Erstaunliche Worte von Oliver Bierhoff. Der Manager des DFB-Teams hat eingeräumt, dass die Nachwuchsförderung in Deutschland "sehr systemverliebt" sei. In Zukunft müsse man wieder mehr auf die individuelle Ausbildung eingehen. Als lobendes Beispiel nannte er Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert.


Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ging beim Sportbusiness-Kongress Spobis in Düsseldorf kritisch auf die Nachwuchsförderung in Deutschland ein. Dabei stimmte er in manchen Aspekten dem ​Rundumschlag von Mehmet Scholl zu, der in einer Kolumne zuletzt die Ausbildung der Junioren-Kicker scharf angeprangert hatte.  

Man sei "in den vergangenen Jahren sehr systemverliebt“ gewesen befand Bierhoff, der beim DFB auch als Direktor für Fußballentwicklung für die Zukunftsausrichtung verantwortlich ist. "Im Zuge dessen haben wir ein wenig verpasst, die Individualtechnik einzubringen. Dies gelte sowohl für den Angriff als auch für die Defensive. Etwa bei der Frage: "Wie verteidige im Strafraum gegen den Mann?“. Die Position des Mittelstürmers sei ebenfalls ein gutes Beispiel - dort herrscht in Deutschland seit Jahren ein Mangel.


Zwar habe der deutsche Fußball seit 2000 "einen extremen Wandel von meinem Rumpelfußball zu technisch starkem Fußball“ vollzogen, man habe nun viele kleine, technisch starke Spieler. "Aber: Vielleicht sind wir zu sehr in die Richtung gegangen, technisch starke Spieler auszubilden, aber bestimmte Funktionen nicht erfüllen - auch wenn man von Verantwortung spricht“, befand Bierhoff. 


Schalke mit U19-Trainer Elgert als bestes Beispiel


Er appellierte "den Vorsprung, den wir uns durch gute Infrastruktur und Systeme erarbeitet haben" nicht aufzugeben, sondern den "nächsten Schritt" zu gehen. Als bestes Beispiel nannte der 49-Jährige ​Schalkes U19-Trainer Norbert Elgert: "Untersuchungen zeigen, dass der Erfolg an Schulen zum großen Teil vom Lehrer abhängt. Das sieht man auch in der Bundesliga, dass einzelne Personen, die ganz unterschiedlich sind, wie bei Schalke Norbert Elgert, immer wieder Leute hervorbringen, die in den Profibereich kommen.“

Der frühere Schalke-Stürmer Elgert arbeitet bereits seit 1996 als A-Jugend-Coach in der 'Knappenschmiede'. Dreimal konnte er mit der U19 den Meistertitel gewinnen, seine wichtigsten Erfolge sind aber die Ausbildung der Spieler. Immer wieder haben Talente wie Mesut Özil, Sead Kolasinac, Leroy Sané oder zuletzt Weston McKennie den Sprung zu den Profis geschafft. ​Alle nennen das 61-jährige Schalke-Urgestein dabei als wichtigen Förderer.


Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nannte Schalke mit dem "hervorragenden Coach" Elgert im Mai 2017 vor der Eröffnung des neuen Bayern-Campus als "Vorbild für uns". Es zeigt dessen Wertschätzung - und auch Oliver Bierhoff befindet: Mehr Elgerts braucht das Land.