GELSENKIRCHEN, GERMANY - FEBRUARY 07:  William and Koen Casteels of Wolfsburg look dejected after the DFB Pokal quarter final match between FC Schalke 04 and VfL Wolfsburg at Veltins-Arena on February 7, 2018 in Gelsenkirchen, Germany.  (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)

Nach schwachem Rückrundenstart: Die 5 Verfehlungen des VfL Wolfsburg

Nach der Präsentation von Martin Schmidt als Cheftrainer des VfL Wolfsburg sollte beim Meister von 2009 vor allem wieder eines einkehren: Ruhe. Der Start unter dem Schweizer schien vielversprechend, doch mittlerweile ist allen bewusst, wie bedrohlich die derzeitige Lage (nur ein Sieg seit dem 15. Spieltag) wieder ist. Zur Zeit rangieren die 'Wölfe' auf Platz 13 und haben gerade einmal vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz. Der Sportbuzzer hat die aktuelle Lage des VfL unter die Lupe genommen und diverse Experten dahingehend befragt, weshalb die Mannschaft trotz hoher Qualität erneut im Tabellenkeller feststeckt. Daher präsentieren wir im Folgenden fünf Gründe für die aktuelle sportliche Krise des VfL Wolfsburg.

1. Fehler in der Kaderzusammenstellung

Der Gesamtwert des Wolfsburger Kaders beträgt rund 149 Millionen Euro. Damit liegen die 'Wölfe' auf dem siebten Platz und lassen zahlreiche Vereine wie Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, den FC Augsburg oder Hannover 96 hinter sich. Doch die viel diskutierte Frage, ob Geld nun Tore schießt oder nicht, lässt sich in Wolfsburg ganz klar mit 'Nein' beantworten. Trotz hochveranlagter Spieler wie John Anthony Brooks, Maximilian Arnold, Yannick Gerhardt, Yunus Malli, Daniel Didavi oder Divock Origi haben weder Martin Schmidt, noch dessen Vorgänger Andries Jonker die Aufgabe, eine Mannschaft zusammenzustellen, die auf dem Platz als Einheit agiert und zusammenspielt, bewältigen können. 


Sportdirektor Olaf Rebbe hat in den vergangenen beiden Transferperioden insgesamt 67 Millionen Euro für Verstärkungen in die Hände genommen, doch mit Verhaegh (1,5 Millionen Euro) und Uduokhai (eine Million Euro) sind es ausgerechnet die beiden günstigsten Akteure, die bislang am meisten überzeugen konnten. Auch Transfers aus der Vorsaison wie Riechedly Bazoer, Paul-Georges Ntep oder Jakub Blaszczykowski sind bislang nocht nicht in Wolfsburg angekommen oder fehlen aufgrund von Verletzungen. 


Daher urteilte Inka Blumensaat, Sportreporterin beim NDR und der ARD, im Sportbuzzer: "Beim VfL spielen zweifellos hoch veranlagte Profis. Nur aus der individuellen Klasse einzelner Spieler ensteht aber eben kein erfolgreiches Spiel, kein intaktes Team. Es wurden daher in der Kaderzusammenstellung Fehler gemacht - und zu diesem Aspekt gehört auch: Wirklich keiner der von Sportdirektor Rebbe verpflichteten Spieler kann bislang vollends überzeugen." Dagegen haben es nach Ansicht von Blumensaat die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt geschafft, mit "starken und vergleichsweise günstigen Transfers" eine Mannschaft aufzubauen, die derzeit um eine Teilnahme im Europapokal kämpft.

2. Fehlender Einsatz der Mannschaft, mangelnde Führungsspieler

"Die Mannschaft investiert zu wenig in die Spiele und sieht sich offenbar besser, als sie ist." So lautet das Urteil von Lars M. Vollmering, Blogger und Buch-Autor des VfL, im Sportbuzzer über die derzeitige Leistung der Mannschaft. Soll heißen: Die Spieler der 'Wölfe' scheinen die Lage nicht allzu ernst zu sehen und vertrauen meist auf ihre individuelle Klasse. Doch um in der Bundesliga zu bestehen, braucht es etwas, was bereits im ersten Punkt kritisiert wurde: Mannschaftlicher Zusammenhalt. 


Dieser besteht offenbar nicht so recht in Wolfsburg, was anscheinend auch an einem Mangel an Führungsspielern liegen könnte, so Sky Sport News Reporter Jurek Rohrberg: "Der Mannschaft fehlt eine funktionierende Achse. Sprich: Zuverlässige Führungsspieler in der Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Das Team wirkt nicht homogen zusammengestellt, obwohl einzelne Spieler durchaus Qualität besitzen, um den Unterschied auszumachen." Zudem sei die Mannschaft laut Blumensaat "so gehemmt, dass nicht mal mehr die talentiertesten Spieler ihre individuelle Klasse auf den Platz bringen. Das teils lethargische Auftreten kann ich nicht erklären." Trainer Martin Schmidt machte sie dafür jedoch nicht verantwortlich. Auch Burkhard Tillner, Bundesliga-Reporter im NDR, resümierte: "Die vorhandenen, teils exzellenten Einzelspieler bringen noch nicht den bedingungslos erforderlichen Teamgeist mit, der in der aktuellen Situation nötig ist."


Mit Paul Verhaegh ist immerhin ein Führungsspieler in der Abwehr vorhanden. Der Niederländer führt die Mannschaft als Kapitän aufs Feld, kann jedoch nicht alleine vorangehen. Ignacio Camacho, der im defensiven Mittelfeld zuhause ist, und Jakub Blaszczykowski hätten ebenfalls das Potential, um die Mannschaft als weitere Führungsspieler voranzutreiben. Doch beide sind seit geraumer Zeit von Verletzungen geplagt und fehlen dem VfL auf und neben dem Platz.

3. Fehlende Konstanz

Der Mannschaft von Martin Schmidt gelingt es nicht so recht, eine kleine Erfolgsserie aufzubauen. In dieser Saison gelangen keine zwei Siege am Stück, stattdessen mussten sich die Wolfsburger immer wieder mit einer Reihe von Unentschieden begnügen. Alleine vom fünften bis zum elften Spieltag endete jede Partie mit Wolfsburger Beteiligung mit einem Remis. Erst am zwölften Spieltag gelang der zweite Saisonsieg, seitdem sind lediglich zwei weitere 'Dreier' hinzugekommen.


Laut Sky-Experte Dietmar Hamann hängt dies mit der Mentalität der Spieler zusammen: "Man wird das Gefühl nicht los, dass die Spieler zu schnell zufrieden sind, zudem ist der Druck von außen nicht groß, deshalb ist es umso wichtiger, dass man dann intern den Druck hochhält", so der 44-Jährige. Die längste Durststrecke dauerte in dieser Saison neun Spieltage. So lange musste man in Wolfsburg seither nicht mehr auf einen Sieg warten, doch nach dem 22. Spieltag benötigt die Mannschaft konstant gute Resultate, um sich wieder von der Abstiegszone zu entfernen.

4. Weiterentwicklung unter Schmidt nicht erkennbar

Für die Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt, wurde Martin Schmidt bereits zum Ende seiner Amtszeit in Mainz stark kritisiert und in letzter Konsequenz nach Ablauf der vergangenen Spielzeit von seinen Aufgaben entbunden. In Wolfsburg startete Schmidt vielversprechend, doch mittlerweile stockt es wieder - was wohl erneut mit seiner Philosophie zusammenhängt. "Offenbar ist die von Schmidt vorgegebene Taktik für den Gegner leicht auszurechnen", urteilte beispielsweise Blumensaat. 


Ein Blick in die Zahlen zeigt: Schmidt konnte die Mannschaft bislang nicht voranbringen. In seinen bisherigen 21 Partien als Cheftrainer sammelte der 50-Jährige im Schnitt 1,24 Punkte pro Spiel. In der jüngeren Vergangenheit war lediglich Valerien Ismael schlechter, der in seinen 13 Partien durchschnittlich nur einen Punkt pro Spiel sammelte. Andries Jonker steht bei 1,47 Punkten pro Spiel, Hecking gar bei 1,54. 


Besonders der Vergleich zwischen Jonker und Schmidt zeigt: Unter Schmidt erzielten die Wolfsburger zwar mehr Tore (26, unter Jonker 19), doch die Anzahl an Gegentoren (24) konnte Schmidt nicht reduzieren. Viel wichtiger: In 21 Partien unter Schmidt gewannen die 'Wölfe' nur fünf Mal und ließen in elf Remis eine Menge Punkte liegen. Unter Jonker gelangen immerhin acht Siege, wenngleich er neben vier Unentschieden insgesamt sieben Mal als Verlierer vom Platz ging. 

5. Verletzungsprobleme hemmen die Mannschaft

Bei all dem darf man nicht vergessen, dass der Mannschaft seit einiger Zeit wichtige Leistungsträger fehlen. Mittelfeldspieler Camacho fällt seit Ende Oktober aus, Anthony Brooks verpasste zunächst den Saisonstart und fehlt erneut seit dem 16. Dezember. Jakub Blaszczykowski steht aufgrund von Rückenproblemen seit November nicht zur Verfügung und konnte ebenfalls nur wenige Partien für den VfL absolvieren.


Zwar ist Abwehrspieler Jeffrey Bruma nach seiner schweren Knieverletzung wieder zurückgekehrt, doch neben den Langzeitverletzten fehlen derzeit auch wichtige Stammspieler wie Tisserand oder Uduokhai. Hamann: "Der VfL musste zuletzt viele verletzungsbedingte Wechsel vornehmen. Und so einen Uduokhai, einen Brooks oder einen Tisserand bekommst du eben nicht so leicht ersetzt." Blumensaat schlug in die gleiche Kerbe: "Letztlich darf man die Verletzungsmisere nicht Ganz außer Acht lassen."


Insgesamt gab es im bisherigen Saisonverlauf nur wenige Phasen, in denen Martin Schmidt auf nahezu alle Spieler zurückgreifen konnte. Der Kader ist 28 Mann groß, die Qualität und Breite durchaus vorhanden. Doch da ausgerechnet Führungsspieler wie Camacho oder 'Kuba' fehlen, wiegen diese Ausfälle doppelt so schwer. Ähnlich wie Borussia Dortmund hat man in Wolfsburg Schwierigkeiten damit, die Ausfälle zu kompensieren. 


Durch die vielen Verletzten ist es kaum möglich, eine Elf auf den Platz zu bringen, die eingespielt ist und in denen Automatismen aus dem Training greifen. Solange immer wieder Spieler verletzt ausfallen, dürfte die Formkurve auch in Sachen Kontinuität nicht nach oben zeigen.