Die Dortmund-Macher Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc waren in den vergangenen Monaten mit Sicherheit nicht zu beneiden. Erst die wahnwitzige Posse um Ousmane Dembélé im Sommer 2017, dann der kürzlich von Skandalen überschattete Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang. Kein Wunder, dass sich der stets um eine klare Kante bemühte Watzke derartige Szenarien in Zukunft ersparen will. Und so kündigte er unlängst an, dass der nächste Streik-Profi auf der Tribüne landen werde.


Die Frage darf allerdings erlaubt sein, ob dies ein kluger Schachzug wäre. Gerade in der Gewinnverantwortung als Aktiengesellschaft gegenüber den Anteilseignern wäre ein entsprechendes Handeln nur schwer vermittelbar. Denn: Auf der Tribüne gewinnt kein Profi an Wert. Kapitalverbrennung auf höchstem Niveau kann daher nicht die Lösung sein – auch wenn derzeit Identität und Image der Borussia unter den jüngsten Eindrücken spürbar gelitten haben.

Und überhaupt: Ist die öffentliche Drohung Watzkes nicht auch als Misstrauensvotum gegenüber dem verbliebenen Restkader zu verstehen? Wären sich die BVB-Verantwortlichen sicher, keine faulen Äpfel mehr innerhalb der Mannschaft zu haben, wäre eine derartige Ankündigung im Grunde überflüssig.


Die Aussagen Watzkes wirken aus der Situation des Kontrollverlusts geboren. Watzke, der stets als starker Macher der Borussen alle Fäden zu ziehen schien, wurde in den vergangenen Monaten (zu) oft in eine Situation der Machtlosigkeit manövriert. Was man aufgrund der hohen Dembélé-Ablöse im Sommer noch als gefühlten Sieg verkaufen konnte, ist spätestens nach dem erzwungenen Aubameyang-Abgang ein Grundsatzproblem geworden.

Keine Frage: Es muss etwas passieren. Doch eine unter rationalen Gesichtspunkten nicht umsetzbare Drohung gegenüber einem Kader, der sich bislang nichts zu Schulden hat kommen lassen, kann nicht Teil der Lösung sein. In Dortmund sollte vielmehr endlich wieder Wert auf den Charakter der Spieler gelegt werden. Die Meistermannschaft von 2011 und 2012 war auch deshalb so stark, weil sie füreinander einstand. Und nicht nur für sich, sondern auch für den Trainer, die Fans und die gesamte BVB-Familie.

Man kann Teilen der damaligen Mannschaft, exemplarisch Mats Hummels oder Robert Lewandowski, ihre Abgänge mit Sicherheit krumm nehmen. Aber, beim besten Willen: Ein erzwungener Wechsel durch „Untertauchen“ oder wiederholtes Zuspätkommen war in diesen Fällen unvorstellbar. Warum? Weil Lewandowski, Hummels und Co. Profis sind. Und weil sie sich der Pflicht gegenüber ihrem Arbeitgeber stets bewusst waren. Der BVB braucht keine Charaktere wie Aubameyang, Dembélé oder Mkhitaryan. Er braucht starke Persönlichkeiten, die auch Hans-Joachim Watzke den Glauben an die Borussen-DNA wiederfinden lassen.