​Max Kruse und der ​FC Liverpool - das Transfergerücht war nach Aussage des Angreifers tatsächlich brandheiß. Reds-Coach Jürgen Klopp habe Kruse in einem persönlichen Telefongespräch von einem Wechsel an die Anfield Road überzeugen wollen. Schlussendlich entschied sich der Ex-Werderaner aber für Fenerbahce Istanbul.


In einem Interview mit beIN Sports erklärte der 31-jährige Ex-Nationalspieler, warum seinen ​Wechsel nach Istanbul als richtige Entscheidung ansieht. "Ich habe mich für Fenerbahce entschieden, da ich dabei das beste Gefühl hatte", so Kruse, der den türkischen Traditionsklub als "nächsten Karriereschritt" bezeichnete.


Nach seinem verkündeten Abschied aus Bremen schien es lange Zeit so, als habe sich der Routinier verpokert. International wolle er noch einmal spielen - und dabei kräftig abkassieren, hieß es. Der gewünschte Klub ließ dabei lange auf sich warten. An Offerten soll es aber nicht gemangelt haben: "Ich hatte viele Angebote, Liverpool war eins davon", bestätigte er im Gespräch.


Jürgen Klopp soll ihn dabei persönlich kontaktiert und eine Rolle als Backup hinter dem Sturmtrio Salah, Mané und Firmino schmackhaft gemacht haben wollen. Doch Kruse lehnte ab, will die erste Geige spielen. Bei Fenerbahce wird er das auch tun. Dem Vernehmen nach hat sich Kruse eine Stammplatzgarantie in den gut dotierten Dreijahresvertrag schreiben lassen. Auf europäischer Bühne kann er sich in der neuen Saison aber nicht präsentieren.


Warum sagte Kruse Liverpool ab?


Die Frage​, die man sich als Fußballfan stellt: Warum lehnt ein 31-Jähriger im Herbst seiner Karriere ein Angebot des amtierenden Champions-League-Siegers ab? In Liverpool hätte er wohl auch gut verdienen können, zumal er ablösefrei wechseln konnte. Ersatz für das Star-Trio? Schwamm drüber, würde unsereins vielleicht sagen. Die Chance auf Titel und die ganz große Bühne wären Reiz genug. Und beim vollgepackten Spielkalender der Reds würde doch sicherlich einiges an Spielzeit abfallen.


Nunja, wenn man es gut mit Kruse halten will, könnte man sagen, er verschreibt sich bei Fenerbahce einem Projekt, den Tradtionsklub wieder nach oben zu führen - und das als einer der Stars im Team.


Wenn man es nicht so gut mit ihm meint, könnte man aber auch sagen, Kruse wählt den einfachen Weg. Bei Fener dürfte es ein nettes Sümmchen als Handgeld gegeben haben, das Gehalt dürfte auch üppig ausfallen und Kruse ist in jedem Fall Stammspieler. Die türkische Liga ist dabei längst nicht so stark wie die ​Premier League. Kruse kann also auch im gehobenen Alter dort glänzen. Hohes Tempo hat ihn ja ohnehin noch nie ausgezeichnet.


Am Ende ist es dann doch irgendwie schade. Weil man das Gefühl haben kann: Liverpool und Kruse - das hätte gepasst. Als X-Faktor von der Bank oder um dem Sturm-Trio die nötigen Pausen zu geben, hätte der 31-Jährige eine entscheidende Rolle spielen können und den Reds mit seiner Art und Weise eine neue Dimension ins Spiel gebracht.


Nun kickt er eben in der Türkei - ohne die Liga dort herabwürdigen zu wollen - fernab vom ganz großen Fußball-Rampenlicht.