Bereits mehrfach wurde bei ​Borussia Mönchengladbach in der jüngeren Vergangenheit erwähnt, dass der Kader womöglich zu brav sei, um höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Eine These, die Gladbachs Mittelfeldspieler Jonas Hofmann nun in einem Interview mit dem kicker unterstützt. Bei der Kritik bezieht er sich allerdings selbst mit ein.


In den letzten Jahren konnte man immer wieder lesen, dass es Borussia Mönchengladbach an Mentalitätsspielern mangele. Zu brav sei die Mannschaft in den entscheidenden Phase, gerne wird auch das Wort "Wohlfühloase" in diesem Zusammenhang bemüht. Auch vor einigen Wochen nach der abgelaufenen Saison war davon erneut die Rede, befeuert durch den Einbruch gegen Saisonende und als Typen gefragt waren, die sich gegen den Sturz aus den Rängen der ​Champions League stemmen sollten.


Zu viele brave Spieler bei der Borussia


Während von den Verantwortlichen immer wieder beteuert wird und wurde, dass dies nicht der Fall wäre und auch einige Spieler der Führungsetage in dieser Sache zustimmten, schlägt Jonas Hofmann im Interview mit dem Fachmagazin kicker andere Töne an. "Ich bin manchmal ein wenig zu brav. Das würde ich gerne ablegen", berichtet der Mittelfeldmann selbstkritisch. "Vor allem auf dem Platz. Das ist doch häufiger mal das Thema bei uns: Dass unsere Mannschaft aus ziemlich vielen braven Spielern besteht, und es deshalb ganz gut wäre, wenn wir auch ein, zwei andere Typen auf dem Rasen hätten."


Auf der anderen Seite aber lobt Hofmann den Teamgeist im Verein. "Unser Teamgeist bei Borussia ist außergewöhnlich. Wir verstehen uns untereinander alle sehr gut. In meinen Augen ist das ebenfalls eine wichtige Komponente, wenn man erfolgreich sein will." Zwar stehen sich die Mentalität und der Teamgeist nicht diametral gegenüber, doch es entsteht der Eindruck, dass es das Eine nur ohne das Andere geben kann.

Christoph Kramer,Jonas Hofmann

Während Jonas Hofmann (r.) mehr Mentalität einfordert, hält Christoph Kramer (l.) diese für überbewertet



Eine andere Sichtweise hingegen hatte Christoph Kramer vor zwei Wochen. Dort erklärte er zum Thema Mentalität: "Suchen wir nach Erklärungen für irgendwelche Ergebnisse, landen wir am Ende regelmäßig beim Stichwort Mentalität. Da wird so viel Quatsch hineininterpretiert, dass ich nur den Kopf schütteln kann." Die Wahrheit dürfte am Ende in der Mitte liegen. Es täte der Mannschaft sicher nicht schlecht, mal etwas mehr Galligkeit an den Tag zu legen.


Andererseits ist es natürlich schon schön aus Fansicht, wenn man sieht, wie die gesamte Mannschaft an einem Strang zieht, sich untereinander ohne Streitigkeiten blendend versteht und zu einer verschworenen Einheit zusammenwächst. Dann braucht es aber immer noch Persönlichkeiten, die auch in schlechten Phasen den Finger in die Wunde legen und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, Problemfelder und Verbesserungen offen ansprechen. Ob sich unter Marco Rose in dieser Hinsicht etwas bewegt, wird sich bald zeigen.