Mit dem dritten Bundesligasieg in Folge hat sich der 1.FC Köln endgültig wieder im Abstiegskampf zurückgemeldet. Vor dem Abschluss des 19. Spieltages beträgt der Rückstand des Tabellen-Schlusslichts auf den Relegationsplatz lediglich vier Punkte, auf den Vorletzten aus Hamburg sind es nach dem gestrigen Erfolg (2:0) nur noch drei Zähler. Besonders die beiden Siege zum Rückrundenauftakt hängen mit einem Akteur zusammen, der erst vor wenigen Wochen wieder zurückgekehrt ist - Simon Terodde.

Köln lebt wieder, da ist sich die Presselandschaft einig. Der Sieg gegen den Hamburger SV, der ebenfalls tief im Tabellenkeller steckt und als letzte Konsequenz am heutigen Morgen Trainer Markus Gisdol von seinen Aufgaben entband, war nach dem ersten Saisonsieg am 17. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg der womöglich größte Erfolg der vergangenen Wochen. Geprägt wurde diese Partie von Angreifer Simon Terodde, der in der 27. und 67. Minute nach Vorarbeit von Yuya Osako und Milos Jojic beide Treffer erzielte.

Die Bild bezeichnete ihn nach dem Spiel als "das personifizierte Köln-Wunder", die Sportschau kürte den 29-Jährigen zum "Mann des Abends." Der Spiegel hingegen fasste Teroddes Rolle in Bezug auf das gestrige Top-Spiel simpel zusammen. Der 1. FC Köln habe das, was dem Hamburger SV aktuell fehle - "einen Stürmer, der Tore schießt." Dabei ist in der laufenden Saison keine der beiden Mannschaften für ihre Treffsicherheit bekannt, denn während der HSV bei 15 Toren steht, haben die Kölner aktuell 14 auf dem Konto und stellen damit, gemeinsam mit Werder Bremen, die schwächste Offensive dar.

Hamburger SV v 1. FC Koeln - Bundesliga

  Zweites Spiel, zweiter Sieg: Der 1.FC Köln feiert einen gelungenen Rückrundenauftakt

​Doch die Zahlen der vergangenen Partien sprechen eine eindeutige Sprache: Seit dem 14. Spieltag gelangen dem HSV lediglich drei Tore, dem 1.FC Köln hingegen zehn. Terodde erzielte drei der vier Rückrundentore und hat damit nicht nur mehr auf dem Konto  als in der Hinrunde, in der er noch für den VfB Stuttgart auflief, sondern hat auch genau so häufig eingenetzt wie die gesamte Kölner Mannschaft nach acht Spieltagen.

​Der zwei Millionen Euro teure Neuzugang aus Stuttgart ist jedoch um Bodenständigkeit bemüht: "Köln lebt wieder. Trotzdem haben wir erst zwölf Punkte. In der Winterpause haben wir 17 Endspiele ausgerufen.Jetzt haben wir zwei für uns entschieden. Wir können uns kurz freuen, aber am Dienstag geht es weiter", wird Terodde bei geissblog.koeln zitiert. Ein Erfolgsgeheimnis sei die Mentalität innerhalb der Mannschaft, die mittlerweile offenbar positiv gestimmt ist: "Vom ersten Tag an, als ich die Kabine kam, habe ich gemerkt, dass hier einfach eine positive Grundstimmung herrscht. Hier hat sich keiner auseinander dividiert. Das ist kein typischer Absteiger. Normalerweise denkst du, dass einiges zerrüttet ist. Aber das ist keineswegs der Fall."

Ein Blick in die Leistungsdaten zeigt: Terodde macht aus wenig viel

"Viele haben sich gefreut, dass ich zurückgekommen bin. Das schafft Vertrauen. Ich bin froh, dass ich das zurückzahlen kann", so Terodde, der bereits zum zweiten Mal in Folge der gefeierte Held der 'Geißböcke' ist. Doch wenn man die genauen Daten näher betrachtet, stellt man fest: Terodde ist kein Ausnahmekönner - sondern einfach nur ungemein effizient. Im Derby gegen Borussia Mönchengladbach verzeichnete der 29-Jährige einen Torschuss, mit dem er in der Nachspielzeit den viel umjubelten Siegtreffer zum 2:1 erzielte. In Hamburg durfte Terodde drei Mal auf das Tor von Julian Pollersbeck schießen, zwei Versuche davon landeten erneut im Tor. 

1. FC Koeln v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

           Simon Terodde haucht der Mannschaft mit seinen Toren neues Leben ein

Ballkontakte brauchte er ebenfalls wenige: Während er gegen Gladbach 31 Mal mit dem Spielgerät in Berührung kam, sammelte er gegen den HSV 43 Ballaktionen. Zudem ist er ein Arbeiter auf dem Platz, sammelt im Schnitt zwischen elf und zwölf Kilometer pro Spiel.​​ Wenn man einen Blick auf die Zahlen während seiner Zeit in Stuttgart wirft, wird man feststellen, dass die Leistungsdaten nur wenig abweichen. Doch in Köln scheint er seinen Torriecher wiedergefunden zu haben, der ihm in der Hinrunde noch abhanden gekommen war.

​In den vergangenen drei Spielzeiten der zweiten Liga, in denen Simon Terodde sowohl für den VfL Bochum als auch für den VfB Stuttgart aufgelaufen ist, schoss er 66 Tore, für die er im Schnitt zwischen 106 und 184 Minuten benötigte. ​Dass er in Köln wieder trifft, lässt Hoffnung aufkeimen. Noch vor der Saison kamen einige Zweifel darüber auf, ob der zweifache Torschützenkönig der zweiten Bundesliga auch im Oberhaus seine Effizienz zeigen könne. Zu Beginn mögen sich jene Zweifel bestätigt haben, doch wenn er den Anschluss hält und weiterhin sein Potenzial ausschöpft, hat der 1.FC Köln in Form von Simon Terodde in der Tat einen Typ Spieler, wie er während der gesamten Hinrunde nach dem Abgang von Anthony Modeste schmerzlich vermisst wurde: Ein Stürmer, der Tore schießt.