Wer in diesen Tagen in Dortmund sportliche Gewinner der Saison suchen will, der tut sich mitunter schwer, Antworten zu finden. Zu durchwachsen läuft die Spielzeit der Westfalen, die auch nach dem Trainerwechsel von Peter Bosz zu Peter Stöger den eigenen Ansprüchen hinterherlaufen. Einer, der ungeachtet dieser schwierigen Phase zurück zu alter Form gefunden hat, trägt den Namen Shinji Kagawa. Oder, wie in der asiatischen Namensordnung üblich und von der Dortmunder Südtribüne nicht selten intoniert: „Kagawa Shinji!“


Mit 13 Torbeteiligungen (6 Tore/7 Vorlagen) in wettbewerbsübergreifend 25 Spielen ist Kagawa nach dem Abgang von Superstar Pierre-Emerick Aubameyang der aktuell beste Scorer im BVB-Kader. Und dies kommt nicht von ungefähr: Der Japaner scheint nach Jahren der sportlichen Selbstfindung endlich wieder zu funktionieren – auch, weil er inzwischen wieder in seiner Paraderolle als „Zehner“ wirken darf.



Seit Stögers Amtsantritt im Dezember blieb der BVB in sechs Begegnungen ohne Niederlage. (3 Siege, 3 Remis) Kagawa traf gegen ​Mainz 05, ​Hertha BSC und den ​SC Freiburg, leitete zudem beide Treffer beim​ ​2:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim ein. Doch fernab aller greifbaren Statistiken ist er für das Dortmunder Spiel inzwischen viel mehr. Er kurbelt an, initiiert und ist in puncto Einsatzbereitschaft und Kampfgeist ein Vorbild.



Kagawa ist im Grunde das, was andere etablierte Kräfte wie Mario Götze oder Gonzalo Castro gerne wären: Unverzichtbar. Und das in einer Zeit, in der in Dortmund im Grunde kein Stein auf dem anderen gelassen wird. Er weiß für Überraschungsmomente im oft so monotonen BVB-Spiel zu sorgen. Der Gegner kann nur erahnen, ob im nächsten Moment ein unvorhersehbarer, genialer Steilpass kommt, oder der quirlige Japaner mit seiner Beweglichkeit und Technik 1-2 Mann aussteigen lässt.

Im vergangenen Juli verlängerte Kagawa seinen Vertrag bis 2020. Es scheint klar, dass der Japaner vom jüngst von Hans-Joachim Watzke angekündigten Umbruch nicht betroffen sein wird. Er ist inzwischen wieder da, wo am 19.09.2010 alles begann. Damals traf Kagawa doppelt beim 3:1-Derbysieg auf Schalke. Und aus dem Dortmunder Fanblock folgte bald darauf ein langgezogenes „Kagawa, Shinji.“