte es immer wieder über die Außen, um mit hohen Bällen für Gefahr zu sorgen. In der 70. Minute war es dann Joker Hahn, der den Hausherren noch einmal neues Leben einhauchte: Havertz verlor den Ball nach einem Einwurf, woraufhin Douglas Santos Hahn steil schickte. Dieser ließ Leno bei seinem Schuss keine Chance und erzielte den Anschlusstreffer zum 1:2. Der HSV belohnte sich für den höheren Aufwand nach dem zweiten Gegentor und war nun darum bemüht, den Ausgleich zu erzielen. 

Hamburger SV v Bayer 04 Leverkusen - Bundesliga

                 Andre Hahn (l.) erzielte gegen Bayer sein drittes Saisontor

​Die Offensive wurde wacher, doch der Pass von Filip Kostic nahe der Torauslinie fand im Strafraum keinen Abnehmer (74.). In der Schlussphase drängten die Hamburger spürbar auf den Ausgleich, wurden bissiger in den Zweikämpfen und suchten den Weg nach vorne. Bayer hingegen stand nun etwas tiefer, wurde gegen den Ball zaghafter und spielte die Umschaltsituationen nicht mehr entschlossen genug aus. Zudem nahm die Kompaktheit ab und die Hamburger versuchten immer wieder, lange Bälle in Strafraumnähe festzumachen. In der 91. Minute hatte Wood die größte Gelegenheit zum Ausgleich, als der eingewechselte Hunt den Ball ins Zentrum spielte, wo der US-Amerikaner mit seiner Direktabnahme das Tor minimal verpasste.

​Alles in allem blieb der HSV zum zehnten Mal in Folge sieglos und steckt weiterhin mit 17 Punkten auf dem 17 Platz und hat bereits sechs Zähler Rückstand auf Mainz und Bremen. Leverkusen hingegen springt zwischenzeitlich auf den zweiten Tabellenplatz und bleibt weiterhin in den Champions-League-Plätzen.