Nach der gestrigen 1:2-Niederlage in München musste sich der FC Schalke 04 nur eine Sache vorwerfen lassen: Trotz einer sehr guten Leistung hat man es versäumt, wichtige Punkte im Kampf um die Champions-League-Plätze mitzunehmen. Bei beiden Gegentoren stand erneut Ralf Fährmann im Blick, der nach der Partie jedoch viel Zuspruch erhielt.

Torhüter stehen in jeder Partie ganz besonders im Fokus. Bei einem Angriff des Gegners sind sie die letzte Hürde, die ein Spieler überwinden muss, ehe der Ball ins Netz geht. Für gute Leistungen werden sie gefeiert, für schlechte wiederum harsch kritisiert und meist auf ihre Fehler reduziert.

So erlebt es aktuell auch Ralf Fährmann, Torwart des FC Schalke 04. Bisweilen spielt der 29-Jährige eine sehr gute Saison und könnte sich aufgrund seiner ohnehin ordentlichen Leistungen in den vergangenen Jahren in das Blickfeld der Nationalmannschaft spielen. Im Spiel gegen Werder Bremen vor gut einer Woche unterlief ihm jedoch erstmalig ein entscheidender Fehler. Fährmann konnte einen harmlosen Freistoß nicht richtig festhalten, ließ ihn unglücklich nach vorne abprallen. Die letzte Konsequenz: Max Kruse erzielte den überraschenden Ausgleich für die Bremer - die in der Nachspielzeit in Person von Zlatko Junuzovic den Siegtreffer zum 2:1 erzielten.

Im Topspiel gegen den FC Bayern spielten seine Vordermänner sehr gut, doch wieder unterliefen Fährmann entscheidende Fehler. Beim 1:0 durch Robert Lewandowski ließ er einen Distanzschuss von Thomas Müller nach vorne abprallen, der genau auf die Füße des eingelaufenen Stürmers fiel. Beim zweiten und letzten Tor des Rekordmeisters hatten die Münchner erneut das nötige Quäntchen Glück: Nach einem Pass von Arjen Robben will Müller den Ball nahe der Torauslinie in das Zentrum spielen, versenkt ihn jedoch aus einem eigentlich zu spitzen Winkel im Netz. Weshalb? Fährmann erwartete eben jenen Pass ins Zentrum, der nicht erfolgte, und entfernte sich daher vom kurzen Pfosten. Die Lücke war letztlich zu groß und das Tor besiegelt.

FC Bayern Muenchen v FC Schalke 04 - Bundesliga

   Das Glück war nicht auf seiner Seite: Beim entscheidenden Schuss von Müller kann                                                      Fährmann nur hinterhersehen


​"Beim ersten Gegentor lasse ich den Ball unglücklich nach vorne abprallen, beim Zweiten spekuliere ich auf einen Pass nach Innen. Das hätte ich gegen Thomas Müller natürlich nicht machen dürfen", so der Schalker-Schlussmann nach der Partie laut der Abendzeitung München. Fährmann ärgerte sich weiter: "Es waren zwei bittere Gegentore. Wir haben es sehr gut gemacht und waren nahe dran, ein zweites Tor zu machen und hatten auch einige sehr gute Möglichkeiten im gegnerischen Strafraum."

​Torschütze Müller erklärte die Entstehung seines fünften Saisontores: "
Ich wollte ihn eigentlich vor's Tor zu bringen, so geht er direkt in die kurze Ecke. Das war natürlich auch etwas glücklich." Eine Einschätzung, die auch Schalke-Coach Domenico Tedesco teilte: "Beim zweiten Gegentor war Müller relativ weit außen, sodass Ralle wahrscheinlich dachte, dass Thomas ihn reinflanken will und ich glaube auch, dass er ihn reinflanken wollte. Da offenbart Ralle ein bisschen den ersten Pfosten, und da geht er durch", wird der 32-Jährige bei Goal zitiert. Dennoch solle man nicht denken, dass Fährmann zu weit weg vom Pfosten stand: "Ich glaube, da passt nur ein Fußball zwischen, ein Volleyball oder ein Tennisball, aber zum Beispiel kein Basketball."

​In der Folge erhielt der Keeper Rückendeckung von allen Seiten: "
Ralf ist ein erfahrener Torwart, damit kommt er klar. Er hat uns schon so viele Spiele gerettet, da nehmen wir ihm einen schlechten Tag nicht übel", so etwa Manager Christian Heidel. Auch Stürmer Franco Di Santo stand seinem Mitspieler bei: "Ralf ist unser Kapitän. Das hat einen Grund. Er hat uns schon 100 Mal gerettet", so der Argentinier laut derwesten. Fährmann selbst zeigte sich vor allem verärgert: "Ich bin keine Maschine. Ich hätte das gerne anders verteidigt."

​Hilfe benötige er jedoch "überhaupt nicht", wenn es nach Tedesco geht. Immerhin sei Fährmann "zu Recht" der Mannschaftskapitän der Schalker. "
Die Gegentore ärgern ihn am meisten, nach dem Spiel gegen Bremen hat er sich nochmal entschuldigt, wobei er das nicht braucht. Alles gut, das ist jetzt eine Phase, die wir gemeinsam überwinden werden." Am kommenden Wochenende empfängt der FC Schalke 1899 Hoffenheim. Im Duell gegen den Tabellen-Achten erwartet 'Königsblau' eine erneut schwere Aufgabe, in der Fährmann dann die erneute Gelegenheit hat, wieder seine Stärken zu präsentieren.