Hannover 96 gehörte nach der Corona-Pause zu den positiven Überraschungen. Die Niedersachsen bestätigten ihre gute Form und konnten einige Punkte sammeln, die fast noch zum Eingreifen in den Aufstiegskampf gereicht hätten. In der nächsten Saison soll der Aufstieg fest anvisiert werden. Mit Trainer Kenan Kocak ist bereits alles klar - nun soll dem Kader ein Feinschliff verpasst werden. Es deute vieles darauf hin, dass sich das Personalkarussell an der Leine sehr kräftig drehen wird.


Noch während der Hinrunde hing der Haussegen in der niedersächsischen Landeshauptstadt mächtig schief. Hannover 96 steuerte unaufhaltsam Richtung Abgrund. Die Träume vom direkten Wiederaufstieg wurden bereits früh zerschlagen. Mit Trainer Mirko Slomka sollte an alte, erfolgreiche Zeiten angeknüpft werden, die Realität sah jedoch anders aus.


Nun, am Ende der Saison steht 96 verhältnismäßig gut da, aber definitiv noch weit hinter den Ansprüchen zurück. Mit der Verpflichtung von Kenan Kocak begann der Aufschwung in Hannover. In 20 Spielen sammelte Kocak im Schnitt 1,55 Punkte pro Spiel - kein überragender, aber ein solider Wert, der mit einer Vertragsverlängerung bis 2023 belohnt wurde. Auch die Chemie in der Mannschaft wandelte sich ins Positive - vom Chaos der Hinrunde ist kaum noch etwas zu vernehmen.


Viele Spieler stehen vor dem Aus bei 96 - Verträge laufen aus


Am Ende der aktuellen Spielzeit laufen bei Hannover 96 insgesamt zehn Spielerverträge aus.
Bei den Leihspielern John Guidetti, Jannes Horn und Cedric Teuchert besitzt 96 zwar eine Kaufoption, es bleibt aber mehr als fraglich, ob diese bei einem dieser Akteure gezogen wird.


Neben Marc Stendera und Marco Stefandl werden voraussichtlich auch einige Außenverteidiger "die Roten" verlassen. Julian Korb, Miko Albornoz, Matthias Ostrzolek und Sebastian Jung stehen vor einer ungewissen Zukunft, die sich wahrscheinlich nicht in Hannover fortsetzt.


von der Kreisliga in die Bundesliga - Hendrik Weydandt

Sehr schmerzen könnt hingegen der Abgang von Hendrik Weydandt, der in Hannover ein wahres Märchen geschrieben hat. Vor ein paar Jahren war der Stürmer noch in der Kreisliga aktiv, bevor ihm bei 96 ein steiler Aufstieg gelang. Mittlerweile ist "Henne" eine Identifikationsfigur bei den Niedersachsen und auch seine Leistungen auf dem Platz passen ins Bild.


Weydandt hat Medienberichten zufolge das Interesse von einigen Bundesligisten geweckt. Bislang wurde der auslaufende Vertrag des 24-jährigen Angreifers nicht verlängert. Für Hannover wäre ein Abgang Weydandts ein sportlicher und vor allem menschlicher Verlust.


Hohe Einnahmen winken - knackt Maina den Rekord?


Neben ablösefreien Abgängen, die logischerweise kein Geld in die Kassen spülen würden, stehen einige Spieler auf den Wunschzetteln anderer Vereine. Der baldige Bundesligist VfB Stuttgart hat Waldemar Anton im Visier. Noch gelte ein Abgang Antons zwar als sehr unwahrscheinlich, da 96 den Defensiv-Allrounder unbedingt halten möchte - wie immer ist es jedoch wohl eine Frage des Geldes.


könnte den hannoveranischen Transferrekord knacken - Linton Maina

Ein anderer Spieler könnte jedoch einen Rekord brechen: Linton Maina hat das Interesse von Borussia Mönchengladbach geweckt. Die Fohlen seien momentan bereit, acht Millionen Euro für die Dienste des Flügelspielers zu bezahlen. Mit etwas Verhandlungsgeschick könnte sich Maina allerdings zum Rekordabgang von 96 mausern. Momentan trohnt Ihlas Bebou an der Spitze mit generierten Einnahmen von 8,5 Millionen Euro - gut möglich, dass sich Maina am jetzigen Hoffenheimer vorbeischiebt.


Für weiteres frisches Geld könnte Genki Haraguchi sorgen. Der Spielmacher könnte bei entsprechendem Angebot zu den Verkaufskandidaten gehören, so die BILD.


Im Falle eines Verkaufs von Maina soll nach BILD-Infos der Paderborner Christopher Antwi-Adjei die entstandene Lücke füllen. Der 26 Jahre alte Deutsch-Ghanaer besitzt aufgrund des Abstiegs des SCP eine Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro, die mit etwas Verhandlungsgeschick gedrückt werden könnte.


steht vor einer Rückkehr zum Jugendclub - Vlamir Sulejmani

Ein weiterer Zugang steht so gut wie fest: Vlamir Sulejmani kehrt nach Hannover zurück. Der Angreifer kam aus der Jugend von 96 und verließ den Verein im Jahr 2018 in Richtung Waldhof Mannheim. Dort entwickelte sich der 24-jährige Kosovare zu einem absoluten Leistungsträger mit 27 Tore aus 51 Einsätzen. Aufgrund mangelnder Einsatzzeiten (wegen Verletzungen) endet der Vertrag des Stürmers im Sommer - eine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte steht bevor.


Alle Spieler stehen auf dem Prüfstand - Zieler wackelt


Für das Trio Kocak-Zuber-Kind ist die Devise klar: Zur neuen Saison soll ein Kader bereitstehen, der im Aufstiegsrennen mühelos mithalten kann. Auch alteingesessene Spieler stehen auf dem Prüfstand. Nach diversen Medienberichten stehen Josip Elez, Marvin Bakalorz und Felipe aufgrund unzureichender Leistungen auf sehr dünnem Eis. Felipe, der bereits seit 2012 in Rot aufläuft, wurde regelmäßig durch schwere Verletzungen ausgebremst. Der mittlerweile 33-jährige Innenverteidiger besitzt zwar noch einen Vertrag bis 2021, weitere Einsätze für 96 kommen jedoch wahrscheinlich nicht hinzu.


Die Streichliste an der Leine erscheint sehr lang. Nach kritischer Analyse sei auch die Leistung von Torhüter Ron-Robert Zieler als nicht aufstiegstauglich deklariert worden. Der Weltmeister von 2014 hütete in der Vergangenheit nicht fehlerfrei das Tor seiner Mannschaft und kann nur noch selten sein außergewöhnliches Potenzial entfalten - die sportliche Führung sei sich einig, dass das Können Zielers nicht für einen Aufstieg reichen würde.


ist nicht mehr unumstritten - Ron-Robert Zieler

Der Sportbuzzer Hannover titelt, dass die 96er deshalb auf der Suche nach einer neuen Nummer 1 sind. Das Problem: Zieler gehört zu den bestbezahlten Spielern im Kader der Niedersachsen und hat noch drei Jahre Vertrag - einen Abnehmer zu finden könnte sich zur Mammutaufgabe entwickeln.
Als Ersatztorwart ist Zieler definitiv viel zu teuer.



Eins ist klar: Im Sommer geht es in Hannover rund. Martin Kind, Gerhard Zuber und Kenan Kocak wollen "die Roten" zu einer aufstiegsreifen Truppe umbauen. Ein radikaler Umbruch ist für dieses Vorhaben nahezu unvermeidbar. Aber: Für einen umfangreichen Umbau des Kaders ist Geld nötig. Geld, dass aus Transfererlösen generiert werden soll/muss.


Die sportliche Leitung ist auch mit Spielern nicht zufrieden, die noch Verträge haben. Alles kommt auf den Prüfstand, ergebnisoffen wirklich alles. Martin Kind, Neue Presse

Nach den unruhigen Phasen der jüngsten Vergangenheit, in der nicht nur der sportliche Erfolg ausblieb, sondern auch Spannungen zwischen Fanszene und Klubführung die Harmonie in Hannover beeinträchtigten, soll der Kurs in der kommenden Saison im Aufstieg münden.