In seiner Karriere bestritt Christian Gentner über 300 Pflichtspiele für den VfB Stuttgart, bei dem er immer noch als Stammspieler und Kapitän agiert. Im Interview mit 90min.de spricht der 32-Jährige nun über Tayfun Korkut, die Marke VfB Stuttgart sowie seine eigene Zukunft.


​Zum zweiten Teil des Interviews


90min.de: Hallo Herr Gentner, wie geht es Ihnen und dem Team vor dem Augsburg-Spiel?


Christian Gentner: Gut, danke. Wir sind optimistisch und wollen nach dem Sieg gegen Gladbach jetzt auch unbedingt gewinnen. Zwei Siege nacheinander haben wir in dieser Saison leider noch nicht oft geschafft.


90min.de: Unter Tayfun Korkut spielen Sie auf etwas ungewohnten Positionen. Zuerst hinter dem Stürmer, dann als Flügelspieler. Wie war es, nach einer langen Zeit das defensive Mittelfeld zu verlassen?


Christian Gentner: Man muss als Fußballer immer offen sein und natürlich auch flexibel. Es war überhaupt kein Problem und keine allzu große Umstellung.


90min.de: Korkut betonte vor einer Woche, dass er in seiner Mannschaft nach funktionierenden Pärchen auf dem Feld sucht und weniger Rotation präferiert. Die für ihn so wichtige Mittelachse bestand aber zuletzt aus Ascacibar und Aogo, obwohl die Doppel-Sechs mit Ihnen und Ascacibar zu den Konstanten in den letzten Monaten gehörte. Sind Sie vielleicht unter Korkut eine Ausnahme in dieser Regel?


Christian Gentner: Ich weiß nicht ob ich eine Ausnahme bin. Es ist richtig, dass Santiago Ascacibar und ich uns da beide wohlfühlen, aber es geht immer darum, wo man insgesamt der Mannschaft in einer Phase am besten helfen kann. Und zuletzt war der Ansatz des Trainers, dass ich öfter auch torgefährlich werden soll. Tayfun Korkut hat mir gesagt, dass er mich für flexibel einsetzbar hält - auch während des Spiels, falls man etwas umstellen muss.


90min.de: Und mit welchem Spieler harmonieren Sie ihrer Meinung nach am besten?


Christian Gentner: Einen Spieler auszumachen mit dem ich am besten harmoniere, fällt mir eher schwer. Natürlich spiele ich mit einigen Spielern schon länger und da ist das Verständnis besser, aber im Großen und Ganzen klappt das Zusammenspiel mit allen Mannschaftskollegen gut.


90min.de: Werden Sie Ihre Schutzmaske bis zum Ende der Rückrunde oder vielleicht noch länger tragen?


Christian Gentner: Wir werden in den kommenden Wochen entscheiden, ob ich die Maske bis zum Saisonende tragen werde. Ursprünglich waren mindestens sechs Monate nach der Verletzung geplant, das wäre dann bis Mitte März. Es kann aber durchaus sein, da sie mich nicht zu großartig stört, dass ich die Maske bis zum Saisonende trage.


90min.de: Hat Sie der Zusammenprall mit Koen Casteels auf dem Platz vorsichtiger gemacht?


Christian Gentner: Ich absolviere viele Trainingsformen bereits ohne Maske. Mein Verhalten auf dem Spielfeld hat sich nicht verändert.


90min.de: Viele haben das Aus von Hannes Wolf nicht erwartet. Wie haben Sie und Ihre Teamkollegen diese Nachricht aufgenommen?


Christian Gentner: Es ist immer ein unschöner Moment, wenn es zu einem Trainerwechsel kommt. Wir hatten eine erfolgreiche letzte Saison mit dem Aufstieg. Auch in der Hinrunde hatten wir viele gute Momente, vor allem in den Heimspielen. Zu Jahresende sind wir dann in eine Serie gekommen, wo wir leider viele schlechte Ergebnisse hatten. Mit dem Beginn der Rückrunde konnten wir dann nicht das liefern, was wir uns erhofft haben. 


90min.de: Hintergrund der Entlassung war laut Michael Reschke das Gefühl von Wolf, dass er die Mannschaft nicht mehr erreichen konnte. Inwieweit haben Sie als Kapitän und verlängerter Arm des Trainers die Kommunikation in den letzten Wochen von Wolfs Amtszeit mit dem Team und Sie selbst empfunden?


Christian Gentner: Es bringt grundsätzlich nichts, nach einem Trainerwechsel zu weit in die Vergangenheit zu schauen. Unsere Aufgabe ist es, in der neuen Konstellation erfolgreich zu sein.


90min.de: Und die Anstellung von Korkut war eine noch größere Überraschung, die von vielen Fans mit scharfer Kritik begleitet wurde. Wie geht die Mannschaft damit um?


Christian Gentner: Die öffentliche Meinung dazu war für uns als Mannschaft nicht relevant. Für uns ist entscheidend, dass wir eine gute Zusammenarbeit mit dem Trainerteam haben. Und nach den ersten zweieinhalb Wochen kann ich sagen, dass das sehr gut funktioniert.


90min.de: In den letzten zwei Spielen kassierte der VfB nur ein Tor. Was hat Korkut gemacht, damit sich das Verteidigen bei euch so schnell verbessert?


Christian Gentner: Er legt wert darauf, dass jeder eine Absicherung durch den Nebenmann hat, kurze Abstände zwischen uns bestehen und der gefährliche Bereich vor dem Tor verteidigt wird.


90min.deIn welcher Weiser hat sich zudem euer Angriffsspiel mit dem neuen Trainer verändert?


Christian Gentner: Wir wollen flexibel sein. Auch mal mit zwei Stürmern in der Startelf ein gutes Flügelspiel haben, um die Vordermänner einzusetzen und hinter die gegnerische Abwehr und zu Flanken zu kommen.


90min.de: Wird auf dem zuvor so wichtigen präzisen Passspiel weiter aufgebaut?


Christian Gentner: Meiner Meinung nach ist das eine Grundvoraussetzung. In der Bundesliga braucht es scharfe Pässe, wo es manchmal auf wenige Zentimeter ankommt. Ob der Ball perfekt getimt ist, ob du damit einen Gegenspieler ausspielst, ob du einen guten ersten Kontakt hast und damit dir einen Vorteil verschaffst.


90min.de: Wie kommen Sie generell mit den vielen Trainerwechseln klar?


Christian Gentner: Es ist wichtig das große Ganze zu sehen: ein Trainer ist eine Person im Verein, aber das ganze Team muss ja weiter funktionieren. Und das ist vor allem in den letzten Jahren dann meine Aufgabe als Kapitän gewesen, einen schnellen Übergang zu ermöglichen, es dem neuen Trainer so leicht wie möglich zu machen, schnell zur Mannschaft zu finden und die Mannschaft so einzustellen, dass sie offen, neugierig und gewillt ist, vom neuen Trainer zu lernen und seine Ideen umzusetzen. 


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