​Am vergangenen Freitag erklärte Fernando Torres in Japan sein Karriereende​. Der inzwischen 35-Jährige wird in diesem Sommer seine Schuhe an den Nagel hängen und in seinen verdienten Ruhestand wechseln. Der Fußball verliert mit Torres einen wahren Fußballhelden. Seine Spielart und seine Person werden dem heutigen Fußball fehlen.


Die Erfolgsvita des Spaniers kann sich sehen lassen: Weltmeister 2010, Europameister 2008 und 2012, Champions League Sieger 2012, Europa League Sieger 2013 und 2018. Fernando Torres darf sich wohl als einer der besten Stürmer der letzten 15 Jahre nennen lassen. Besonders in seiner Liverpooler Zeit 2007 bis 2011 galt Torres als absoluter Weltklasse-Stürmer. In seiner Karriere streifte Torres für Atlético Madrid, den FC Liverpool, den FC Chelsea, AC Mailand und Sagan Tosu das Trikot über und kommt in 571 Ligaspielen auf 198 Tore.


Doch nicht nur durch seine sportliche Klasse zeichnete sich Torres aus. Der Spieler gilt menschlich als Vorbild für Kinder wie auch (ehemalige) Jugendspieler. Torres' ehemaliger Atlético-Mitspieler Koké etwa ist ein absoluter Verehrer des 110-maligen Nationalspielers und sieht "El Niño" als sein sportliches Idol an. Dies gilt auch für Teamkollege Saúl.



In Spanien ist Torres jetzt schon eine Legende, nicht nur wegen seines Finaltores zum 1:0-Sieg gegen Deutschland bei der EM 2008. Auf den Bolzplätzen der spanischen Städte ist der Name Torres allgegenwärtig und wird mit Stolz getragen. Der Stürmer war eines der Aushängeschilder der goldenen Generation Spaniens, die zwischen 2008 und 2012 den internationalen Fußball dominierte.


Doch auch wegen seiner Treue und Vereinsliebe bleibt Torres im Gedächtnis. Seine Liebe zu seinem Heimatklub Atletico Madrid hat er nie verheimlicht. Als der damals 30-Jährige im Januar 2015 nach siebeneinhalb-jähriger Abstinenz zu seinem Herzensklub zurückkehrte, stand Madrid Kopf und feierte die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Torres löste mit der Rückkehr ein kleines Versprechen ein, denn im Zuge der Verkündigung seines Wechsels nach Liverpool 2007 von Atlético ließ er schon durchsickern, dass er irgendwann wieder im Vicente Calderón für Madrid auflaufen werde.


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2018 gewann Torres endlich einen Pokal mit seinem Klub Atletico Madrid


Doch auch in Liverpool wird man El Niño niemals vergessen. Die Beziehung zwischen dem Spieler und dem Verein war eine ganz besondere, die auch nach seinem Abgang Richtung Chelsea immer noch auflebte. Besondere Anekdote: Am 36. Spieltag der Premier League im Jahr 2014 lief Torres im Chelsea-Trikot allein mit Teamkollege Willian auf das Liverpooler Tor zu und hätte mit einem Tor zum 2:0 den Sack zumachen können, doch anstatt das Tor gegen seinen Ex-Klub zu erzielen, passte der Spanier rüber zu Willian, der nur noch einschieben musste. 


Obwohl es nie öffentlich bestätigt wurde, war allen klar, dass Torres einfach nicht gegen seinen Ex-Klub treffen wollte. Ob dies nun professionell sein mag oder nicht, ist eine andere Debatte. Die Geschichte zeigt allerdings, dass Torres sich mit seinen Vereinen identifiziert, sie tatsächlich im Herzen trägt und seinen Beruf als Fußballer liebt. Es ging ihm in seiner Karriere weniger um sein Prestige und die zur-Schau-Stellung, mehr um die Liebe zum Fußball und den Fans.


Mit dem Karriereende des Stürmers verliert der aktive Fußball ein ganz großes Gesicht der letzten Jahre. Fernando Torres schaffte dabei ein Kuriosum, denn er gewann mit keinem seiner Klubs je die nationale Meisterschaft. Es sind allerdings solche kleinen Makel, die an Torres Karriere nagten, denn insbesondere sein jahrelanges, unter anderem verletzungsbedingtes Formtief beim FC Chelsea sorgte dafür, dass letztendlich der ganz große Ruhm fehlte.


Doch auch wenn seine Torausbeute bei Chelsea ausbaufähig war, war er für den Verein elementar wichtig. So erzielte Torres im Champions League Halbfinal-Rückspiel 2012 gegen den FC Barcelona das Tor zum erlösenden 2:2 und im Europa League Finale 2013 gegen Benfica Lissabon das wichtige 1:0. Wenn er gebraucht wurde, war Torres da.

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Der Karriereausklang in Fernost: Fernando Torres beim japanischen Klub Sagan Tosu


Torres verkündete gestern, dass er nach dem Saisonspiel von seinem jetzigen Klub Sagan Tosu gegen Vissel Kobe seine Karriere beenden wird. In dem Spiel trifft er auf die Ex-Kollegen und Kumpels Andres Iniesta und David Villa. Was er nach seiner Karriere genau vor hat, ist noch nicht im Detail bekannt.


Wahrscheinlich wird Torres in seine Heimat Madrid zurückkehren, wo auch seine Familie lebt. Möglicherweise wird Torres in Zukunft eine Stelle bei Atlético Madrid annehmen. Er kehrt somit ein zweites Mal zu seinem Klub zurück, den er wohl nie Ganz verlassen hat. Als Fußballfan darf man sich vor Torres und seinem Charakter, seinem Spaß am Fußball und seinem Erfolg nur verneigen. Der Fußball muss mit ihm einen weiteren der ganz Großen gehen lassen.