Anlässlich seines 100. Treffers in der Premier League hat Tottenham-Stürmer Harry Kane beim ​Players' Tribune einen sehr persönlichen Text veröffentlicht. Darin spricht der 24-Jährige über die schwierige Anfangszeit seiner Karriere, sein Verhältnis zu Trainer Mauricio Pochettino und seinen großen Traum. 


Den ersten Rückschlag auf dem Weg zum Profi musste Kane bereits im zarten Alter von acht Jahren verkraften, als er aus Arsenals Nachwuchsakademie entlassen wurde. Im Nachhinein sollte sich das natürlich als absoluter Glücksfall erweisen: Nicht nur, dass der englische Nationalspieler so über Watford bei den 'Spurs' landete, seine Ausbootung verlieh im auch einen besonderen Motivationsschub - speziell in Spielen gegen die 'Gunners'. Beim ersten North London Derby, bei dem er von Anfang an auf dem Platz stand, avancierte er mit einem Doppelpack direkt zum Matchwinner. Über sein Siegtor zum 2:1 in der 87. Minute sagt Kane: "In meiner gesamten Karriere habe ich keinen solchen Adrenalinstoß erlebt."

Inspiration durch Tom Brady


Kane ist der jüngste Spieler, der in den illustren Klub der Hunderter vorgedrungen ist und brauchte dafür lediglich 141 Spiele. Nur dem legendären Alan Shearer, der mit 260 Toren auch den Rekord für die meisten Treffer in der Premier League hält, reichten für diesen Meilenstein weniger Partien. Dennoch hatte Kane in seiner Anfangszeit als Profi keine Chance bei Tottenham, wurde nacheinander nach Leyton Orient, Millwall, Norwich und Leicester (damals noch Zweitligist) verliehen. Auch dort spielte er wenig, was ihn durchaus an sich selbst zweifeln ließ: "Wenn ich nicht in der zweiten Liga für Leicester spielen kann, wie soll ich dann jemals in der Premier League für Tottenham auflaufen?"


Inspiration holte sich Kane dann bei keinem geringeren als Tom Brady - wenn auch nicht direkt. Da er in dieser Zeit oft alleine zu Hause saß, entwickelte er ein ausgeprägtes Interesse für die NFL und die New England Patriots. Irgendwann stieß er auf eine Dokumentation zu Brady, aus der er erfuhr, dass der heute legendäre Quarterback zu Beginn seiner Karriere erst an Position 199 gedraftet wurde und es dennoch ganz nach oben schaffte. "Er hat einfach immer an sich geglaubt und hart gearbeitet, um besser zu werden. Es mag komisch klingen, aber das hat in meinem Kopf einen Schalter umgelegt, und das, während ich auf meinem Sofa in Leicester lag. Plötzlich war ich mir sicher: Ich werde es schaffen. Ich arbeite so hart ich kann, bis meine Chance kommt - und dann werde ich sie nutzen."


Pochettino als entscheidender Faktor 


Dass er so schnell so erfolgreich werden würde, hätte Kane wohl selbst nicht geglaubt, als er an jenem Nachmittag seine Epiphanie hatte. Nun steht er bei 100 Premier-League-Treffern, was er zu einem großen Teil Mauricio Pochettino zu verdanken hat. "Niemand hatte einen so großen Einfluss auf meine Karriere wie Mauricio. Er hat nicht nur eine großartige Spielphilosophie mitgebracht, sondern uns alle zusammengeschweißt. Wir sind echte Freunde, und das ist im heutigen Fußball eher eine Seltenheit."

Tottenham Hotspur v Crystal Palace - Premier League

Gemeinsam mit seinen Freunden hat Kane noch viel vor. Sein großes Ziel ist eine Meisterschaft mit seinem Herzensverein. "Früher habe ich mich damit motiviert, die Augen zu schließen und mir vorzustellen, gegen Arsenal zu treffen. Heute stelle ich mir dabei vor, wie ich die Premier-League-Trophäe im neuen Stadion in die Luft recke."