Im fünften Testspiel der bisherigen Saisonvorbereitung des ​FC Schalke trennten sich die Königsblauen und die Freunde von Twente Enschede mit einem 1:1. Beide Tore fielen in der zweiten Halbzeit, doch besonders die erste Hälfte machte - auf beiden Seiten - Lust auf mehr. Rabbi Matondo verletzte sich am Fuß und wird wohl einige Tage fehlen.


Im fünften von aktuell acht angesetzten Test- bzw. Freundschaftsspielen​ trafen die Schalker auf den befreundeten Club des FC Twente Enschede. Vor rund 19.000 Zuschauern (davon knapp 2.500 S04-Fans) erzielten beide Teams je ein Tor, beide in der zweiten Halbzeit. 

Youngster Rabbi Matondo bekam einen Schlag auf den Spann, die Wunde musste im Anschluss genäht werden, wie S04 bekannt gab. Der Außenstürmer wird einige Tage ausfallen, sollte aber zum Trainingslager (ab Freitag) wieder fit sein.

Erste Halbzeit beginnt temporeich - gute Akzente gesetzt


Die erste Halbzeit begann aus Sicht der Schalker wieder mutig, offensiv und vor allem im Pressing. Wie bereits im letzten ​Spiel gegen Norwich City konnte man beim Aspekt des Pressings gut erkennen, wie David Wagner die frühen Balleroberungen plant. Häufig konnte man den Gegner schon früh in der gegnerischen Hälfte unter Druck setzen und Ballgewinne verzeichnen. Ebenfalls häufig gelang es der Mannschaft aus Enschede jedoch durch kurze Unaufmerksamkeiten oder direkt fehlendes Nachziehen des S04-Pressings das Mittelfeld zu überspielen und in aussichtsreiche Kontersituationen zu gelangen. Diese blieben jedoch weitestgehend ungefährlich. 


Auch im Aufbauspiel aus der Verteidigung heraus war schnell sichtbar, wie Wagner auch diesen Bereich verändert. Die beiden Außenverteidiger stehen fast auf Höhe der offensiven Dreierreihe, während sich ein Spieler der Doppelsechs neben die beiden Innenverteidiger fallen lässt, um so eine Dreierkette für den Aufbau zu bilden. Als Resultat dessen fehlte es ab und zu an Anspielstationen im Zentrum, weil die hohen Außenverteidiger nicht optimal anspielbar waren. Auch hier gibt es natürlich noch Arbeit. 

Jesse Bosch,Amine Harit

Auch Amine Harit trat erneut sehr motiviert auf - scheint, als würde er seine zweite Chance nutzen wollen


Das größte Manko war jedoch erneut, und wie bereits in der letzten Saison auch, dass es kaum große Torchancen gab. Eine handvoll Schüsse aus der zweiten Reihe, die maximal eine Ecke nach sich zogen, und ein halber Torschuss von Amine Harit auf den Torwart im Sechzehner - gefährlichere Szenen konnten sich die Knappen auch gegen Enschede in der ersten Halbzeit nicht erspielen. Auch wenn die Offensive mit den jungen Spielern Matondo, Kutucu und Harit neben Neuzugang Raman für deutlich mehr Tempo sorgt, auch beim Umschalten, fehlen weiterhin die klaren Gelegenheiten, um die nötigen Tore zu erzielen. Zu häufig scheiterte es am berühmten letzten Pass oder einer Fußlänge, sodass die Verteidigung von Twente noch rechtzeitig zur Stelle war. Das sollte und wird einer der wichtigsten Aspekte sein, die Wagner noch bis zum Pflichtspielstart am 10. August im DFB-Pokal gegen den SV Drochtersen/Assel angehen muss. 


Besonders Matondo - der nicht nur gewohnt temporeich agierte, sondern auch deutlich öfter in (erfolgreiche) Zweikämpfe verwickelt war - Mascarell, Harit und Raman wussten in der ersten Hälfte ihre Akzente zu setzen. Bei Raman gab es eine klare Steigerung zu den vorangegangenen Testspielen, sodass er durch gute Laufwege und Balleroberungen auffiel, jedoch auch zu oft am letzten Pass scheiterte. 


In den ersten 10-15 Minuten der zweiten Halbzeit wurde in den Reihen von S04 häufig gewechselt. So gingen beispielsweise Kutucu, Matondo, Mascarell und Mercan und Burgstaller, Ceka, Serdar und Can kamen u. a. in die Partie. Die Offensive stotterte noch weiter, wenig Kreativität und Tempo zeigte sich in der Folge. Besonders Burgstaller machte über weite Strecken einen weniger aktiven Eindruck als zuvor noch Ahmed Kutucu. Bis zur 79. Minute passierte ziemlich wenig, bis S04 in Rückstand geriet. Neuzugang Schubert musste hinter sich greifen, nachdem der eingewechselte Alexander Laukart überraschend aus spitzem Winkel vollenden konnte. Der Gegentreffer schien die Schalker noch einmal wachgerüttelt zu haben, als sich U23-Spieler Berkan Firat im Zusammenspiel mit Guido Burgstaller im Sechzehner durchspielen konnte und den Ball zum 1:1 Ausgleich einschob. 

In den letzten fünf Minuten des Spiels kam es dann noch zu einigen besseren Chancen, als Firat beinahe auf 1:2 erhöhen konnte oder auch Suat Serdars Schuss noch durch einen Enschede-Verteidiger abgeblockt werden konnte. 


Am Herausspielen von Torchancen arbeiten und das kommende Trainingslager nutzen


Alles in allem war es in der zweiten Hälfte ein erneut zähes Spiel mit weniger Bewegung, Pressing und Chancen, während man in den ersten 45 Minuten starke Ansätze des neuen Pressing-Stils und gute Umschaltbewegungen beobachten konnte. Der große Schwachpunkt ist neben den weiterhin häufig auftretenden Ballverlusten im Aufbau (die aufgrund von hochstehender Verteidigung gefährlich werden) die ausbleibende Gefahr vor dem gegnerischen Tor. Mit den "jungen Wilden" wird zwar deutlich mehr Wille und Tempo gezeigt, doch das finale Herausspielen der "Einhundert-Prozentigen" scheiterte erneut - daran muss dringend gearbeitet werden.


Dass es über die gesamte Distanz ab und zu eher "müde" wirkte, ist bei rund 30 Grad Temperatur und vielen Einheiten in den letzten Tagen (so auch noch heute Vormittag vor dem Spiel) nicht überraschend. Am Freitag geht es für Schalke ins Trainingslager nach Mittersill und der nächste Test findet am Montag statt. Dann trifft man auf den italienischen Erstligisten FC Bologna.