Trotz zehn sieglosen Partien in Folge und einer 1:6-Blamage gegen Werder Bremen will der 1. FC Köln den Vertrag mit Markus Gisdol vorzeitig verlängern. Nach der Vertragsverlängerung mit Geschäftsführer Horst Heldt setzt der Klub das nächste richtige Zeichen. Es signalisiert, dass der 50-jährige Übungsleiter das Vertrauen genießt, und dass die FC-Bosse auf Kontinuität setzen. Der Corona-Re-Start täuscht darüber hinweg, dass der Weg mit Gisdol der richtige ist.


Als Nachfolger des entlassenen Achim Beierlorzer wurde Markus Gisdol Mitte November in Köln präsentiert. Nach 1899 Hoffenheim und dem Hamburger SV trat der ehemalige Mittelfeldspieler seine dritte Trainerstation in der Bundesliga an. Wirkliche Freude herrschte ob der Erinnerung an seine Zeit in Hamburg nicht, doch Gisdol hat die Kritiker eines Besseren belehrt.

Junge Spieler wie Noah Katterbach (19), Jan Thielmann (18), Ismail Jakobs (20), Tim Lemperle (18) und Robert Voloder (19) wurden in den Profi-Kader integriert, zudem stabilisierte Gisdol die unter Achim Beierlorzer so anfällige Defensive. Mit der 4-2-3-1-Formation etablierte er ein solides Grundgerüst, das ebenso soliden Fußball produzieren sollte. Im Hinrunden-Finale feierte der FC drei Siege in Folge, vor der Corona-Pause wurden fünf weitere Partien gewonnen. Nur gegen Borussia Dortmund (1:5), den FC Bayern (1:4) und Borussia Mönchengladbach (1:2) setzte es Niederlagen.


Markus Gisdol hat junge Spieler herangeführt und ein stabiles Gerüst aufgebaut. Diese Entwicklung soll und wird vorangetrieben werden.

Der Re-Start fand unter besonderen Umständen statt, ohne Fans blieb die Mannschaft sieglos. Der Trend zeigte plötzlich nach unten, in Gefahr ist der Klassenerhalt aber nie geraten - womöglich fehlte die Spannung innerhalb der Mannschaft. Daran wird Gisdol in der neuen Saison arbeiten müssen. Diese Negativserie allein an ihm auszumachen, wäre deshalb ein falscher Schluss; und eine Beurlaubung die falsche Entscheidung.


Kontinuität und Vertrauen: Ein wichtiges und richtiges Zeichen in Richtung Gisdol


Mit dem Klassenerhalt hat sich der Vertrag des 50-Jährigen automatisch bis 2021 verlängert, in den kommenden Tagen soll eine Verlängerung bis 2023 erfolgen. "Ich weiß, dass das nach einem Spiel wie in Bremen hinterfragt wird, aber wir sollten keine einzelnen Spiele beurteilen, sondern müssen zu einer Gesamtbetrachtung kommen. Und die zeigt, dass Gisdol und Heldt hier etwas geschafft haben und wir glauben, dass wir mit ihnen für die Zukunft die richtigen Leute haben", sagte Vize-Präsident Eckhard Sauren laut BILD.

Ein neuer Trainer würde wieder einmal Veränderungen in der Spielausrichtung und der Kaderplanung bedeuten. Jetzt alles über den Haufen zu werfen, ergibt keinen Sinn, wenn sich der Verein wieder in der Bundesliga etablieren will. Niemand erwartet, dass Heldt und Gisdol ein ähnliches Werk vollbringen wie Jörg Schmadtke und Peter Stöger. Doch wenn sie im Ansatz das erreichen, was das Erfolgsduo nach dem Wiederaufstieg 2014 geschafft hat, dürfen sie sich gegenseitig auf die Schulter klopfen. Ihnen die Chance zu geben, den FC nach ihren Vorstellungen weiterzuentwickeln, ist richtig und fair. Denn trotz aller Höhen und Tiefen geht die Tendenz eindeutig in die richtige Richtung.