Seit fast acht Jahren beackert Dennis Diekmeier die rechte Defensivposition des Hamburger SV. Der inzwischen 28-Jährige hat in dieser Zeit viel mitgemacht: Zwei Relegations-Dramen, insgesamt zwölf verschiedene Trainer und ein stetiges Wandern am Abgrund kennzeichnen Diekmeiers HSV-Ära. ​Nun scheint der dienstälteste Hamburger dem Dino den Rücken zu kehren.


Und wenn man ehrlich ist: Der Abgang Diekmeiers ist überfällig. Ungeachtet seiner zweifellos loyalen Persönlichkeit und seiner Identifikation mit dem Traditionsklub bringt Diekmeier wenig mit, was eine Weiterbeschäftigung wirklich rechtfertigt.

Der ehemalige U21-Nationalspieler steht sinnbildlich für Vieles, was in den vergangenen Jahren rund um das Hamburger Volksparkstadion falsch gelaufen ist. Würde man Diekmeiers 171 Bundesliga-Spiele einzeln betrachten, käme man wohl auf keine 20, in denen der ehemalige Nürnberger einen wirklichen Mehrwert für sein Team dargestellt hat.


Diekmeier steht für Stagnation. Seit Jahren wird in Hamburg versucht, den sprichwörtlichen „Bock“ umzustoßen und an alte, erfolgreiche Zeiten anzuknüpfen. Spieler kamen und gingen – nur Diekmeier durfte weiter rechts hinten als stetiger Gefahrenherd für die eigene Mannschaft vor sich hin lodern. 

Völlig unabhängig davon, ob die Hamburger den erstmaligen Gang in die Zweitklassigkeit am Ende der Saison antreten müssen oder nicht: Ein erneuter Umbruch und die Trennung von Altlasten ist unumgänglich. In diese Rubrik fallen neben Dennis Diekmeier zweifellos auch Lewis Holtby oder Sven Schipplock. Spieler, die sich auf ihren hoch dotierten HSV-Verträgen jahrelang ausruhen und selten mit Leistung zurückzahlen, sollten in Hamburg nun endlich der Vergangenheit angehören.

Es ist bezeichnend, dass Diekmeier den dem Vernehmen nach stark leistungsbezogenen 2-Jahres-Vertrag abgelehnt hat. Der HSV sollte hierin allerdings die Chance sehen, eine der seit Jahren vorhanden Schwachstellen endlich schließen zu können. Die kolportierte, angebotene Gehaltserhöhung für Diekmeier sollte stattdessen in einen jungen, hochmotivierten Nachfolger gesteckt werden.

Es muss wieder ein Privileg sein, für den Bundesliga-Dino auflaufen zu dürfen. Und das nicht, weil für wenig Leistung überdurchschnittlich viel gezahlt wird. Nein, der HSV muss zurück dahin, wo man noch vor zehn Jahren war. Das Stichwort Leistungsprinzip muss in der Hansestadt wieder greifen – ohne Rücksicht auf alte Zöpfe. Der Abgang Diekmeiers kann daher auch nur ein Anfang sein.