​Nach der 0:2-Niederlage gegen den FC Schalke 04 haben sich die Verantwortlichen des VfB Stuttgart dafür entschieden, sich von Trainer Hannes Wolf zu trennen. Durch den Weggang des Aufstiegstrainers verlieren die Schwaben ein gutes Stück Identität. ​Heute wurde mit Tayfun Korkut bereits sein Nachfolger bekanntgegeben. Doch das Engagement des 43-Jährigen steht unter keinem guten Stern.


Unter Wolf gelang den Schwaben nach dem Abstieg in die Zweite Liga der sofortige Wiederaufstieg und der Gewinn der Zweitligameisterschaft. Den Anhängern des VfB wurde versprochen, dass man einen neuen Kurs einschlagen werde und unter dem ehrgeizigen, jungen Trainer eine Mannschaft formen würde, in der junge Talente zu Führungsspielern heranreifen können.

Bis zuletzt genoss der 36-Jährige bei seinen Spielern und in weiten Kreisen der Fanszene großes Vertrauen und man war bereit, mit dem ehemaligen Jugendtrainer von Borussia Dortmund durchs Feuer zu gehen. Insbesondere die jungen Spieler zeigten sich nach der Entlassung ihres Trainers geschockt und bedankten sich in den sozialen Netzwerken für die gute Zusammenarbeit - trotz anhaltender sportlicher Krise.


Mit Tayfun Korkut präsentierten die Verantwortlichen heute einen Trainer, der in der Bundesliga zuletzt keinen anhaltenden Erfolg vorzuweisen hat. Der Deutsch-Türke erhält einen Vertrag bis zum Sommer 2019. Bei seiner letzten Station in Leverkusen konnte der Fußballlehrer in der Saison 2016/17 als Interimstrainer in zwölf Partien mit der Werkself nur zwei Siege einfahren. Selbst in seiner besten Zeit bei Hannover 96 konnte er nur einen mäßigen Schnitt von 1,17 Punkten pro Spiel vorweisen.

Viele Experten hatten damit gerechnet, dass man nach dem jungen Hannes Wolf einen abstiegskampferprobten Routinier an den Neckar lotsen würde, der den Aufsteiger im weiteren Verlauf der Rückrunde in ruhigere Gefilde lotsen soll. Mit Korkut entschied man sich aber erneut für einen jungen Trainer mit nur wenig Renommee. Zwar ist Korkut gebürtiger Stuttgarter und trainierte 2011 bereits die U19 des VfB, ein klares taktisches Konzept war seinen Mannschaften jedoch nicht immer anzusehen und so glauben nur wenige daran, dass er insbesondere die lahmende Offensive des Aufsteigers wieder auf Trab bringen kann.


Mit der überraschenden Trainerentlassung zur Unzeit hat sich Sportvorstand Michael Reschke selbst in die Bredouille gebracht. Mitten in der Saison sind nur wenige aussichtsreiche Trainerkandidaten verfügbar. Korkut war seit seinem Engagement bei Bayer schon mehrfach bei anderen Vereinen im Gespräch gewesen, am Ende hatte er aber stets das Nachsehen. Den Schwaben wird es nur sehr schwer fallen, ihn als starken neuen Mann an der Seitenlinie zu präsentieren. Das Schicksal von Reschke ist somit an Korkut geknüpft. Scheitert der neue Trainer, dürften auch die Zeiten des Sportvorstand gezählt sein.

Selten zuvor waren sich die Fans eines Vereins bei der Vorstellung eines neuen Trainers so einig, dass es sich um die falsche Wahl handelt. ​Wirft man einen Blick in die Reaktionen der Anhänger, wird man von einer Welle von Unmutsäußerungen regelrecht erschlagen. Aufbruchstimmung kommt so keine auf und der gewünschte Effekt des Trainerwechsels könnte sofort verpuffen.


Schlimmer noch: Am Samstag müssen die Schwaben auswärts beim VfL Wolfsburg ran. Startet Korkut im Duell gegen den Abstieg mit einer Niederlage, könnte die Stimmung im 'Ländle' endgültig kippen. Bislang waren die Fans einer der größten Trümpfe der Stuttgarter und unterstützten ihre Mannschaft aufopferungsvoll. Die Entlassung von Wolf sorgte beim Aufsteiger somit keineswegs für Entspannung, vielmehr sind die Schwaben wie selten zuvor zum Siegen verdammt.