Bei 1899 Hoffenheim läuft es derzeit sportlich sehr bescheiden. Die TSG ist spätestens durch die Sieglos-Serie 2018 ins Mittelmaß abgerutscht. Im eigentlich so beschaulichen Kraichgau fängt es an ungemütlich zu werden. Nach einem Bericht über angebliche Risse zwischen den Spielern und Trainer Julian Nagelsmann soll es nun richtig gekracht haben. Im Mittelpunkt: Geschäftsführer Sport Hansi Flick, der bei einem Putsch-Versuch der übrigen Klub-Verantwortlichen um Manager Alexander Rosen gestürzt werden sollte.


"Es war ein Schritt in die richtige Richtung, was die Mentalität und auch die Qualität auf dem Feld angeht." So lauteten die Worte von Julian Nagelsmann nach dem 1:1-Remis seines Teams in Berlin. Es war tatsächlich eine deutliche Steigerung gegenüber den Niederlagen gegen Leverkusen und in München. Dennoch bleibt 1899 Hoffenheim seit sechs Pflichtspielen ohne Sieg. Mit 28 Punkten nach 21 Bundesligaspielen ist die TSG im grauen Mittelmaß angekommen.


Es waren Worte, die Nagelsmann noch vor sechs Monaten so nie über die Lippen gekommen wären. Der Shootingstar an der Seitenlinie und "Trainer des Jahres" spielte mit seiner Mannschaft eine überragende Runde, an deren Ende mit Rang vier die Champions-League-Qualifikation stand - zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte war Mäzen-Klub Hoffenheim in Europa vertreten.

Hamburger SV v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Erfolgsduo: Manager Alexander Rosen (l.) und Trainer Julian Nagelsmann (r.) führten Hoffenheim zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in den europäischen Wettbewerb.



Im Sommer verlor die TSG dann allerdings schon zwei ihrer Leistungsträger und "Gesichter des Klubs". Die Nationalspieler Niklas Süle und Sebastian Rudy gingen zu den Bayern. Adäquater Ersatz wurde nicht gefunden oder konnte nicht bezahlt werden. Der Saisonstart war zumindest in der Liga dennoch gelungen. Am dritten Spieltag schlug 'Hoffe' sogar den FC Bayern mit 2:0.


Ab da ging es stetig abwärts - nicht im dramatischen Maße wie etwa beim BVB, sondern schleichend. Dem Quali-Aus gegen Liverpool folgte einer extrem wechselhafte Hinrunde mit dem negativen Höhepunkt des peinlichen Europa-League-Ausscheidens. Im Winter wanderte mit Sandro Wagner dann auch noch der dritte Nationalspieler gen München ab. Mark Uth verkündete kurz darauf seinen ablösefreien Wechsel nach Schalke am Ende der Saison.


In Hoffenheim steht ein personeller Umbruch im Sommer bevor. Zumindest in der Offensivabteilung. Da die Ergebnisse in der Liga immer schlechter wurden, folgte nach dem Jahreswechsel auch noch Unruhe um den "Trainer des Jahres". ​Die Mannschaft habe sich von Nagelsmann abgewendet, hieß es in einem Bild-Artikel. Der Auftritt von Berlin lässt eher auf das Gegenteil schließen und auch Sandro Wagners Aussagen können als Indiz herhalten, Nagelsmann und sein Team stehen weiter zusammen.

Der Hauptvorwurf lautete, der 30-Jährige hätte sich in den letzten Monaten verändert, sei nicht mehr der Typ aus seiner so erfolgreichen Anfangszeit. Dem widerspricht Wagner deutlich: "Julian Nagelsmann hat sich auch in der schwierigeren Phase null verändert. Im Gegenteil [...] Er ist sehr authentisch und geerdet, ihn wirft nichts um. Und privat ist er ein toller Charakter mit großem Herzen", beschrieb Sandro Wagner seinen Ex-Coach gegenüber dem kicker.


Eine Trainerdiskussion wird es im Kraichgau bis zum Ende der Saison wohl auch nicht geben, sollte man nicht widererwartend sogar noch in Abstiegsnot geraten. Eine andere wird uns dagegen wohl noch etwas begleiten. Erneut die Bild berichtete in dieser Woche von einem ​Knall unter den Verantwortlichen. Im Mittelpunkt: Hansi Flick, der seit ersten Juli als Geschäftsführer Sport nach Hoffenheim zurückkehrte. Angeblich habe sich Flick mit Mäzen Dietmar Hopp überworfen, strategische und personelle Änderungen sollen von Medienchef Christian Frommert, Direktor Profifußball Alexander Rosen und Geschäftsführer Dr. Peter Görlich abgelehnt worden sein. Die drei hätten sich demnach sogar gegen Flick verbündet und versucht den 52-Jährigen in einer Art "Putsch" zu stürzen.

Aus Hoffenheim kam das übliche Dementi: "Alles falsch, nichts dran". Flick befinde sich derzeit im Urlaub. Komisch nur, dass der Geschäftsführer Sport schon im Winter ausgiebig in Thailand weilte und in einer sportlich prekären Situation nun erneut im Urlaub sein soll. 


Die Frage in Hoffenheim lautet vielmehr, welche Funktion übt der ehemalige DFB-Sportdirektor im Verein eigentlich aus? Die Maschinerie bei den Verantwortlichen lief bis zum Sommer eigentlich gut geölt. Flick als weiterer starker Mann wurde von Hopp mehr aufgezwungen, als dass er wirklich gebraucht wurde - so zumindest der Eindruck von außen. Auch über ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt weiß eigentlich keiner so recht, was Flick eigentlich in Hoffenheim macht.


Wessen Schuld das ist, kann von außen nur schwer beurteilt werden. Es lässt allerdings den Schluss zu, dass das Binnenverhältnis zwischen den Verantwortlichen in Hoffenheim von Beginn an gestört war und sich die Beteiligten von Flicks Inthronisierung auf den Schlips getreten fühlten und fühlen. 


​Eine Trennung erscheint trotz Dementi und Fünfjahresvertrag durchaus möglich. Es wäre angesichts der sportlichen Lage und des möglichen Umbruchs im Sommer vielleicht sogar die beste Lösung, um weitere Nebenkriegsschaubplätze zu schließen.