Als Bremens Aron Jóhannsson nach sieben Spielminuten auf 2:0 für die Gäste von der Weser stellte, brauchte es schon viel Fantasie, um der Werkself noch ein ernstzunehmendes ​Comeback im DFB-Pokal-Viertelfinale zuzutrauen. Schon früh am Abend war klar, dass es einen Hauch Magie benötigen würde, um die Begegnung gegen die Kohfeldt-Elf doch noch zum Kippen zu bringen. Und die hoffnungsvollen Blicke der Bayer-Fans trafen in erster Linie den Jamaikaner Leon Bailey.


Doch es sollte diesmal nicht der quirlige 20-Jährige sein, der das Spiel zu Gunsten Bayers drehte. Nein, der Name des Mannes des Abends lautete Julian Brandt. Dass der 21-jährige gebürtige Bremer in seiner inzwischen fünften Profisaison durchaus zu großen Spielen in der Lage sein könnte, war schon länger klar – und doch zeigte er es bislang zu selten.


Dabei ist die Polyvalenz, mit der Brandt im Offensivspiel der Herrlich-Elf eingesetzt werden kann, speziell in seiner Altersklasse, ohnegleichen. Ohne spürbaren Qualitätsverlust kann Brandt links, rechts oder im Zentrum wirbeln. Temporär sogar in vorderster Front. An guten Tagen kann man in Brandt durchaus das Potential eines kommenden Weltklassespielers aufblitzen sehen. An durchschnittlichen oder schlechten Tagen hingegen geht Brandt bislang im Kollektiv meist unter.


Aber gegen Werder sollte es eben ein besonderer Abend sein: Brandt nahm das Heft des Handelns in die Hand, trieb die Seinen unermüdlich an und konnte nach toller Vorarbeit von Dominik Kohr schon bald auf 1:2 verkürzen. Und die ganze Klasse des ehemaligen Wolfsburgers blitze dann zehn Minuten nach Wiederanpfiff auf. Quasi aus dem Stand zog der auffällige Nationalspieler vom Sechzehner ab und schlenzte das Leder sehenswert zum 2:2 in die Maschen. Bayer drehte die Begegnung in der Verlängerung vollends – und feierte den Einzug ins Halbfinale.



Brandts erster Doppelpack seiner Profi-Karriere zeigt auch, dass Bayer nicht von der Qualität und Unberechenbarkeit Leon Baileys abhängig sein muss. Auch Brandt kann für entscheidende Momente sorgen. Konserviert er diese Leistung, sind Anrufe von Europas Topklubs eine Frage der Zeit. Und liegt Bayer das nächste Mal aussichtlos zurück, verteilen sich die Blicke möglicherweise auf Brandt und Bailey.