Der längerfristige Ausfall von Abwehrchef Karim Rekik tut der Hertha weh. In den kommenden, richtungsweisenden Wochen könnte er Trainer Pal Dardai aber auch einige knifflige Entscheidungen erleichtern. In der Defensiv-Zentrale ist der Konkurrenzkampf groß. Löst der Rekik-Ausfall damit vorerst ein Luxus-Problem?


Die nächsten Wochen könnten darüber entscheiden, in welche Richtung es für Hertha BSC in dieser Saison geht. Nach der 0:1-Niederlage zum Rückrundenauftakt in Stuttgart rangiert der Hauptstadtklub mit 24 Punkten auf Platz elf - vier Zähler hinter Borussia Mönchengladbach auf dem ersten internationalen Platz, acht vor Werder Bremen auf Relegationsrang 16.


Am Freitagabend geht es für das Team von Pal Dardai mit dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund weiter (20.30 Uhr). Mit dem BVB, in Bremen, gegen Hoffenheim und in Leverkusen sieht das Programm in den kommenden Wochen nicht einfach aus. Die Hertha sollte dennoch punkten, um den Anschluss ans obere Drittel zu wahren.


In der Innenverteidigung müssen die Berliner dabei auf Karim Rekik verzichten. Der Sommer-Neuzugang von Olympique Marseille hat sich in der Hinrunde zum Abwehrchef gemausert und verpasste in der Bundesliga bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung am 16. Spieltag gegen Hannover keine Minute. Ein Knochenmarksödem im starken linken Fuß hielt sich über die kurze Winter-Vorbereitung hartnäckig. ​Nun hat sich der 23-Jährige beim Aufbautraining eine Muskelverletzung zugezogen, wie die Hertha Anfang der Woche offiziell mitteilte. 

Schon am vergangenen Sonntag klang Pal Dardai nicht allzu optimistisch hinsichtlich einer schnellen Rückkehr des niederländischen Nationalspielers. "Wir haben mit Karim noch ein Problem. Ich kann nicht mit ihm planen. Und wenn es so lange dauert, fünf oder sechs Wochen, dann muss er erst mal wieder eine Vorbereitung machen, um reinzukommen“, so der Ungar gegenüber der ​BZ.


Von Abwehr-Not zum Luxusproblem?


Vor dem Start ins zweite Halbjahr der Saison befürchtete man in Berlin deshalb eine Abwehr-Not. Weil gegen Stuttgart auch Jordan Torunarigha eine Rotsperre absitzen musste und Dardai so nicht den gewünschten Linksfuß als linken Innenverteidiger aufbieten konnte. Doch die Befürchtungen waren unbegründet: Zum einen, weil das talentierte Eigengewächs gegen den BVB zurückkehren kann und somit ein Linksfuß zur Verfügung steht. Zum anderen, weil neben U21-Europameister Niklas Stark die beiden Routiniers Sebastian Langkamp und Fabian Lustenberger die Rekik-Lücke schließen können.

VfB Stuttgart v Hertha BSC - Bundesliga

Dem Innenverteidiger-Duo Niklas Stark (Mitte, im Zweikampf mit Mario Gomez) und Fabian Lustenberger (r.) attestierte Pal Dardai in Stuttgart eine gute Leistung.



In Stuttgart agierte die Hertha mit dem Duo Stark und Lustenberger. Beiden attestierte Dardai gute Leistungen, auch wenn Stark das Eigentor zum entscheidenden Gegentreffer erzielte. "Niklas hat gut gespielt. Nur diesen Zweikampf gegen Gomez hat er verloren", urteilte der Hertha-Coach. Lustenberger, der links in der Abwehr-Zentrale spielte, bekam ein Extra-Lob: "Auch Lusti wirkte frisch. Und dann ist er immer einer der besten von uns, weil er das Spiel lesen kann“, meinte Dardai zum gelernten Mittelfeldspieler.


So könnte der Ausfall von Rekik zunächst sogar zur freilich unwillkommenen Lösung eines Luxusproblems werden. Denn auch Sebastian Langkamp hat den Anspruch, ein Führungsspieler des Teams zu sein. So stehen Dardai vier fitte Innenverteidiger zur Verfügung, die alle ihre Qualitäten in der Bundesliga schon unter Beweis gestellt haben. Im zentralen Mittelfeld, wo Lustenberger und Stark ebenfalls schon ihre Klasse nachgewiesen haben, sind derzeit Supertalent Arne Maier und Dauerläufer Per Skjelbred gesetzt. Der tschechische Nationalspieler Vladimir Darida ist nach seiner langen Verletzungspause wieder fit, stand in Stuttgart zumindest im Aufgebot und drängt in die Startelf.


Im ausgeglichenen Kader der Hertha muss Dardai durch den längerfristigen Ausfall von Rekik somit eine knifflige Entscheidung weniger treffen. Der Konkurrenzkampf bleibt gerade in der Innenverteidigung und auf der 'Doppelsechs' dennoch spannend. Und auch wenn ein fitter Rekik sicherlich die erste Option wäre, tummelt sich bei der Hertha weiter viel Qualität in der Defensive.