Die Werder-Profis befinden sich auch nach der Corona-Pause weiterhin auf Talfahrt. Aber warum ist das so und "woran hat's gelegen"? Genügend Zeit für die vollständige Beantwortung der Frage hat wohl niemand. Die Liste scheint endlos. 90min präsentiert Euch zehn Gründe für die Werder-Krise.



1. Das unendliche Formtief

Die Werder-Profis schauen in dieser Saison eigentlich ununterbrochen dumm aus der Wäsche

Eins vorab: Die beste Leistung im Klub rufen derzeit womöglich Zeugwart und Busfahrer ab. Auf dem Platz jedenfalls spielt einer schlechter als der andere.

Die beiden Führungsspieler und Mittelfeldmotoren Eggestein und Klaassen stecken deutlich hinter ihren Erwartungen, Osako ist ein Schatten seiner selbst und auch der Rest wirkt leblos, frustriert und völlig außer Form. Die Abwehr ist löchriger als jeder Schweizer Käse und das Offensivspiel ist an Harmlosigkeit nicht mehr zu überbieten.


2. Die Psyche

Bei Werder dominiert die Angst vor dem Versagen

Das Saisonziel war es, mit offensivem, attraktivem und mutigem Fußball nach Europa zu stürmen. Die bittere Realität sieht anders aus. Inzwischen glaube ich, dass sogar Oma Renate öfter das Tor trifft als die Jungs im grün-weißen Dress. Zumindest würde sie freier aufspielen.

Die Bremer Jungs hingegen müssen den Hebel im Kopf noch immer umlegen. Und das ist gar nicht so einfach. Die Psyche ist ein guter Freund des Abstiegsgespenstes. Um den Fluch zu besiegen, muss der Kopf aller Akteure frei werden. In Bremen scheint man aber auch nach der Pause noch immer gefesselt zu sein.


3. Dieter Bohlen

Der Pop-Titan als Unglücksbringer? Kurz vor der Saison traf Bohlen die Jungs im Bremer Parkhotel und schoss ein Foto mit Pizarro, Eggestein und Co. Danach startete die Horror-Saison. Es MUSS also eigentlich an ihm liegen, oder liebe Freunde des Aberglaubens?

Für Werder-Fan und Sänger Jan Delay ist Bohlen jedenfalls der Schuldige: "Wir hatten den besten Kader, wir waren super vorbereitet. Dann machen sie ein Foto mit Bohlen, und auf einmal sind acht Leute verletzt. Seitdem geht es bergab. Wir haben uns von Bohlen nicht mehr erholt und krebsen am Tabellenende rum."


4. Das Verletzungspech

Bei Werder jagt ein Wehwehchen das nächste

Ob es nun Dieter Bohlen oder doch eher der Platzwart, die Athletik-Trainer bzw. die medizinische Abteilung ist. Dass beim SVW jemand den Platz verletzungsbedingt verlässt, ist eigentlich so sicher wie das Amen in der Kirche.

Dass Werder-Coach Kohfeldt so nicht richtig planen kann, ist klar. Dass da etwas gehörig foul ist, aber auch!


5. Niclas Füllkrug

Werder hat sich bei Füllkrug verzockt

Die Überschrift bitte nicht falsch verstehen. Füllkrug selbst kann recht wenig dafür, dass er sich zum gefühlt 10.000 Mal verletzt. Werder aber hat sich beim Stürmer gehörig verzockt.

6,5 Millionen Euro und somit einen Großteil des Transferbudgets auf die Dienste eines verletzungsanfälligen Spielers zu setzen, ist ein zu hohes Risiko. Bevor sein Kreuzband riss, konnte 'Lücke' sein Potenzial bereits beweisen. Als Leader der Bremer Offensive und Kruse-Ersatz fehlt er den Bremern mit seiner Spritzigkeit und Torgefahr enorm.


6. Frank Baumann

Von Teamgeist ist in Baumanns Mannschaft derzeit keine Spure

Apropos verzockt: Die Transferpolitik von Werder-Manager Baumann ist zumindest teilweise äußerst fragwürdig. So stellten Füllkrug und der ebenfalls verletzungsanfällige Toprak - wenig verwunderlich - keine optimale Sofortlösung dar.

Und auch bei Kruse agierte der 44-Jährige zu fahrlässig. Hätte der Sportdirektor ein wenig mehr Geld in die Hand genommen, so wäre eine Vertragsverlängerung sicherlich nicht ausgeschlossen gewesen.

Viele Fans unterstellen Baumann auch, er halte zu lange an Trainer Kohfeldt fest.


7. Max Kruse

Kruse war der perfekte Werder-Kapitän

Kruse war kein 08/15-Werder-Spieler, sondern das Herzstück des Teams. Er hat dem Team seinen Stempel aufgedrückt. Ein Antreiber mit enormem Einfluss auf das Spielgeschehen. Ein genialer Kopf und mit Sicherheit eines Kapitäns mehr als würdig.

Der 32-Jährige gehört zu den wichtigsten Werder-Profis der vergangenen Jahre und fehlt dem Verein an allen Ecken und Kanten. Sein Fehlen bedingt die Bremer Talfahrt.


8. Florian Kohfeldt

Bezüglich Kohfeldts Werder-Zukunft scheiden sich die Geister

Von der Frage, ob Kohfeldt für Werder noch der Richtige sei, mal abgesehen, lassen sich auch beim Chefcoach einige Makel finden. Kohfeldt hat in dieser Saison sein goldenes Händchen bei Einwechslungen verloren. Zudem vertraut er trotz wiederholt schwacher Leistungen zu oft auf die gleichen Spieler und scheint seine Lieblinge innerhalb des Teams zu haben.

Das Nervigste ist aber seine ständige Schönrederei. "Wir waren 60 Minuten das bessere Team, haben aber im letzten Drittel die falschen Entscheidungen getroffen", ist ein Satz, den der Fußballlehrer schon einige Male aussprach. Da frag ich mich immer, ob wir überhaupt das gleiche Spiel gesehen haben?!


9. Wettbewerbsnachteil: Eintracht Frankfurt und DFL

Werder und die DFL werden in dieser Saison wohl keine Freunde mehr. Aber auch die Eintracht spielte den Bremern nicht in die Karten. Die Bundesliga-Begegnung wurde noch vor der Corona-Pause aufgrund von zeitlichen Engpässen auf Wunsch der Frankfurter verlegt.

Während der Corona-Pause behauptete die SGE dann plötzlich, künftige englische Wochen und nah aneinander liegende Spiele seien kein Problem.


10. Standard-Trainer

Werders Standard-Anfälligkeit lässt sich nicht in Worte fassen

Der größte Flop an der Weser ist und bleibt Werders Standard-Trainer. Denn kein anderer Keeper musste nach gegnerischen Standards so oft hinter sich greifen wie Werders Pavlenka.

Auch gegen Bayer Leverkusen kassierten die Bremer ein Gegentor nach einem vermeintlich einfach zu verteidigenden Freistoß aus dem Halbfeld.



Die Geisterspiele als endgültiger K.o.-Schlag


Die Ostkurve stärkten den Spielern in der Vergangenheit immer den Rücken

Dass Werder Abstiegskampf kann, bewies der Klub nicht zuletzt 2016, als man im Herzschlagfinale gegen Eintracht Frankfurt am 34. Spieltag dank des Treffers von Djilobodji die Relegation vermied und die Liga hielt.

Grund für den unermüdlichen Kampfgeist war einmal mehr der starke Rückhalt des grün-weißen Fanlagers. Aktionen wie #greenwhitewonderwall bleiben für immer im Kopf aller Beteiligten. Darauf können die Spieler in dieser äußerst prekären Situation aber nicht hoffen. Die Kurve bleibt gezwungenermaßen leer.

Werder ohne Fans und ohne Support auf den Rängen, ohne den krassen Zusammenhalt und der einmaligen Werder-Familie ist irgendwie nur so halb Werder. Die Geisterspiele bilden den krönenden Abschluss einer miserablen Saison und bedeuten womöglich den endgültigen Knockout des Klubs. Das Ticket für Liga zwei scheint gelöst!