​​Zum ersten Teil des Interviews


90min.de: Können Sie nach den letzten zwei Jahren noch ausmachen, wofür genau der VfB Stuttgart in Sachen Spielstil, nationales und internationales Ansehen sowie langfristige Ziele steht?


Christian Gentner: Im Fußball ist es schwierig, langfristig zu denken. Für uns gilt es erstmal, sich kurzfristige Ziele zu setzen. Das heißt in diesem Jahr der Klassenverbleib und danach sich wieder in der Bundesliga zu etablieren, um dann in ferner Zukunft vielleicht dann wieder die oberen Regionen anzugreifen. Es ist glaube ich eine gesunde Vorgehensweise, nicht drei Schritte zu überspringen. Als Aufsteiger ist es schwer genug die Klasse zu halten.


90min.de: Nun zur Kaderdynamik bei euch. Es wurden in den letzten zwei Transferperioden etwas mehr erfahrene Spieler als erwartet geholt. Ist dadurch eine neue Hierarchie entstanden? Und wie verstehen sich die Talente mit den erfahrenen Akteuren?


Christian Gentner: Wir haben sehr viele junge entwicklungsfähige Spieler, die mit Sicherheit viele Bundesliga-Spiele auf hohem Niveau machen werden. Und ich glaube, dass die Mischung entscheidend und für die Bundesliga notwendig ist. In der Kabine haben wir einen sehr guten Geist, alle Altersgruppen verstehen sich gut miteinander.


90min.de: Im defensiven Mittelfeld konnte sich neben Ihnen auf Anhieb Santiago Ascacibar durchsetzen. Wie konnte es so schnell mit ihm auf dem Platz funktionieren? 


Christian Gentner: Er ist ein Vollprofi und ein sehr willensstarker Spieler, das hilft auch bei einem Wechsel von Südamerika hierher. Er wollte sofort die Spielkultur kennenlernen und verschafft sich mit seiner Aggressivität auf dem Platz direkt Respekt.


90min.de: Haben Sie ihm bei der Integration geholfen?


Christian Gentner: Als Mannschaft versuchen wir Spieler schnell zu integrieren. Bei Santiago war es auch keine allzu große Schwierigkeit, weil er sehr offen ist und wir mit Emiliano Insua einen Argentinier haben, der ihm helfen konnte. Auch ich selbst habe als Mitspieler und Kapitän versucht, durch Gespräche und unsere tägliche Trainingsarbeit ihm die Integration zu erleichtern.


90min.de: Kann der VfB Stuttgart überhaupt Talente dieses Kalibers langfristig halten?


Christian Gentner: Das wird sich zeigen. Es wäre aber auch nicht schlimm, wenn wir diese Spieler nicht auf ganz lange Sicht halten können. Wenn die ganz großen Klubs anklopfen, wäre das auch eine Wertschätzung für unsere Arbeit. Wünschenswert ist es natürlich, Spieler mit großer Qualität so lange wie möglich in unserem Kader zu halten.


90min.de: Gab es bei ihrem Profi-Durchbruch ebenfalls einen Spieler, der Ihnen besonders behilflich war?


Christian Gentner: Zu meiner Zeit war Markus Babbel jemand, der viel mit den jungen Spielern gesprochen hat und sie ermutigte. Er war nicht mehr Stammspieler als ich zu den Profis kam, hat aber die Rolle als Ersatzspieler mit seiner Hilfe für junge Spieler hervorragend angenommen.


90min.de: Sie sind seit über zehn Jahren Stammspieler in der Bundesliga. Wie lange möchten Sie noch auf diesem Niveau agieren?


Christian Gentner: Solange mein Körper in demselben Zustand ist wie jetzt, sehe ich keinen Grund, an das Karriereende zu denken. Ich hatte in diesem Jahr hervorragende Fitnesswerte und habe in jedem Spiel, bei dem ich gesund war, von Beginn an und fast immer über 90 Minuten gespielt. Ich möchte gerne noch eine ganze Weile auf diesem Niveau Fußball spielen.


90min.de: Ihr Vertrag läuft im Sommer 2019 aus. Stehen schon Gespräche mit dem Klub über die Zeit danach an? Wie sehen ihre Pläne derzeit diesbezüglich aus?


Christian Gentner: Es gab noch keine konkreten Gespräche wie die Zukunft danach aussieht. Ich hab da momentan gar keinen Druck. Was nach der Spielerkarriere kommt, ist noch nicht festgelegt. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass ich im Fußball tätig bleibe. Ich hab mich aber noch nicht festgelegt, ob ich in einer Trainerfunktion oder einen andern Posten anstrebe.


90min.de: Würde Sie vielleicht als Spieler ein Engagement im Ausland reizen?


Christian Gentner: Auch das kann man nie ausschließen. Während meiner aktiven Karriere habe ich das noch nicht erlebt. Es war das ein oder andere Mal im Hinterkopf. Prinzipiell kann ich sagen, dass ich mir auch ein Karriereende hier in Stuttgart sehr gut vorstellen kann. Im Fußball ist aber vor allem heutzutage alles sehr schnelllebig geworden und deshalb unvorhersehbar.


90min.de: Ihr Ex-Klub VfL Wolfsburg befindet sich derzeit in einer Krise, die sportliche Führung wird hinterfragt. Wie wird für die Wölfe Ihrer Meinung nach die Saison enden?


Christian Gentner: Natürlich haben sie es sich ein bisschen ruhiger vorgestellt. Schlussendlich bin ich aber mittlerweile zu weit entfernt von Wolfsburg und den ganzen Abläufen dort, um zu beurteilen, aus welchen Gründen es nicht so funktioniert hat.


90min.de: Zu guter Letzt eine Frage zur NBA, die Sie bekanntlich sehr gerne verfolgen. Kann Ihrer Meinung nach in dieser Saison jemand die Warriors stürzen?


Christian Gentner: Eher nicht. Golden State ist wieder die stärkste Mannschaft. Ich hoffe und spekuliere ein bisschen auf die Spurs, die in diesem Jahr nicht gerade herausragend spielen aber sich trotzdem problemlos für die Play-Offs qualifizieren werden. Und in den Play-Offs ist immer vieles möglich. Wie stark die Celtics sind muss man abwarten. Toronto ist momentan in der Eastern Conference vorne, kann aber Golden State kaum gefährden. 


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