​Normalerweise beziehen Fußballmannschaften im Juli oder August ihr neues Stadion. Bei den ​Tottenham Hotspurs war alles anders. Nach monatelangen Verzögerungen und mehrfachen Verschiebungen wurde ihr neues Stadion gestern von der ersten Mannschaft offiziell eingeweiht. 


"Ursprünglich sollte es schon im September 2018 eingeweiht werden, doch irgendwie kam immer irgendwas dazwischen. Probleme bei den Bauarbeiten, Mängel beim Brandschutz, Berliner kennen das", schrieb Spiegel Online. Auch zwei NFL London Games sollten 2018 im Tottenham Hotspur Stadion eigentlich schon steigen. 


Insgesamt hat der Bau rund eine Milliarde Pfund (ca. 1,17 Milliarden Euro) gekostet. Für den Fußball-Tempel hat der Klub ganz schön Kohle springen lassen, auf dem Transfermarkt war man knausriger. In den vergangenen beiden Transferperioden blieben die Hotspurs ohne Ausgaben und sorgten damit für ein Premier-League-Novum. 


Statt einen Generalunternehmer für den Stadionbau zu beauftragen, vergab der Verein Aufträge an verschiedene Firmen. Aber viele Köche verderben den Brei. So kam es, wie es kommen musste. Die Firmen arbeiteten monatelang aneinander vorbei. Des Weiteren gab es Berichte, dass einige Bauarbeiter bereits am frühen Morgen Bier getrunken und Koks geschnupft haben. Diese Exzesse sollen soweit gegangen sein, dass die Firma Mace Drogenkontrollen für die Bauarbeiter einführte. Die Profis mussten also weiterhin in der Übergangsheimat Wembley Stadion auf Torejagd gehen. Bis gestern. 

Heung-Min Son

1. Torschütze im neuen Zuhause: Heung-min Son (r.)


Die Stadionpremiere gegen Crystal Palace war auch sportlich von höchster Relevanz. Die Spurs eroberten sich mit dem Sieg Rang drei der ​Premier League zurück und kämpfen nach wie vor um die Champions League. Vor 59.214 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Rund sicherte sich der Ex-Leverkusener Heung-min Son um 20.59 Uhr Ortszeit in der 55. Spielminute einen Eintrag in die Geschichtsbücher als erster Torschütze in dieser Arena. 


Bis dahin hatte sich das Team von Trainer Mauricio Pochettino schwergetan. Bis Son an der rechten Strafraumkante den Ball erhielt, in die Mitte vorbei an zwei Gegnern zog und sein von Luka Milivojevic abgefälschter Schuss ins Netz ging. Zehn Minuten vor dem Ende ließ Christian Eriksen den 2:0-Endstand folgen. 


Schon bevor die Premiere gegen Crystal Palace angepfiffen wurde, leuchtete das Stadion feierlich. Mit einem Feuerwerk wurde die Zuschauermenge auf die Zukunft eingestimmt.

Die meisten Fans trauern zwar noch ein wenig der alten White Hart Lane nach, aber viele sind begeistert von der Eleganz des neuen Prachtbaus, das auf dem Grund der White Hart Lane errichtet wurde.


Vorbild Borussia Dortmund


Insgesamt beherbergt das Stadion 62.062 Zuschauer, hat eine eigene Brauerei und die längste Bar Englands. Selbstverständlich hat auch der goldene Hahn, das Wappentier des Klubs, einen Platz gefunden. Er thront auf dem Dach der Arena. Die Außenfassade ist geprägt von schmucken Glasbausteinen. Das Herzstück der neuen Arena liegt allerdings im Innern: der South Stand. Mit 17 500 Plätzen ist er die größte Tribüne Englands, die aus nur einem Rang besteht. Als Vorbild gilt die Dortmunder Südtribüne. 


Das ganze Stadion sieht von innen ein wenig aus wie das von Olympique Marseille, nur noch ein bisschen erhabener und moderner. "Wenn man dann aber tatsächlich da ist, denkt man sich: Das ist das beste Stadion der Welt", sagte Pochettino dem Streaming-Dienst DAZN.