Laut einem Wettanbieter ist David Wagner der erste Kandidat auf eine frühe Entlassung in der kommenden Saison. Der Schleudersitz der Trainerpositionen machte sich zwar über die vielen letzten Jahre auf Schalke einen Namen, doch mit Wagner dürften sich die Wett-Experten geirrt haben. Ich rate: Setzt euer Geld nicht auf seine Entlassung.


Mit einer neuen Saison kommen auch immer neue Möglichkeiten zum Wetten. So gibt es auch dieses Mal wieder Quoten, um auf die erste Trainerentlassung in der Bundesliga-Saison 2019/2020 zu tippen. 


Mit einer 5,0-Quote steht der neue Coach von ​Schalke 04, David Wagner, ganz oben, sogar noch vor den Aufstiegstrainern Steffen Baumgart (​SC Paderborn) und Urs Fischer (​Union Berlin).

Um einen finanziellen Tipp geben zu können: Das Geld für eine Wagner-Entlassung als erste der kommenden Saison, wäre mir wirklich zu schade. Denn: Wagner ist Teil eines neuen, übergeordneten Konzepts auf Schalke, welches den Klub sowohl möglichst schnell und kurzfristig, aber auch langfristig im Profil schärfen und erfolgreich machen soll. Man plant mit ihm, einen ganz neuen Weg zu gehen, und der sollte nicht an der ersten Kreuzung enden.


Neue Philosophie für S04: Offensiv, mutig und mit Leidenschaft und Zusammenhalt


Um über den möglichen Schleudersitz zu sprechen, auf dem Wagner sitzen könnte, muss man ein paar Monate vorher beginnen. Als Jochen Schneider als Nachfolger von Christian Heidel den Posten des Sportvorstands im März übernahm, hatte er bereits einen klaren Plan. Klare Strukturen und Pläne brauche der Club, um überhaupt erfolgreich sein zu können. In anderen Worten: Eine neue Philosophie musste her.


Eine "neue" Philosophie ist dabei eigentlich schon falsch. Gab es vorher eine? Falls ja, hat man von den dazugehörigen Strukturen und genauen Plänen zumindest als Außenstehender nichts gemerkt. Der Plan von Schneider sieht es vor, sowohl auf dem Platz, als auch daneben einen neuen Stil zu prägen. Vor allem der Spielstil soll zum Verein passen: Offensiver Fußball mit viel Intensität und Leidenschaft, frühe Balleroberungen und viele Tore. Das ist das Ziel. Als passenden Trainer hat man sich auf David Wagner geeinigt. Er steht für diese Art Fußball, ist ein emotionaler Mensch, der andere "mitnehmen" kann und hat dazu bereits Erfahrung im Umgang mit Schalke gesammelt. 1997 war er Teil der Eurofighter von S04, er kennt den Verein.


"Was ist in diesem Verein über Jahrzehnte konstant herausragend? Die Nordkurve. Und die Kurve gibt vor, wie wir spielen: Mit Leidenschaft, Energie und Zusammenhalt." Das hatte Wagner gegenüber der WAZ gesagt. Auch er verkörpert den Plan, den die Führungsetage umsetzen möchte. In der bisherigen Vorbereitung hat man bereits einige Aspekte dessen (vor allem das frühe Pressing) sehen können, in anderen Bereichen gibt es noch viel Arbeit. 

Christoph Buehler,Matthias Kreutzer,David Wagner,Frabnk Froehling

Wagner im Gespräch mit seinen Co-Trainern - es kommt viel Arbeit auf das Team ums Team zu



Ohne Frage ist auch ein David Wagner an Resultate gebunden. Das gibt nun mal die Selbstverständlichkeit des modernen Fußballgeschäfts her. Auch er wird an Ergebnissen, Punkten und (Miss-)Erfolgen gemessen. Dennoch ist es wichtig anzumerken, dass man auf Schalke (erneut) etwas aufbauen will​. Dieses Mal soll es Hand und Fuß haben, nicht nur ein neuer Trainer. Ganze Strukturen werden umgebaut oder erst erschaffen (bspw. ein Psychologe und ein Betreuer), das Scouting modernisiert und aufgrund fast altertümlicher Standards bei S04 schon fast revolutionär verändert. Ob diese Konzepte in den kommenden Jahren Früchte tragen werden, ist natürlich eine andere Sache, aber Wagner ist fester Bestandteil dieses Plans und man wird alles dafür tun, ihm die notwendige Zeit und Ruhe zu geben, um seine Ideen auf den Platz zu bekommen. 


Am Anfang einer neuen Reise: Alle Verantwortlichen brauchen Zeit - auch Wagner


Diese Zeit wird er auch brauchen. Vom Fußball der letzten Jahre hin zum offensiven Pressing mit frühen Balleroberung, wie man es plant, sind es gefühlt Lichtjahre. Für einen Trainer also alles andere als leicht, das schnell umzusetzen. In der ersten Saison wird man auf diesen Ansätzen aufbauen müssen und anfangen, diesen Fußball und diese Philosophie zu etablieren.


Stichwort "anfangen": Sollte Wagner total abschmieren, und S04 schnell wieder in den Abstiegskampf geraten, wird es auch für ihn schwer, Argumente für eine weitere Zusammenarbeit zu sammeln. Doch allen Verantwortlichen ist bewusst, dass man in der kommenden Saison keine Wunder erwarten darf. ​Eine Qualifikation für den europäischen Wettbewerb wäre bereits mehr als man erwarten darf - eben weil man etwas aufbauen möchte, um langfristig Erfolg zu haben. 


So wird Wagner unter Sportvorstand Schneider in seiner ersten Saison keinen Schleudersitz unter sich finden, sondern sogar eher einen möglichst bequemen Stuhl, auf dem sich gut arbeiten lässt und der nicht direkt anfängt zu wackeln, wenn es Rückschläge gibt. Und dieser feste Stuhl wird auch nötig sein, denn es gibt nach den letzten Jahren viel zu tun, vor allem für den Trainer auf dem Platz. 


Also: Geld sparen, und lieber ein kühles Eis essen gehen. Das wird vermutlich mehr Sinn ergeben, als auf den Wagner-Rausschmiss zu setzen.