​Borussia Dortmund muss mit aller Wahrscheinlichkeit den Verlust des nächsten Top-Stars verkraften. Der BVB verkommt mehr und mehr zu einem Ausbildungsverein und schafft es auch nach Jahren regelmäßiger Europa-Teilnahme nicht, seine Leistungsträger zu halten. Dabei scheint es, als sei Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eher darauf bedacht, Spieler möglichst gewinnbringend zu verkaufen, statt diese zu halten und die sportliche Lücke zu schließen. 


Nuri Sahin, Shinji Kagawa, Mario Götze, Robert Lewandowski, Mats Hummels, Henrikh Mkhitaryan, Ilkay Gündogan, Ousmane Dembélé und ab dieser Woche wohl auch Pierre-Emerick Aubameyang. Der BVB verliert Jahr für Jahr (mittlerweile sogar halbjährlich) seine besten Spieler. Zwar kehrten Sahin, Kagawa und auch Götze wieder zurück, an das Niveau vor ihrem Abgang konnten sie aber nie wieder anknüpfen. 



Waren Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc bei den meisten dieser Abgänge noch die Hände gebunden (Götze wechselte per Ausstiegsklausel, Lewandowski ablösefrei) ist zu beobachten, dass dem Revierklub neuerdings auch Spieler abhanden kommen, die im Pott noch einen langfristigen Vertrag besitzen. 


So wechselte Ousmane Dembélé trotz eines Kontraktes bis 2021 zum FC Barcelona. Der Franzose wollte den Wechsel durch einen Streik erzwingen und war erfolgreich. Dem Vorbild seines Kumpels folgend, versuchte in diesem Winter auch Pierre-Emerick Aubameyang sein Glück, der ebenfalls noch bis 2021 an den Klub gebunden ist. Und auch der Gabuner wird gehen.



Was hat dieses Verhalten nun für Auswirkungen auf Talente wie Alexander Isak, Christian Pulisic oder Jadon Sancho? Die werden sich genau anschauen, wie man sich aus dem Verein ekeln kann. 



Statt auf den großen finanziellen Gewinn aus zu sein (145 Millionen für Dembélé, wohl 65 für Aubameyang) sollte man sich beim Revierklub als Ziel setzen, sportlich endlich wieder eine Rolle zu spielen. "Borussia Dortmund ist in Europa finanziell die Nummer elf und müsste eigentlich die zweite Kraft hinter Bayern München sein. Da muss es doch der Anspruch sein, diese Lücke zu schließen", betonte der ehemalige Nationalspieler und Borusse Steffen Freund im CHECK24 Doppelpass. "Wenn du immer nur deine besten Spieler verkaufst, siehst du die Bayern nicht mehr wieder."



Und die aktuelle Tabelle gibt dem heutigen TV-Experten recht. Der BVB ist auf dem besten Weg zum Mittelmaß, steht nach dem 20. Spieltag nur auf Rang 6 - mit Tendenz nach unten. Die Borussia setzt aktuell aufs falsche Konzept: altgediente Spieler werden um Biegen und Brechen aufgestellt (Sahin, Castro), Transferflops als solche nicht anerkannt und Jahr für Jahr mitgeschleppt (Schürrle, Rode) und jungen Spielern der Einstieg nach Dortmund somit erschwert (Dahoud, Isak, Sancho bis vor einigen Wochen).



Borussia Dortmund sollte nun alles dafür tun, die Spieler mit Verträgen auszustatten, die ihnen nicht beim nächstbesten Angebot aus dem Ausland einen Wechsel schmackhaft machen. Statt weiterhin Millionenbeträge in die Offensive zu investieren (mit Sergio Gomez kommt wohl ein weiteres Offensivtalent) bzw. Flops zu finanzieren, sollte der Fokus zukünftig auf die eigenen Spieler gelegt werden, damit diese bei dem Gedanken an Arsenal, Manchester, Barcelona etc. nicht gleich mit der Zunge schnalzen. 


Denn seien wir ehrlich - am Ende geht es doch sowieso nur um die Kohle. Wenn der BVB weiterhin nach jeder Saison seine besten Spieler abgibt, wird man auch in Jahrzehnten nicht imstande sein, sportlich aufzuschließen. Vielleicht mal kurzfristig für eine Saison, langfristig wird man aber stets der Verein sein, bei dem sich die Großen bedienen. Das sollte nicht im Interesse der Bosse sein.