Nach dem gestrigen Spiel gegen den FC Schalke 04 dürften die Verantwortlichen von Werder Bremen aufatmen: Die Mannschaft von Florian Kohfeldt kann doch noch gewinnen. In einer über weite Strecken unspektakulären Partie setzte man sich mit 2:1 gegen die nun fünftplatzierten Schalker durch, die bei einem möglichen Sieg von Eintracht Frankfurt gegen den FC Augsburg am Sonntag (15.30 Uhr) sogar noch auf Platz sechs zurückfallen könnten. Das Stimmungsbild in Bremen nach dem ersten Sieg im neuen Jahr war eindeutig: Die Leistung war schwach, doch was zählt sind die Punkte.

Es ist ein wenig paradox, was Bremen in den vergangenen Wochen widerfahren ist: Trotz guter Leistungen gegen den FC Bayern München oder Hertha BSC holten die abstiegsgefährdeten Bremer kaum Punkte und kamen seit dem letzten Sieg am 15. Spieltag nie über ein Unentschieden hinaus. In der Partie auf Schalke war das genaue Gegenteil der Fall. Werder spielte offensiv harmlos und biss sich über 78 Minuten die Zähne an der Schalker Hintermannschaft aus, ehe Matija Nastasic für sein Foul an Ishak Belfodil die Gelb-Rote Karte sah und nach dem anschließenden Freistoß der überraschende Ausgleichstreffer durch Max Kruse fiel.

Danach wurde das Spiel wilder und sowohl Schalke als auch Werder hatten ihre Gelegenheiten zum Sieg. Dass Bremen in der 93. Minute durch Zlatko Junuzovic in Führung gehen und das Spiel gewinnen würde, hatte vor allem nach der ersten Halbzeit wohl kaum einer für möglich gehalten. Der 2:1-Erfolg war der erste Bundesligasieg seit dem neunten Dezember, Gegner damals: Borussia Dortmund.

"Wir haben uns heute schwerer getan als in den vergangenen Partien. Ich finde zwar, dass wir in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz hatten, aber so richtig zwingend war das nicht", gab Maximilian Eggestein nach der Partie auf der vereinseigenen Website zu. "Rein von der Leistung her", so der 21-Jährige, "hätte Schalke es wohl sogar ein bisschen eher als wir verdient gehabt." Dennoch wies er auf die unglücklichen Ergebnisse der vergangenen Wochen hin: "Aber heute hatten wir mal das Glück auf unserer Seite."

Trainer Florian Kohfeldt war ebenfalls wenig begeistert von seiner Mannschaft: "Rein bezogen auf die spielerische Leistung kann ich heute nicht zu hundert Prozent zufrieden sein, die Jungs sind das auch nicht." Dennoch wollte auch er nicht unterstreichen, dass es wahrscheinlich einfach Zeit wurde, dass sich der SVW wieder mit drei Punkten belohnt: "Vielleicht haben wir uns das über die letzten Wochen verdient und heute erzwungen. Es war nicht unser bestes Spiel, aber wir haben hier heute gegen den Tabellendritten gespielt, das darf man nicht vergessen. Die Jungs haben heute wieder eine großartige Mentalität gezeigt. Ich bin sehr glücklich über diesen Sieg." Max Kruse, Torschütze zum kuriosen 1:1, formulierte es deutlich: "Im Endeffekt ist es mir egal, wie wir hier gewonnen haben. Wichtig ist: Wir haben gewonnen." Der Sieg lässt Werder erst einmal durchatmen.

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           Sah an der Seitenlinie keinen guten Auftritt seiner Spieler: Florian Kohfeldt

Dank der gleichzeitigen 0:2-Niederlage des FSV Mainz 05 gegen Bayern München liegen die Bremer auf Platz 15, sind damit erstmalig in dieser Saison auf einem Nichtabstiegsplatz. Kohfeldt: "Klar ist es schöner, über dem Strich als darunter zu stehen, aber das ist ja nur aufgrund der Tordifferenz so." 20 Punkte würden ohnehin nicht zum Klassenerhalt reichen, weshalb der Tabellenplatz "keine allzu große Rolle" spiele. "Wir müssen wachsam bleiben und noch einige Punkte holen", so Kohfeldt.

​Für Eggestein sei es derweil "für die Psyche durchaus wichtig, über dem Strich zu stehen." Dennoch sei der Mannschaft bewusst, dass die aktuelle Lage noch immer prekär ist, und ein Vorrücken um einen Platz noch immer nicht die Zielvorgabe Klassenerhalt erfüllt. Nichtsdestotrotz ist man sich in Bremen einig: Die Leistung war vermutlich die schwächste der bisherigen Rückrunde - doch in Anbetracht des Sieges kümmert man sich im ersten Moment wenig darum. Entscheidend sind die Punkte, die Werder trotz ansehnlicher Leistungen zuletzt hat liegen lassen.

​Dass man jetzt nicht mehr auf dem Relegationsplatz steht, ist zwar nur eine Momentaufnahme, doch vielleicht der entscheidende Impuls, um sich nun Stück für Stück aus dem Tabellenkeller zu befreien. Die kommenden Gegner des SV Werder in der Bundesliga sind der VfL Wolfsburg, SC Freiburg und der Hamburger SV. Aufgrund der hohen Leistungsdichte der Bundesliga ist keines dieser Spiele eine einfache Aufgabe, doch der gestrige Sieg hat eines gezeigt: Auch, wenn man mal einen schwachen Tag erwischt, ist alles möglich.