Talente verpflichten, ausbilden, für große Summen verkaufen und sich so wirtschaftlich weiterzuentwickeln ist ein Modell, das viele Bundesligisten verfolgen. So auch 1899 Hoffenheim. Die Sinsheimer verzeichnen in diesem Sommer Rekord-Einnahmen im dreistelligen Millionenbereich, könnten dank Nadiem Amiri oder Andrej Kramaric noch mehr Geld einnehmen, müssen die sportlich schweren Verluste aber gleichzeitig kompensieren. Obwohl Manager Alexander Rosen gerade einmal zehn Millionen Euro in neues Spielermaterial investierte, sieht Innenverteidiger Florian Hübner die TSG gut aufgestellt.


Mit Kerem Demirbay, Nico Schulz und Joelinton verlor der Tabellenneunte der Saison gleich drei absolute Leistungsträger. Die Transfersummen in Höhe von 101,5 Millionen Euro sind eine durchaus ordentliche Entschädigung, doch das Trio zu ersetzen, stellt für Alfred Schreuder und Alexander Rosen eine große Herausforderung dar.

Joelinton,Mikael Ishak

  Der jüngste und teuerste Abgang: Für fixe 44 Millionen Euro wechselte Joelinton (l.) auf die Insel zu Newcastle United



Auf der Habenseite stehen Konstantinos Stafylidis, Ihlas Bebou, Philipp Pentke und Sargis Adamyan. Bezogen auf weitere Neuzugänge bleibt es ungewöhnlich ruhig, ein Grund dafür ist der 30 Mann große Kader. Allein mit mit Kevin Akpoguma, Justin Hoogma, Havard Nordtveidt, Steven Zuber, Vincenzo Grifo und Philipp Ochs sind sechs Leihspieler wieder zurückgekehrt. 

​Die Alarmglocken bleiben still. So sieht Innenverteidiger Benjamin Hübner den Klub und die Mannschaft auch aufgrund der Erfahrung aus den vergangenen Jahren, als mit Niklas Süle, Sebastian Rudy oder Sandro Wagner bereits wichtige Spieler gingen, gerüstet: "Ich mache mir keine Sorgen. Wir konnten das in der Vergangenheit gut auffangen und ich bin positiv, dass wir das in der Zukunft auch können", wird der 30-Jährige im kicker zitiert.


Hoffenheim "ein Verein, der Spieler weiterentwickeln muss"


Man habe "in der Vergangenheit oft Spieler günstig eingekauft", schließlich sei die TSG "ein Verein, der Spieler weiterentwickeln muss" - Worte, die auch Manager Rosen immer wieder wählt. Dieser erklärte gegenüber dem SWR nach dem Rekord-Transfer von Joelinton zu Newcastle United: "Dass wir uns langfristig über Transfer-Erfolge finanzieren, gehört zu unserer Philosophie. Das ist eine Vorgabe, seit ich hier arbeite." 

Alexander Rosen

 Alle Jahre wieder steht TSG-Manager Alexander Rosen vor der Aufgabe, die sportlichen Verluste zu kompensieren und den Klub wirtschaftlich weiter aufzubauen



Man habe sich trotz der Transfers "vieler großer Spieler"  weiterentwickelt, sodass der Klub in der "Nahrungskette", wie Alexander Rosen das Gefüge auf dem Transfermarkt bezeichnet, weiter nach oben klettert, um selbst in einigen Jahren tiefer in die Taschen greifen zu können. Als Vorbild dienen möglicherweise Klubs wie Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen verpflichteten vor einem Jahr Alassane Plea für satte 23 Millionen Euro, stellten mit Christoph Kramer (15 Mio. Euro) und Matthias Ginter (17 Mio. Euro) zuvor immer wieder eigene Transfer-Rekorde auf. Vor einigen Jahren waren solche Beträge ebenso undenkbar wie bei 1899 Hoffenheim, dessen teuerster Neuzugang Andrej Kramaric mit einer Ablösesumme von elf Millionen Euro war.