Wer dachte, dass der BVB nach einer unter dem Strich indiskutablen Vorrunde im Januar zur großen Aufholjagd blasen würde, sah sich recht schnell getäuscht. Nach drei enttäuschenden Remis zum Auftakt ins Kalenderjahr 2018 stehen die Borussen mittlerweile mit dem Rücken zur Wand – und sind in Köln zum Siegen verdammt. 


Die ​Partie im Rhein-Energie-Stadion ist Chance wie Risiko zugleich. Es ist ein „Entweder-Oder“-Spiel, dazwischen wird es nicht viel geben. Entweder der BVB lässt weiter sämtliche Attribute vermissen, die die Mannschaft vor einigen Monaten noch auszeichnete, oder die Begegnung in der Domstadt wird als Startschuss für die große BVB-Trendwende genutzt.

Für beide Szenarien lassen sich triftige Indizien finden, um sowohl optimistisch als auch pessimistisch in den Freitagabend gehen zu können. Auf der einen Seite steht ein wiedererstarkter 1. FC Köln, der mit zehn Punkten aus den jüngsten vier Spielen getrost als Mannschaft der Stunde zu bezeichnen ist. Warum diese Mannschaft, die im Grunde nichts mehr zu verlieren hat, ihrerseits schwächeln sollte, bleibt fraglich.


Und auch die Serie und die letzten Eindrücke des BVB machen nicht wirklich Mut: Wer in zwei Heimspielen gegen Wolfsburg und Freiburg sowie der Begegnung bei der Berliner Hertha sieglos bleibt und dabei die Kreativität eines Fahrplans der Deutschen Bahn imitiert, der reist ganz sicher nicht mit einer breiten Brust nach Köln.

Doch es gibt auch Mutmacher: So schwer sich der BVB derzeit auch tut – gerade auswärts, wenn nicht jeder Rückpass mit einem Pfeifkonzert quittiert wird und sich tendenziell größere Räume als im Signal-Iduna-Park ergeben, kann die Stöger-Elf ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten besser abrufen. Kein Wunder, dass der BVB auf Rang 3 der Auswärtstabelle anzutreffen ist.


Und auch die endlich beendete Posse um Pierre-Emerick Aubameyang spielt dem BVB in die Karten. Während sich gegen Wolfsburg und die Hertha noch Alexander Isak und André Schürrle reichlich glücklos im Sturmzentrum versuchten, grenzte Aubameyangs Leistung gegen Freiburg an Leistungsverweigerung. Mit Michy Batshuayi haben die Dortmunder nun wieder hochmotivierte Qualität auf dieser elementaren Position.

Für Peter Stöger könnte sich zudem ein Kreis schließen – auch wenn dieser Punkt natürlich reichlich Fußball-Romatik beinhaltet. In der Vorrunde konnte er mit den Geißböcken nicht einen Dreier in der Bundesliga einfahren, entsprechend musste er seine Zelte in Köln abbrechen. Der Österreicher kennt seine ehemalige Mannschaft natürlich aus dem vielzitierten „Effeff“ – und wird die Borussen entsprechend einstellen.


Heute Abend heißt es „Alles oder Nichts“. Der BVB muss die so schwierige Saison endlich in die richtigen Bahnen lenken. Die Begegnungen werden nicht leichter und die Vorzeichen nicht besser. Will Dortmund in der neuen Saison in der Champions League vertreten sein, muss etwas passieren. Nicht übermorgen, nicht morgen – sondern heute.