Es war ein echter Gänsehautmoment, als Kult-Stadionsprecher Nobby Dickel beim Verlesen der Aufstellung bei Dortmunds Nummer Elf ankam. Gleich dreimal durften die BVB-Fans den Namen ihres Lieblings ausrufen – und dieser dankte es wenig später mit einem vielversprechenden Comeback.


​Nach seiner 259-tägigen Leidenszeit durfte der 28-jährige Reus endlich wieder mit den Kollegen auf dem Platz um Punkte kämpfen – und dies überaus erfolgreich. Zwar kehrte auch mit Reus noch keinesfalls die spielerische Leichtigkeit zurück, doch der Kapitän versprühte im Gespräch mit den Ruhrnachrichten Zuversicht: „Es ist mir wichtig, dass wir nicht nur das Negative sehen. Wir haben gewonnen, natürlich können wir noch besser spielen. Aber sowas braucht Zeit.“


Zusammen mit André Schürrle und Christian Pulisic bildete Reus die offensive Dreierreihe im Mittelfeld. Und er schlüpfte in die eher ungewohnte Rolle des „Zehners.“ Eine Position, die Reus aber durchaus gefällt. „Da habe ich beim BVB meine besten Leistungen gebracht“, so der 28-Jährige. Ob er dauerhaft zentral spielen werde, wusste Reus angesichts der Konkurrenz in Person von Mario Götze, Shinji Kagawa oder auch Mahmoud Dahoud nicht zu beantworten. Allerdings käme auch eine Systemanpassung in Frage: „Ob wir dann 4-1-4-1 spielen, mit zwei Zehnern, oder zwei Achtern, das wird man sehen.“


Ungeachtet der Position fiel vor allem auf, das Reus konditionell bemerkenswert weit zu sein schien. Trainer Peter Stöger erklärte vielsagend: „Seine Leistung ist erfreulich, aber nicht überraschend. Er hätte es sicherlich auch über 90 Minuten geschafft." Ähnlich sieht es auch der Nationalspieler, der allerdings ergänzt, dass „man es ja nicht übertreiben muss.“

Mit Blick auf die anstehende Weltmeisterschaft äußerte sich Reus durchaus optimistisch. Er habe den Kontakt zu Bundestrainer Joachim Löw über die letzten Monate nie abreißen lassen, erklärte Reus. „Natürlich muss ich meine Leistung bringen, um dabei zu sein. Aber ich weiß auch, wenn ich meine Leistung bringe, dann werde ich auch dabei sein“, stellte der ehemalige Gladbacher nüchtern fest.


Positive Worte fand Reus auch für Chelsea-Leihgabe Michy Batshiayi. „Die Tore geben ihm natürlich Selbstvertrauen, aber wir dürfen auch nicht erwarten, dass von heute auf morgen alles klappt. Die Feinabstimmung braucht Zeit“, so Reus.

Für die Borussia stehen in den kommenden Wochen und Monaten zahlreiche richtungsweisende Partien auf dem Plan. Schon am Donnerstag empfängt die Stöger-Elf Atalanta Bergamo zum Hinspiel des Europa-League-Sechzehntelfinals. Mit Marco Reus hat der BVB endlich wieder einen seiner größten Trümpfe auf dem Platz stehen.