​Nach fast zehn Jahren verlässt Neven Subotic Borussia Dortmund und schließt sich dem französischen Erstligisten AS Saint-Etienne an. Der Publikumsliebling spielt schon eine längere Zeit nur noch eine geringfügige Rolle in den sportlichen Planungen des jeweiligen BVB-Coaches und sieht nun nur noch durch einen Abgang die Möglichkeit, seiner Karriere noch einmal einen Aufschwung zu verpassen. Mit Subotic verliert der Revierklub eine seiner letzten Identifikationsfiguren. Droht der Klub nun die emotionale Bindung zu seinen Fans zu verlieren?


Auf den ersten Blick findet man schon eine gewisse Nachhaltigkeit im BVB-Personal. Mit Roman Weidenfeller, Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek, Nuri Sahin, Shinji Kagawa und Mario Götze stehen immerhin noch sechs Spieler beim Revierklub unter Vertrag, die 2011 die Meisterschaft mit den Schwarz-Gelben gewannen. Bis vor kurzem gab es mit Neven Subotic noch gar einen siebten. Doch der schein trügt. Nuri Sahin, Shinji Kagawa und Mario Götze haben den Klub zwischenzeitlich verlassen, da sie sich zu höherem berufen fühlten, bei ihrem neuen Arbeitgeber aber scheiterten. Das trübt natürlich die Bindung zu den Fans ein wenig.



Zudem wird Roman Weidenfeller im Sommer seine Karriere beenden und ist derzeit nur noch Back-Up für Roman Bürki. Wirklich treu blieben, neben Weidenfeller, also lediglich Marcel Schmelzer und Lukasz Piszczek. Der BVB verliert nach und nach seine Identifikationsfiguren.



Mats Hummels war so eine. Er war Führungsspieler, Kapitän und eines der Gesichter des sportlichen Aufstiegs. Abwehrchef, Nationalspieler, Weltmeister. Doch dann wechselte er im Sommer 2016 zu den Bayern. Ein absolutes No-Go für Borussen-Fans.


Jakub Blaszczykowski war so eine. Stets mit der richtigen Einstellung. Führungsspieler. Leistungsträger. Doch auch ihm wurde eines Tages die sportliche Tauglichkeit abgesprochen und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verramscht.



Pierre-Emerick Aubameyang war so eine. Paradiesvogel, Menschenfänger, Sympathieträger. Zudem der erfolgreichste Knipser der BVB-Vereinsgeschichte. Doch die letzten Ausuferungen sorgten dafür, dass Mitspieler und Anhängerschaft nur noch genervt vom Gabuner sind.



Im aktuellen Kader mangelt es den Borussen an echten Identifikationsfiguren. Klar da ist ein Marco Reus, der 2015 trotz zahlreicher Offerten seinen Vertrag langfristig verlängerte und zudem gebürtiger Dortmunder ist. Auch ein Julian Weigl könnte künftig eine solche Rolle einnehmen. Ein Marc Bartra hat es binnen eineinhalb Jahre geschafft, große Sympathien für sich zu gewinnen. Der Spanier engagierte sich, zeigte sich integrativ und wurde schnell zum waschechten Borussen. Doch auch der Abwehrspieler wird nun vom Hof gejagt und darf sich einen neuen Klub suchen.



Die Verantwortlichen von Borussia Dortmund müssen aufpassen, dass ihr eigens auserwählter Slogan "Echte Liebe" nicht zur Farce wird. Mit Spielern wie Ousmane Dembélé, Emre Mor oder wie sie alle heißen, kann man vielleicht kurzfristig die Gunst der Fans gewinnen, doch für langfristige und "echte" Liebe bedarf es Charaktere wie Neven Subotic oder Marc Bartra, eben jene, die aktuell für nicht gut genug befunden wurden.