Im ersten Spiel unter der Leitung von ​Tayfun Korkut holte der VfB Stuttgart den erst zweiten Auswärtspunkt in dieser Saison. Bei der Punkteteilung in Wolfsburg wurde bereits deutlich, dass der Deutsch-Türke bei den Schwaben etwas bewegen will. Zwar erwiesen sich noch nicht alle Veränderungen als Sofortlösungen, dennoch lässt sich am Ende ein positives Fazit ziehen.​


Passivität kann man dem neuen Coach der Stuttgarter nicht vorwerfen. Auf fünf Positionen stellte der 43-Jährige seine Mannschaft im Vergleich zur 0:2-Niederlage gegen den FC Schalke 04 um. Die größte Überraschung dabei war die neue Rolle des Kapitäns Christian Gentner. Zu Beginn agierte der 32-Jährige in einer Art 4-2-3-1 System als hängende Spitze rund um Mario Gomez. Der Routinier wirkte sehr einsatzfreudig, konnte den Torjäger aber kaum in Szene setzen.


Nach der Pause stellte Korkut auf ein echtes 4-4-2 um und brachte neben Gomez mit Daniel Ginczek einen zweiten echten Stürmer. Gentner rückte dafür ins Mittelfeld zurück, auch um die Probleme in der Defensive in den Griff zu kriegen. Die Umstellung zahlte sich aus und der VfB agierte in der zweiten Halbzeit mit mehr Zug nach vorne. 

In der Defensive setzte der neue Cheftrainer auf eine Viererkette. Dabei rückte Benjamin Pavard für den verletzten Holger Badstuber in die Innenverteidigung und spielte eine sehr souveräne Partie. Den Part des Rechtsverteidigers bekleidete Andreas Beck. Der 30-Jährige machte jedoch erneut kein gutes Spiel und leitete durch einen fahrlässigen Ballverlust den Führungstreffer der Wölfe ein.


Auch unter Korkut wurde also wieder das Dilemma des VfB offensichtlich. Pavard kann zwar auch auf der Außenbahn ordentlich performen, seine ganze Qualität kommt jedoch am Besten in der Zentrale zur Geltung. Seinem Ersatzmann Andreas Beck geht jegliche Dynamik ab und er wirkte auch beim Spiel gegen die abstiegsbedrohten Niedersachsen sehr gehemmt und nahm durch seine häufigen Rückspiele auf Ron-Robert Zieler jegliches Tempo aus der Partie. In der zweiten Hälfte wurde er zwar besser, aber es wurde erneut klar, dass die Schwaben in der Winterpause unbedingt auf der Rechtsverteidigerposition hätten nachrüsten müssen.


Auch Anastasios Donis funktionierte in der ersten Hälfte auf der rechten Außenbahn überhaupt nicht und musste in der Kabine bleiben. Durch die Umstellung auf das 4-4-2-System zeigte der neue Trainer, dass er auf Probleme innerhalb des Spiels reagieren und die richtigen Lösungen finden kann. In der zweiten Halbzeit wirkten die Schwaben von Anpfiff an mutiger und belohnten sich durch den Ausgleichstreffer von Gomez für eine deutliche Leistungssteigerung.


Korkut hat erkannt, dass Gomez von den Zuspielen seiner Mitspieler abhängig ist und so brachte er mit Erik Thommy einen Spieler von Beginn an, der in der Lage ist, gute Flanken zu schlagen. Beim Spiel gegen den VfL wirkte der Youngster bei seinem Debüt für den VfB sichtlich bemüht und suchte als einer der wenigen, auch schon in der ersten Hälfte, Eins-gegen-Eins-Situationen. Zwar war der 23-Jährige dabei nur selten erfolgreich, dennoch war er eine Bereicherung. Dabei klebte der Deutsche nicht auf der Außenbahn und zog immer wieder in die Mitte. Zudem konnte der Neuzugang vom FC Augsburg auch andeuten, dass er gute Ecken und Freistöße schlagen kann. 

Auch Emiliano Insua war offensichtlich dazu angehalten, viele Flanken zu schlagen. Den Hereingaben aus dem Halbfeld fehlte es jedoch an der nötigen Präzision und so verpufften einige Möglichkeiten für den VfB. 


Im defensiven Mittelfeld vertraute Korkut neben Santiago Ascacibar auf ​Dennis Aogo. Der erfahrene Akteur brauchte jedoch ein bisschen, um ins Spiel zu finden. In der zweiten Hälfte war er jedoch präsenter und leitete durch eine mutige Direktabnahme den Treffer von Mario Gomez ein. 


Der Punktgewinn ist auch in Sachen Moral ein wichtiges Zeichen der Mannschaft. Unter Ex-Trainer Hannes Wolf, gelang es dem Team in dieser Bundesligasaison kein einziges Mal, nach einem Rückstand noch zu punkten. Am kommenden Sonntag wartet auf die Schwaben mit Borussia Möchengladbach jedoch bereits die nächste schwere Aufgaben. Beim Heimspiel gilt es, die nächsten Schritte in der Entwicklung einer neuen Spielidee zu gehen.