Der FC Brentford ist tief mit dem dänischen Meister FC Midtjylland verwurzelt und handelt nach dem gleichen analytischen "Moneyball"-Prinzip, um erfolgreich zu sein. Am Dienstagabend steht Brentford im Finale um den Aufstieg in die Premier League.


Matthew Benham kennt sich mit Wahrscheinlichkeiten aus. Der Engländer ist mit Sportwetten reich geworden, indem er mit besonders ausgeklügelten Formeln die Zufälligkeit beim Wetten minimalisiert und so abkassiert hat. Schon 2009 begann er, in den FC Brentford, dessen Fan er ist, zu investieren, seit 2012 ist er der Besitzer des Londoner Klubs. Ein erster Erfolg war 2014 die Rückkehr in die zweite englische Liga nach über 20 Jahren, ansonsten blieb es aber erst einmal recht still um die Bees.


Matthew Benham ist seit 2012 Besitzer des FC Brentford, seit 2014 ist er außerdem Anteilseigner des FC Midtjylland

Denn im selben Jahr tat sich Benham mit dem Dänen Rasmus Ankersen zusammen und revolutionierte den dänischen Erstligisten FC Midtjylland. Mit einer besonderen Art des Scoutings und maximal detaillierter Datenanalyse begann Midtjylland fortan, Spieler für wenig Geld zu verpflichten, die Qualitäten hatten, die andere nicht sahen. Diese sollten dann gezielt eingesetzt werden, um zum Erfolg zu führen. Bekannt ist diese Art des Scoutings vor allem durch den Film "Moneyball" über die US-amerikanische Baseball-Mannschaft der Oakland Athletics.


Benham selbst mag den Vergleich aber nicht besonders. "Es ist sehr missverstanden", sagte er einmal dem Guardian. Es gehe nicht darum, irgendwelche alten Statistiken zu nutzen, sondern welche zu verwenden, "um zu sehen, welche Statistiken tatsächlich dazu beigetragen haben, Dinge vorherzusagen". In Dänemark funktioniert dieses Projekt bis heute herausragend: Der FC Midtjylland wurde seit 2015 drei Mal Meister, zuvor war es dem Klub kein einziges Mal gelungen.


Großes Transferplus und großer Erfolg


Auch beim FC Brentford ist der Erfolg mittlerweile angekommen. Seit 2015 haben die Bees durch Transfers ein Plus von weit mehr als 50 Millionen Euro verzeichnen können und trotzdem Jahr für Jahr eine stabile Saison in der oberen Tabellenhälfte gespielt. In der laufenden Saison kam dann der Durchbruch: Erstmals wurde viel Geld in die Hand genommen (34 Millionen Euro, dennoch ein Transferplus) und die Bees erreichten den dritten Platz und qualifizierten sich so für die Playoffs um den Aufstieg in die Premier League.


Die Stars der Mannschaft sind die Stürmer: Ollie Watkins, Said Benrahma und Bryan Mbeumo. Gemeinsam haben sie 57 Tore für Brentford erzielt, jeder hat seine individuell beste Saison gespielt. Mbeumo kam vor Jahresfrist aus der zweiten französischen Liga, in der er 2017/18 zwar zehn Mal traf, in der Vorsaison aber gerade einmal zwei Spiele machte. 15 Tore und acht Assists hat der 20-Jährige in dieser Spielzeit auf dem Konto. Dazu kommen (natürlich) insgesamt sieben dänische Spieler und ein dänischer Trainer, denn selbstredend ist der FC Brentford eng mit dem dänischen Markt verbunden.


Am Dienstagabend könnte der kleine Londoner Klub dann seinen größten Erfolg in der Vereinsgeschichte feiern, wenn es gegen den FC Fulham im Wembley um den Aufstieg in die Premier League geht. Bei einem Erfolg im "200-Millionen-Spiel" wären die Bees zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte im Oberhaus. Sollte Brentford es schaffen, ist mit ihnen in Zukunft definitiv zu rechnen; wenn dieses zusätzliche Geld weiterhin so clever eingesetzt wird, was dann wohl alles möglich ist? Matthew Benham weiß es sicher, denn er kennt sich ja mit Wahrscheinlichkeiten aus. Die Buchmacher jedenfalls sehen Brentford als Favorit in diesem Endspiel.