Knappe Niederlage: 6 Schalker Erkenntnisse nach dem Topspiel gegen Bayern

Das gestrige Topspiel zwischen Bayern München und Schalke 04 bot einen hohen Unterhaltungswert - dank der Mannschaft von Domenico Tedesco. Die Schalker agierten über 90 Minuten mutig, zeigten einen hohen Einsatz und bereiteten dem Tabellenführer immer wieder Schwierigkeiten. Zwar ging das Spiel knapp mit 1:2 verloren, doch Tedesco & Co. werden mit Sicherheit einige Schlüsse gezogen haben, die wir im Folgenden präsentieren.

1. Körpereinsatz zahlt sich aus

Der FC Schalke agierte offensiv in einem 3-4-3 System, das bei Ballverlust für hohe Gefahr bei Umschaltsituationen des Gegners sorgt. Daher waren die Spieler von Domenico Tedesco vor allem in den Zweikämpfen gefordert, und machten ihre Sache sehr gut. Nach dem 0:1-Rückstand durch Robert Lewandowski nahm 'Königsblau' das Spielgerät an sich und kam dem Strafraum der Bayern immer näher, da besonders die zweiten Bälle immer wieder abgefangen wurden und die Hintermannschaft der Gastgeber immer wieder vor Probleme gestellt wurde.


Aufgrund des hohen Körpereinsatzes erlebten besonders die Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng, der nach 70 Minuten durch Niklas Süle ersetzt wurde, keinen einfachen Abend. Beide leisteten sich aufgrund des Pressings der Gäste einige Fehler und dank des hohen Einsatzes von Goretzka gegen Boateng in der 29. Minute fiel nur Sekunden später der Ausgleich durch Franco Di Santo. Zwar fällt die Schalker Zweikampfquote mit 45% etwas geringer als die der Münchner aus, doch das Angriffstrio um Di Santo, Burgstaller und Embolo sowie die nachrückende Reihe aus dem Mittelfeld, stellten den Gegner immer wieder vor schwierige Aufgaben.

2. Stambouli wieder in der Spur

In den vergangenen vier Partien begann Benjamin Stambouli meist nur auf der Bank. Der 27-jährige Franzose war eigentlich als Innenverteidiger in der Dreierkette gesetzt, musste sich in den letzten Wochen jedoch hinter Kehrer, Naldo und Nastasic anstellen. Da letzterer aufgrund seiner fünften Gelben Karte aus dem Spiel gegen Werder Bremen gesperrt fehlte, bekam Stambouli wieder die Chance, von Anfang an aufzulaufen - und überzeugte. Von 51 seiner Pässe kamen 48 an, was einer Quote von 94 Prozent entspricht. In der Defensive sorgte Stambouli zudem immer wieder für Entlastung und erreichte eine Zweikampfquote von sehr guten 82 Prozent. Damit war der ehemalige U-21 Nationalspieler Frankreichs bester Zweikämpfer der Schalker und musste sich insgesamt lediglich Joshua Kimmich geschlagen geben.


Mit solch einer Performance dürfte er den Konkurrenzkampf in der Abwehr noch einmal neu entfachen und sich für weitere Aufgaben empfehlen.

3. Embolo mit hohem Einsatz - auch in der Rückwärtsbewegung

Nach zuletzt drei Partien ohne Einsatz bekam Breel Embolo von Tedesco in München die Chance, seine Stärken unter Beweis zu stellen. Der 20-Jährige spielte über die vollen 90 Minuten und bot ebenfalls eine sehr gute Leistung. Auf der rechten Offensivbahn war Embolo der Aktivposten schlechthin und sorgte mit seinen Läufen in die Tiefe immer wieder für Gefahr. Seine Hereingabe in der 29. Minute war die Einleitung für den zwischenzeitlichen Ausgleich und im zweiten Durchgang hatte Embolo selbst die ein oder andere Gelegenheit, ein Tor zu erzielen.


Aber auch gegen den Ball bot er eine beachtliche Leistung und erwies sich als hartnäckiger Gegenspieler für die Bayern, die immer wieder früh angelaufen und immer wieder in Bedrängnis gebracht wurden. Nach dem Spiel lobte Tedesco seinen Schützling. Embolos Auftritt habe ihm "gut" gefallen, so der Trainer laut Goal. "Er hatte eine anspruchsvolle Aufgabe im Defensivbereich mit zwei Sechsern. Wir wussten, dass die Bayern immer wieder in der roten Zone schwimmen, dass sie sich zwischen den Linien bewegen und dort immer wieder reinkommen. Deswegen war es nicht einfach. Wir wollten es auf der Ballseite eher mannorientiert und auf der ballfernen Seite raumorientiert gestalten. Das haben die Jungs sehr, sehr gut gemacht", fügte er an.

4. Goretzka ist wieder in guter Form

Gegen seinen künftigen Arbeitgeber agierte Leon Goretzka von Anfang an. Der 23-Jährige spielte zum zweiten Mal in Folge über 90 Minuten und war im Mittelfeld der beste Schalker auf dem Platz. Mit rund elf Kilometern war Goretzka einer der laufstärksten Spieler der Partie und leitete aufgrund seiner Spielweise immer wieder gute Möglichkeiten für seine Mitspieler ein. Beim Ausgleich gelang ihm eine eher ungewollte Vorlage, als er bei seinem Seitfallzieher den Ball lediglich leicht touchierte, wodurch er zu Franco Di Santo flog. Gegen den Ball war er präsent und robust in den Zweikämpfen und zeigte eine engagierte Leistung. Die Verantwortlichen der Münchner dürften den Auftritt Goretzkas positiv wahrgenommen haben und sich noch mehr auf seine baldige Ankunft freuen.

5. Fährmann benötigt die Unterstützung seiner Kollegen

Ralf Fährmann erlebte einen unangenehmen Arbeitstag - mal wieder. Der Schalker Schlussmann leistete sich wie bei der 1:2-Niederlage gegen Werder Bremen entscheidende Patzer, die zu den Gegentoren führten: Beim 0:1 wehrte er Müllers Distanzschuss mit der Faust ab, woraufhin dem eingelaufenen Robert Lewandowski der Ball vor die Füße fiel. Beim 1:2 war der Fehler des 29-Jährigen drastischer: Als Müller nahe der Torauslinie aus spitzem Winkel abzog, spekulierte Fährmann auf einen Querpass ins Zentrum und ließ daher den Winkel etwas zu weit offen. Der Ball rollte genau ins Tor, Schalke konnte nur hinterherschauen.


Tedesco wollte die vergangenen Schnitzer seines Keepers nicht überbewerten: "Ralle ist zu Recht unser Captain, er strahlt etwas aus. Die Gegentore ärgern ihn am meisten, nach dem Spiel gegen Bremen hat er sich nochmal entschuldigt, wobei er das nicht braucht. Alles gut, das ist jetzt eine Phase, die wir gemeinsam überwinden werden.", so der 32-Jährige laut Goal. Zwar müsse man ihn "überhaupt nicht" aufbauen, doch intern wird er mit Sicherheit den ein oder anderen Zuspruch erhalten, der ihm dabei hilft, die Fehler auszublenden.

6. Di Santo zeigt sich erneut engagiert

Ein Torjäger ist Franco Di Santo schon lange nicht mehr. Dafür hat sich der Argentinier zum Arbeitstier entwickelt. Bis zu seiner Auswechslung in der 76. Minute agierte Di Santo aufopferungsvoll und warf sich immer wieder in Zweikämpfe, von denen er insgesamt 56 Prozent für sich entscheiden konnte. Das Tor zum 1:1 war der dritte Treffer in der Bundesliga, hinzu kommt allerdings nur ein weiteres Tor im Pokal. 


In der Defensive ging er viele Wege mit nach hinten und bot sich in den Umschaltsituationen stehts an. Alles in allem war es ein guter Auftritt des 28-Jährigen, der nach der Partie auf Twitter postete: "Wir haben mehr verdient, wir werden weiter kämpfen mit dem gleichen Willen. Das Beste kommt noch!" Seine Kritiker dürfte er mit dem gestrigen Auftritt vorerst ruhig gestellt haben.