Real Madrid ist der erfolgreichste Klub der Europapokal-Geschichte. Zwar konnten die Königlichen nie den Europapokal der Pokalsieger gewinnen (und das wird auf unabsehbare Zeit auch so bleiben), doch ihre Bilanz in den anderen beiden großen Wettbewerben ist dafür umso beeindruckender. Doch auch dieses stolze Flaggschiff des europäischen Fußballs hat in seiner langen Geschichte einige sehr schmerzhafte Niederlagen einstecken müssen. Wir stellen die elf berühmtesten davon vor.


1. 1961: Europapokal der Landesmeister, Achtelfinale

Bereits im Jahr zuvor hatten sich die beiden spanischen Schwergewichte Real und Barça auf europäischer Bühne miteinander gemessen. Mit dem besseren Ende für die Madrilenen.

Ein Jahr später kreuzten sich ihre Wege erneut - und diesmal behielten die Katalanen die Oberhand. Einem 2:2-Unentschieden im Bernabéu-Stadion folgte ein 2:1-Sieg der Hausherren im Rückspiel im Nou Camp. Am Ende kam der FC Barcelona auch ins Finale - unterlag dort aber Benfica.


2. 1962: Europapokal der Landesmeister, Finale

Das am 2. Mai 1962 im Amsterdamer Olympiastadion ausgetragene Finale zwischen Real Madrid und dem Titelverteidiger Benfica gilt bis heute als eines der besten Spiele der Europapokalhistorie. Dies dokumentiert schon die aberwitzige Torfolge: zwei frühe Treffer von Ferenc Puskas (in der 11. und 23. Spielminute) konterten die Adler durch ebenfalls zwei Tore (durch Aguas und Domiciano Cavém) binnen elf Minuten. Abermals Puskas stellte noch vor der Pause auf 3:2 für die Spanier.

Coluna glich fünf Minuten nach Wiederbeginn aus - ehe dann die große Stunde eines Wunderkinds schlug: der damals den meisten noch unbekannte legendäre Eusébio markierte innerhalb von drei Minuten (zwischen der 65. und der 68. Spielminute) die letztlich entscheidenden Treffer für Benfica. Wie ein Derwisch rannte der damals 20-jährige Stürmer über den Platz und war von seinen Teamkameraden kaum einzuholen.


3. 1965: Europapokal der Landesmeister, Viertelfinale

Drei Jahre nach der Finalniederlage von Amsterdam bot sich den Blancos die Möglichkeit zur Revanche. Doch wieder hatte der Schwarze Panther, wie der aus der früheren portugiesischen Kolonie Mozambique stammende Eusébio von der Presse ehrfürchtig getauft worden war, etwas dagegen.

Schon beim krachenden 5:1-Sieg im Hinspiel traf der Stürmer zweimal. Und sein 1:1-Ausgleichstreffer bei der 1:2-Niederlage von Benfica im Rückspiel zog den Madrilenen dann endgültig den Stecker.


4. 1980: Europapokal der Landesmeister, Halbfinale

35-jähriges Jubiläum des Europapokals der Landesmeister. Für diesen feierlichen Anlass hatte sich die UEFA etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Um den Klub zu ehren, der diesen Wettbewerb erst zu dem gemacht hatte, was er bis dahin geworden war, bestimmte man Madrid und das Real-eigene Estadio de Santiago Bernabéu zum Endspielort. Doch die Rechnung hatte die UEFA (und auch Real) ohne den Hamburger SV gemacht. Der wollte nach der bitteren Niederlage neunzehn Jahre zuvor gegen den FC Barcelona nun endlich auch den letzten Schritt machen - und erstmals in das Finale des Landesmeister-Cups einziehen.

Doch nach dem Hinspiel im mit über 100.000 Zuschauern bevölkerten Bernabéu-Stadion sah es überhaupt nicht danach aus. Zwei Treffer von Santillana bedeuteten eine 0:2-Niederlage. Eigentlich zu hoch, um noch eine Chance zu haben. Doch vierzehn Tage später erlebte das Volksparkstadion das vielleicht größte Spiel des HSV seiner gesamten Vereinsgeschichte. Zur Pause stand es bereits 4:1 (durch jeweils zwei Treffer von Manfred Kaltz und Horst Hrubesch). Caspar Memering setzte in der Schlussminute noch einen drauf - und die sonst so kühle Betonschüssel erbebte in ihren Grundfesten.

"So ein Tag, so wunderschön wie heute" hallte es durch die pickepackevolle Arena. Das Finale gegen Nottingham in Madrid verloren die Hamburger jedoch gegen Nottingham Forest (0:1).


5. 1982: UEFA-Pokal, Viertelfinale

Zwei Jahre nach der Schmach vom Volkspark mussten die Königlichen erneut in deutsche Lande reisen. Im Viertelfinale des UEFA-Cups war der 1. FC Kaiserslautern der Gegner. Und erneut fuhren sie mit einem 2-Tore-Polster in die Fremde. Nach dem 3:1-Sieg im Hinspiel fühlten sich die Spanier siegessicher. Aber sie kannten diese Atmosphäre am Betzenberg nicht. Eine Atmosphäre, die es selbst dem deutschen Branchenprimus FC Bayern über Jahre unmöglich machte, dort etwas zu holen.

Auch am Abend des 17. März 1982 ist die Stimmung giftig, aufgeheizt. 34.500 Zuschauer füllen die Arena bis auf den letzten Platz. Und sie kommen schnell zum Jubeln. Bereits nach 14 Minuten hat der FCK den Rückstand wettgemacht und führt durch einen Doppelpack von Friedhelm Funkel mit 2:0 (Hannes Bongartz und Andi Brehme hatten jeweils vorbereitet). Nach Wiederanpfiff brauchen die Roten Teufel sogar noch weniger Zeit. Bereits nach fünf Minuten klingelt es erneut im Real-Kasten. 3:0 durch Hannes Bongartz. Und nur sechs Minuten später stellt Norbert Eilenfeldt sogar auf 4:0. Den Spaniern entgleitet die Partie immer mehr - und auch ihr Nervenkostüm.

Bis zum Schlusspfiff stellt der Ungar Palotai drei (!) Spanier vom Platz. Auch auf der Bank gibt es Tumulte und Beinahe-Schlägereien. Rainer Geye besorgt in der 73. Minute den 5:0-Endstand. Völlig entnervte Spanier rasten danach komplett aus, es kommt zu Handgemengen zwischen Spielern und Betreuern. Sogar Fäuste fliegen. Und die hochbezahlten Real-Stars erneut durch deutsche Hand aus einem internationalen Wettbewerb.


6. 1983: Europapokal der Pokalsieger, Finale

Nach 1971 hat Real erneut ein Finale im Cupsieger-Pokal erreicht. Im Ullevi-Stadion zu Göteborg ist der schottische FC Aberdeen natürlich der krasse Außenseiter. Doch immerhin hatten die von einem gewissen Alex Ferguson trainierten Briten im Viertelfinale den FC Bayern aus dem Rennen geworfen. Nach zwei frühen Toren in der Anfangsphase (Erick Black zum 1:0 für Aberdeen in der 7. Minute und Juanito in der 15. zum Ausgleich) müssen die Zuschauer sich bis zur 22. Minute der Verlängerung gedulden, ehe John Hewitt zum sensationellen 2:1 für den Underdog einköpft. Die Vorlage kam übrigens vom späteren HSV-Stürmer Marc McGhee.


7. 1989: Europapokal der Landesmeister, Halbfinale

Das von vielen erträumte Finale findet im Frühjahr 1989 bereits eine Runde früher statt. Jeder in Europa weiß: der Sieger aus dieser Paarung würde am Ende auch den Titel holen. Real gegen Milan. Mehr geht fast nicht. Die von Arrigo Sacchi aus dem Dornröschenschlaf geweckten Rossoneri scheinen zu diesem Zeitpunkt das Maß aller Dinge in Europa zu sein. Mit dem holländischen Dreigestirn Frank Rijkaard, Ruud Gullit und Marco van Basten sind sie nahezu unbezwingbar. Das muss auch Real am eigenen Leibe erfahren - und müht sich im Hinspiel in Madrid zu einem schmeichelhaften 1:1. Van Basten hatte Hugo Sánchez Führungstreffer egalisiert.

Im Rückspiel in San Siro erlebt Real dann eine der schlimmsten Demütigungen in seiner Klub-Geschichte. Der kicker nannte Milan einen "Traum", die spanische Mundo Deportivo nannte Real Madrid einen "Hampelmann in Milans Händen". Ancelotti, Rijkaard, Gullit, van Basten und Donadoni stellen schon bis zur 59. Minute (!) auf 5:0 für die Hausherren - und lassen dann Gnade walten. Es hätte auch acht oder neun Tore für die Spanier geben können. Und die Italiener lassen auch im Finale keinen Zweifel mehr aufkommen - Steaua Bukarest wird im Nou Camp mit 4:0 (zweimal Gullit, zweimal van Basten) in seine Einzelteile zerlegt.


8. 1993: UEFA-Pokal, Viertelfinale

Im März 1993 bekam es Real mit dem aufstrebenden Neureichen-Klub von Paris St. Germain zu tun. Bei den Franzosen spielten Spieler vom Kaliber eines George Weah, David Ginola oder Valdo. Dennoch schien die Messe schon nach dem Hinspiel gelesen: Emilio Butragueño, Michel und Ivan Zamoran haben einen 3:1-Vorsprung rausgeschossen. Doch im Prinzenpark zu Paris, beim Rückspiel, steht es in der 91. Minute 3:0 für die Hausherren. Genannte Weah, Ginola und Valdo haben diesen Vorsprung herausgeschossen und die 46.000 im ausverkauften Stadion stimmen bereits die Siegesgesänge an.

Doch plötzlich markiert Zamorano das 3:1. Verlängerung? Ne, darauf hat Antoine Kombouaré an diesem Abend offenbar keine Lust - und markiert in der 3. Minute der Nachspielzeit, zwei Minuten nach Zamoranos Tor, doch noch das 4:1.


9. 1994: UEFA-Pokal, 3. Runde (Achtelfinale)

Vielleicht die Mutter aller peinlicher Niederlagen für Real Madrid. In der dritten Runde des UEFA-Cups haben sie es im November 1994 mit den dänischen Halbamateuren von Odense BK zu tun. Die wehren sich im Hinspiel in Dänemark zwar tapfer, unterliegen aber - erwartungsgemäß - mit 2:3. Michael Schjönberg, der später für den 1. FC Kaiserslautern seine Schuhe schnüren sollte, hatte die Hausherren in Führung gebracht. Doch durch Tore von Iván Zamorano, José Amavisca und Michael Laudrup (ein Däne!) kann Real mit einem Auswärtssieg im Gepäck zurück nach Madrid fahren. Das Weiterkommen war nur noch Formsache.

Lag es am halbvollen Stadion (50.000) oder an der zu großen Siegesgewissheit? Jedenfalls liefert Real zwei Wochen später eine erbärmliche Leistung ab. Auch das Pfeifkonzert zur Pause (es steht immer noch 0:0) scheint die Schützlinge von Jorge Valdano nicht richtig aufzuwecken. Und die Dänen wittern im zweiten Durchgang ihre Chance, denn Real wacht auch in den zweiten 45 Minuten nicht auf.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Ulrik Pedersen bringt den Außenseiter in der 72. Minute in Führung. Und in der Schlussminute setzt Morten Bisgaard noch einen drauf. Zum ersten Mal gelingt es einem dänischen Team, das große Real Madrid auszuschalten.


10. 2004: Champions League, Viertelfinale

AS Monaco ist der Gegner im März 2004. Eigentlich keine all zu große Hürde für die Königlichen, die sich anschicken, zum vierten Mal binnen sechs Jahren die begehrte Trophäe zu gewinnen. Und nach dem 4:2-Sieg im Hinspiel in der spanischen Hauptstadt (Tore von Helguera, Zidane, Figo und Ronaldo) scheint auch alles nach Plan zu laufen. Für die Franzosen hatten Squillacci und der Ex-Königliche Fernando Morientes getroffen. Doch vor allem das Tor des "Moro" sollte den Blancos noch zum Verhängnis werden.

Denn auch im Rückspiel trifft Morientes. Die Monegassen lassen sich auch vom frühen Rückstand durch Raúl nicht aus dem Konzept bringen und gewinnen am Ende mit 3:1. Ludovic Giuly, später beim FC Barcelona unterwegs, wird mit zwei Treffern - neben Morientes - zum Helden der Franzosen.


11. 2009: Champions League, Achtelfinale

Seit vier Jahren ist das große Real Madrid nunmehr nicht über das Achtelfinale hinausgekommen. Den drei Erfolgen zwischen 1998 und 2002 sind damit mehrere Enttäuschungen im jährlichen Rhythmus gefolgt. Im März 2009 soll sich das gegen den von Rafa Benítez trainierten FC Liverpool endlich ändern. Doch schon das Hinspiel im Bernabéu-Stadion geht mit 0:1 verloren. Benayoun hatte getroffen.

Aber im Rückspiel wird es richtig böse für die Königlichen. Eine völlig entfesselte Liverpooler Mannschaft überrennt die Spanier förmlich und fegt sie mit 4:0 (zweimal Gerrard, Torres und Dossena) aus der Anfield Road.