Zurückblickend klingt es nach einer Tragikomödie, wenn man die Ereignisse aus dem Frühjahr 2009 betrachtet. Nach dem Scheitern in den Halbfinals des DFB-Pokals und des UEFA-Cups sowie dem verpatzten Meisterschaftsrennen erklärte man in Hamburg, man habe die Talsohle erreicht und befinde sich am sportlichen Tiefpunkt. Nun, knapp neun Jahre später, wünscht man sich jene Zeiten dringlicher denn je zurück. Stattdessen aber steht der HSV einmal mehr am Scheideweg.


Und ja, Tiefpunkte gab es in den vergangen Jahren so einige. Die zahlreichen Relegationsdramen, die jährlichen, fast zweistelligen Klatschen in München, die Rucksack-Affäre um Peter Knäbel oder die Transfer-Posse um Hakan Calhanoglu, um nur einige zu nennen.



Doch trotz allem Chaos in und um den Verein schafften es die Hansestädter noch immer, in den entscheidenden Momenten die Kräfte zu bündeln und den sprichwörtlichen „Karren aus dem Dreck zu ziehen.“ Und genau diese Einheit, diese vereinseigene Dynamik würde es heute mehr denn je benötigen, um die erneute sportliche Sisyphusaufgabe doch noch zu bewältigen.


Doch stattdessen stehen die Hamburger vor einer echten Zerreißprobe. Der an die ​Öffentlichkeit gelangte Putschversuch offenbart, wie groß die Differenzen innerhalb des Traditionsklubs inzwischen sind. Wo andernorts Aussprachen und offene Worte für Verbesserungen und eine „Jetzt erst Recht“-Mentalität sorgen können, herrscht nun ein Klima des Misstrauens.


Die Mitgliederversammlung am 18. Februar dürfte den Unterhaltungswert jedes RTL-Abendprogramms um Längen übertreffen. Wenn der ehemalige Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann an diesem Abend für die Position als ehrenamtlicher Präsident kandidiert, kann das für den HSV auch ein Schritt zurück in die Zukunft sein. Zurück in eine Zeit, in der Halbfinalpleiten in bedeutenden Pokalwettbewerben zu Tiefpunkten erklärt wurden.



Fernab dessen muss es der HSV schaffen, die vorhandenen Kräfte zu bündeln – auf allen Ebenen. Dem großen Ziel „Klassenerhalt“ muss alles untergeordnet werden, ausnahmslos. Der Patient HSV befindet sich inmitten einer schweren OP am offenen Herzen. Beginnt man nun noch parallel am Kopf des Klubs herumzudoktern, läuft man Gefahr jenes Ziel zu verpassen. Und spätestens dann ist der tiefste aller Tiefpunkte erreicht.