Der FC Liverpool setzte sich am Montagabend relativ mühelos mit 3:1 gegen Arsenal durch. Zum Ende der abgelaufenen Saison zeigten die Gunners vielversprechende Ansätze, doch um mit den Spitzenmannschaften der Premier League mitzuhalten, müssen Mikel Arteta und die Seinen mutiger werden und das spielerische Repertoire erweitern.


Im zweiten aufeinanderfolgenden Spiel gegen eine Mannschaft aus den klassischen Big Six hatte der FC Liverpool erneut keine Probleme. Vor einer Woche setzte sich der amtierende Meister mit 2:0 beim FC Chelsea durch, am Montagabend folgte ein 3:1 über Arsenal, das noch vor einem Monat den Community Shield gegen die Reds gewann (6:5 n.E.).


Im Vergleich zu dieser Partie veränderten beide Trainer ihre Aufstellung nur auf wenigen Positionen. Auffallend bei Arsenals 3-4-3 war das identische Mittelfeld aus Hector Bellerin, Granit Xhaka, Mohamed Elneny und Ainsley Maitland-Niles, auch die Dreierkette um Rob Holding, David Luiz und Kieran Tierney war gleich. Dafür stand am Montag Bernd Leno anstelle des zu Aston Villa abgewanderten Emiliano Martinez zwischen den Pfosten, in vorderster Front gingen Willian und Alexandre Lacazette anstelle von Bukayo Saka und Eddie Nketiah auf Torejagd.

Auf Seiten des FC Liverpool nahm Jürgen Klopp lediglich zwei Veränderungen vor: Trent Alexander-Arnold begann anstelle von Neco Williams als Rechtsverteidiger, im Mittelfeld spielte Naby Keita statt James Milner als rechter Achter.


Arsenals Problem: Hohes Anlaufen, aber kein Druck


Gegen den Ball formierte sich Arsenal in einem 5-2-3. Durch die eingerückten Wingbacks sollte vermieden werden, dass Liverpools hohe Außenverteidiger gemeinsam mit den einrückenden Flügelspielern Zwei-gegen-eins-Situationen erzeugen. Dass das zentrale Mittelfeld nur von Xhaka und Elneny besetzt wurde, stellte sich zunächst nicht als Problem dar, da Lacazette als zentrales Glied des Dreier-Sturms den abkippenden Fabinho gedeckt hat.


Aufgrund der fehlenden Anspielstationen im Zentrum ließen Liverpools Innenverteidiger Virgil van Dijk und Joe Gomez den Ball im Zusammenspiel mit Torhüter Alisson und dem auf die Linksverteidiger-Position fallenden Georginio Wijnaldum relativ sicher laufen, bis van Dijk das Spiel mittels eines langen Balls auf die rechte Außenbahn verlagerte, wo sich Alexander-Arnold immer wieder freilaufen konnte.


Liverpools Schlüssel zum Sieg: Sobald Trent Alexander-Arnold angespielt wurde, nahm der Spielzug Tempo auf

Hier zeigte sich ein großes Problem der Gunners: In Spielen gegen die vermeintliche Konkurrenz agiert die Mannschaft von Mikel Arteta zu mutlos. Ja, Liverpool wurde hoch angelaufen und ballnahe Anspielstationen wurden zugestellt - aber keiner der Stürmer übte wirklich Druck auf van Dijk oder Gomez aus, niemand erzwang ein unsauberes Abspiel oder einen Fehlpass. Stattdessen durfte Liverpool den Ball in ungefährlichen Räumen zirkulieren lassen. Es wirkte, als hätte Arsenal Angst, überspielt zu werden, sobald die Mannschaftsteile weiter aufrücken und Druck ausüben.


Aggressivität? Fehlanzeige


Doch auch sobald der Ball in der eigenen Hälfte war, fehlte der Mut. Um den Strafraum herum wurde Liverpools ballführender Spieler gestellt, aber nicht attackiert. Besonders im zentralen Mittelfeld und auf den Halbpositionen fehlte es an körperlicher Präsenz und dem nötigen Einsatz. Und sobald Alexander-Arnold den Ball erhielt und einen Schnittstellenpass auf Keita spielen konnte, wurde es gefährlich. Im Verbund mit Mohamed Salah behielten die Reds auf der rechten Angriffsseite die Oberhand, ohne dabei besonders körperlich zu spielen. So konnten Salah und Mané Arsenals Abwehr beschäftigen, bis sich Alexander-Arnold erneut freilaufen konnte.


Kieran Tierney (l.) war nicht allein für Arsenals Niederlage verantwortlich, doch der 23-Jährige war im Duell mit Mohamed Salah eine Schwachstelle

Das Resultat war unter anderem das Führungstor zum 2:1 in der 34. Minute. In dieser Szene durfte Alexander-Arnold unbewacht eine scharfe Flanke in den Strafraum schlagen. Diese Hereingabe offenbarte einen weiteren Schwachpunkt: Arsenals Zuordnung und Raumaufteilung bei hohen Bällen stimmte nicht. So stiegen zwei Verteidiger gleichzeitig zum Kopfball hoch. Beide scheiterten jedoch mit ihrer Rettungsaktion - und der Ball landete beim eingerückten Andrew Robertson, der am langen Pfosten kläglich frei stand und den Ball nur noch einschieben musste. Bereits beim Ausgleichstreffer in der 28. Minute war Torschütze Sadio Mané völlig frei, nachdem Bernd Leno einen Abschluss von Salah pariert hatte.


Ideenloses und anfälliges Aufbauspiel


Auch mit dem Ball agierte Arsenal viel zu mutlos. Bei eigenem Abstoß ließ sich Elneny in den Strafraum fallen, an der Grundlinie waren zudem David Luiz und Rob Holding postiert. Der Verlauf war immer gleich: Leno spielte den Ball zu Elneny, der leitete ihn zurück zum Torwart, der wiederum Luiz anspielte, der seinerseits einen flachen, liniendurchbrechenden Pass ins Zentrum oder einen langen, hohen Ball in die Spitze schlagen wollte.


Aufgrund der zu geringen Abstände der im Strafraum positionierten Spieler konnte Liverpool jedoch sämtliche Passwege mit fünf Mann zustellen. Daraus resultierten etliche Fehlpässe und Ballverluste in der eigenen Hälfte - davon gab es allerdings auch abseits von Abstößen genügend.


Gunners-Coach Mikel Arteta ist gefordert, Lösungen zu finden

Arsenal fehlte ein probates Mittel, die Mannschaft traute sich kaum, das Liverpooler Pressing zu aktivieren und die daraus resultierenden Räume hinter der hohen Mittelfeld-Linie zu bespielen. Weder Xhaka noch Elneny haben sich zudem getraut, Risiko im Mittelfeld zu gehen, sei es durch Schnittstellenpässe oder Dribblings. Und keiner der drei Angreifer ließ sich so tief fallen, dass er hätte angespielt werden können, keiner bot Eins-gegen-eins-Situationen bei etwaigen hohen Bällen an.

Man erinnere daran, wie die TSG Hoffenheim am Sonntag das hohe Pressing des FC Bayern ausgehebelt und die beiden Stürmer Munas Dabbur und Andrej Kramaric durch gezielte Zuspiele stets in Kopfball- und Sprintduelle mit David Alaba und Jerome Boateng verwickelt hat. Ähnlich hätte Arsenal agieren können - doch Arteta hatte offenbar einen anderen Matchplan.


Arsenal hat einen weiten Weg vor sich


Schon beim 2:1-Erfolg über West Ham United am vergangenen Wochenende hatten sich die Gunners schwergetan. Die Wingbacks, die zentralen Mittelfeldspieler und die Angreifer besitzen allesamt viel Potenzial, bieten aber in einigen Spielen zu wenig an. Doch gerade gegen die direkte Konkurrenz muss Arsenal mutig auftreten und hungrig sein, wenn sie wieder zur Elite der Premier League dazugehören wollen. Es braucht den Mut, Druck auf die Gegenspieler auszuüben und sie in Zweikämpfe zu verwickeln, genauso braucht es auch den Mut, das Tor erzwingen zu wollen. Insgesamt spielte Arsenal jedoch zu harmlos. Das reicht nicht für einen Platz unter den Top-Vier.